#GIEFF – Das German International Ethnographic Film Festival ab jetzt immer in Koblenz!

In 5 Tagen 53 Filme aus 33 Ländern zu Themen wie Globalisierung, Diversity, Migration, Exil, Älterwerden und Beziehungen zwischen Mensch und Tier? Ja, tatsächlich. Am 11. Mai durften wir live vom diesjährigen GIEFF berichten. Man hatte uns zu einem ganz besonderen Teil der Veranstaltung eingeladen: Der renommierte Ethnologe und Filmemacher David MacDougall war zu Gast und beeindruckte nicht nur uns mit seiner Präsentation.

Advertisements

Bis vor Kurzem war uns das 1993 in Göttingen gegründete GIEFF unbekannt. Wer weiß, vielleicht haben wir irgendwann einmal davon gelesen, ganz beiläufig. Doch das ist eher unwahrscheinlich, denn als wir vor wenigen Wochen zum ersten Mal davon hörten, waren wir sofort neugierig. Immerhin trägt es einen englischen Namen, ist international und – hallo – ein Festival! In unserem Koblenz! Da mussten wir einfach nachfragen und suchten Kontakt zu den Veranstaltern. Vermutlich fragt auch Ihr Euch, was dieses GIEFF konkret ist. Irgendwas mit Ethnologie, also wissenschaftlich und somit trocken? Von wegen! Kaum eine Wissenschaft ist derart „up to date“, denn Ethnologie befasst sich mit Themen, die uns aktuell besonders stark betreffen. Außerdem kommen zum GIEFF Leute aus der ganzen Welt. Auch junge Studierende! Erfahrene Filmemacher und Nachwuchsregisseure. Wissenschaftler und …. einfache Leute wie wir.

„Die Filmbeiträge des GIEFF zeigen durch ihre Nähe und Unmittelbarkeit in eindrücklicher Weise, welche Baustellen es in unserer globalen Gesellschaft gibt. (….) Die mediale Sichtbarkeit bedeutet noch keine Lösung, sondern macht uns zunächst nur gesellschaftliche Probleme bewusst.“ (Martin Görlitz, der mit seiner Stiftung und dem ISSO Institut das Festival mitorganisiert)

„Die Ethnologie lässt sich als die Kunst beschreiben, das Fremde vertraut werden zu lassen und das Vertraute fremd.“ (Prof. Dr. Ackermann, Festival Director)

Beim diesjährigen GIEFF wurden zum 14. Mal von einer internationalen Jury ausgewählte Dokumentarfilme aus unterschiedlichen Ländern gezeigt. Teil des Programms waren allerdings auch Präsentationen von interaktiven Websiten, ein studentischer Filmwettbewerb und Diskussionsrunden mit Filmschaffenden aus aller Welt. Koblenz Digital nahm an einer Neuheit des Festivals teil: der „Filmmaker´s Choice“. Sie wurde in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (DGSKA) auf die Beine gestellt. Auch künftig sollen hierbei bekannte Regisseure „ihre Arbeit in Perspektive setzen, indem sie Exzerpte aus Filmen, die ihre Arbeit beeinflusst haben, zeigen und mit dem Publikum diskutieren“, so heißt es in einer öffentlichen Erklärung.

Konkret bedeutete es in unserem Fall, dass wir uns mit dem preisgekrönten Filmemacher David MacDougall einen Raum teilen, gemeinsam mit ihm Ausschnitte aus aufschlussreichen Filmen anschauen und später an einer Diskussion teilnehmen durften. In der Pause mischte sich der Regisseur unter die Leute und erwies sich nicht nur als bescheiden, sondern als aufgeschlossen und gewiss auch – wie könnte es bei einem Ethnologen anders sein – neugierig. Denn er schaute sich um, beobachtete und interagierte nicht nur mit den freundlichen Studentinnen an der Getränkeausgabe.

„Ethnografische Filme sind dann gelungen, wenn sie zulassen, dass die Zuschauer und Zuschauerinnen sich selbst ein Bild beziehungsweise eigene Erfahrungen machen und im vermeintlich Fremden auch Vertrautes entdecken können.“ (Prof. Dr. Ackermann)

Die von MacDougall ausgewählten Filmausschnitte, beeindruckten mich und das restliche Publikum sehr. Wir lachten und staunten gemeinsam. Wir fühlten mit. Diese Filme hatten es also geschafft – sie ließen uns Vertrautes im vermeintlich Fremden entdecken und mitempfinden. Ob in Afrika, 1906 in den USA oder 1960 in Paris – alle Protagonisten sowie andere in den Filmen auftauchenden Personen waren letztendlich nur Menschen. Menschen wie Du und ich. Egal wie anders ihr Leben aussah, wie ungewöhnlich sie wohnten, wie armselig ihr Dasein wirkte oder wie abenteuerlich – was man sah, war pure Menschlichkeit in diversen Situationen und Facetten.

Hättet Ihr gedacht, dass bereits 1960 die französische Jugend davon träumte, ein Startup zu gründen, Arbeit nur aus Leidenschaft nachzugehen, schnell reich zu werden und sich für die Work-Life-Balance einzusetzen? Genau das zeigt nämlich einer der Dokumentarfilme, der beim jungen Publikum besonders gut ankam. „Der Film ist so toll! Gestern wurde er in voller Länge gezeigt und ich würde ihn mir gerne nochmal anschauen“, erzählte mir eine Studentin aus Bremen. Sie und ihre Freundinnen waren mit einer ganzen Seminargruppe für das komplette Festival extra nach Koblenz gekommen. Nichts wollten sie verpassen. Natürlich fragte ich sofort, wie sie unsere Stadt finden und erntete ein breites Lächeln. „Koblenz ist sehr schön. Wir sitzen gerne an der Mosel und beobachten die Touristen. Es ist großartig. Aber jugendlich ist diese Stadt nicht gerade.“

An dem Freitag war es jedoch spürbar jugendlich. Denn auf dem Florinsmarkt saßen und standen hier und da Studierende in Grüppchen mit anderen Teilnehmenden zusammen. Auf einer Mauer, an der Treppe – sie unterhielten sich auf deutsch und englisch. Menschen, die etwas erfahren wollten, die wissbegierig und offen waren, trafen sich an einem Ort – unabhängig davon, woher sie kamen. Sie vertrugen sich, sprachen über Fachliches, das Leben als solches und ließen sich somit auf den Augenblick ein. Das Jetzt. Wann tun wir das noch? Ich behaupte: immer seltener. Die drei Stunden, die ich im Publikum verbrachte oder zwischendurch im Gespräch mit anderen Anwesenden und in der Pause mein Handy am Getränkestand aufladend, verflogen ganz schnell.

„Die Entwicklung eigener Standpunkte braucht Begegnung und Anschauung genauso wie Empathie und Diskussion. Genau dies kann das Medium Dokumentarfilm leisten, wenn es seinem Anspruch, authentische Porträts fremdkultureller Wirklichkeiten zu liefern, gerecht wird“, schreibt Prof. Dr. Ackermann von der Koblenzer Universität. Danke für diese schöne Erklärung dessen, was ich dort gesehen habe. Allein deshalb hätte sich der Besuch gelohnt. Toll ist, dass man sich die Filme nicht ganz allein zu Hause anschaut, sondern mit anderen Menschen zusammen. Kino eben. Bloß ziemlich speziell, da nicht im gewöhnlichen Kino, sondern im Gewölbekeller des Alten Kaufhauses in der Koblenzer Altstadt. Wann erlebt man denn so etwas?

Zu unserer Freude feierte das GIEFF nicht nur sein 25-jähriges Jubiläum hier, sondern wird, laut Veranstalter, ab jetzt immer in Koblenz stattfinden. Und zwar ausschließlich hier, nicht wie 2016 aufgeteilt auf Göttingen und Koblenz. Alle zwei Jahre wird uns das Festival beglücken. Es steht unter der Schirmherrschaft der Kulturdezernentin PD Dr. Margit Theis-Scholz und wird von der Universität Koblenz-Landau sowie dem ISSO Institut organisiert. Wir von Koblenz Digital müssen uns leider desöfteren aufteilen, um an den zahlreichen Events teilnehmen zu können. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass beim nächsten Mal mehrere von uns zum GIEFF kommen werden. Wir freuen uns schon auf 2020!

 

Links

David MacDougall im Video (YouTube)

GIEFF

Unsere Tweets zur Veranstaltung – live und spontan

Autor: alexandrakloeckner

Freie Autorin und Texterin. Eisbrecherin zwischen analoger und digitaler Welt. Weitere Infos auf: about.me/kloeckner.alexandra

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s