VHS Neuwied + SWR: Guter Journalismus vs. Fake-News – wie entstehen Nachrichten?

Die Nachrichten des Südwestrundfunks (SWR) erreichen uns via Fernsehen, Radio und Web. Doch den meisten von uns ist unklar, wie Nachrichtenjournalismus überhaupt funktioniert. Unter der Überschrift „Guter Journalismus vs. Fake-News“ hat die Kreisvolkshochschule (VHS) Neuwied Thomas Nettelmann für einen Vortrag gewinnen können. Der Nachrichtenchef des SWR wollte die Frage klären: „Wie entstehen Nachrichten?“

 Vortrag bei der Kreisvolkshochschule Neuwied

Schon lange vor dem 07. November 2019 waren die Plätze für den Vortrag bei der VHS Neuwied knapp geworden. Ein Zeichen, dass der SWR, die Kreisvolkshochschule Neuwied und der Weiterbildungsbeirat im Kreis Neuwied ein Thema angeschnitten haben, dass die Leute interessiert und bewegt.

Mehr als 20 Teilnehmer fanden sich am Abend in der food adademie in Neuwied ein. Alle waren gespannt auf den Vortrag von Thomas Nettelmann, dem SWR Nachrichtenchef und wie es wohl funktioniert, dieses „Nachrichten machen“.

Thomas Nettelmann

Leider war ich spät dran und bin erst 10 Minuten nach sechs in der food akademie eingetroffen. Die Begrüßung und Vorstellung von Thomas Nettelmann habe ich somit verpasst. Zumindest den Werdegang beim SWR konnte ich im Nachgang ermitteln:

  • Seit 1998 beim SWR als Nachrichtenredakteur tätig.
  • Ab 2009 Hörfunk-Nachrichtenchef im Landessender Rheinland-Pfalz
  • Zusätzlich seit 2011 Leiter des landespolitischen Korrespondentenbüro in Mainz.

Erster persönlicher Eindruck, den ich an dem Abend gewonnen habe (und – Spoileralarm – der sich am Ende des Abends bestätigt hat): ein sympathischer Mann mit einer lockeren, angenehmen Art, der weiß, wovon er spricht.

Was guten Journalismus von Fake-News unterscheidet

In seinem Vortrag ging Thomas Nettelmann zunächst auf den organisatorischen Aufbau des SWR in Rheinland-Pfalz und Baden-Würtemberg ein. Neben den eigenen Studios und Büros kann der Sender auf ein eigenes Korrespondentennetzwerk von SWR und ARD zurückgreifen. Und das weltweit.

Doch der eigentliche Nachschub für die Redaktion stammt von unabhängigen Nachrichtenagenturen, wie beispielsweise der dpa (Deutsche Presseagentur) oder AP (Associated Press). Diese liefern einen kontinuierlichen Strom an (Roh-) Meldungen, der von den Nachrichtenredakteuren gesichtet und bewertet werden muss. Hier hat mich die schiere Anzahl überrascht:

Nachrichtenmacher müssen schnell entscheiden

Eins wird schnell klar: bei einer solchen Flut von Meldungen müssen die Nachrichtenmacher schnell entscheiden. Und das permanent. Denn eine am Morgen erstellte Nachrichtenmeldung kann wenige Stunden später durch neue Erkenntnisse veraltet sein und muss überarbeitet werden. Dieser Aufgabe stellen sich die Redakteure des SWR von frühmorgens bis spät in die Nacht mit mehreren Teams, die 24/7 für einen steten Fluss an aktuellen Nachrichten im Radio sorgen.

Ich gehe jetzt nicht auf alle Fazetten des Vortrags ein. Im Laufe des Abends wurde den Teilnehmern viele unterschiedliche Aspekte aufgezeigt, die von den Redakteuren beachtet werden müssen. Hier eine kleine Auswahl:

  • Andere Sender oder Social Media Kanäle berichten unreflektiert über Vorgänge, die unklar oder unbestätigt sind.
  • Bei den Texten muss auf – gewolltes oder ungewolltes – Framing geachtet werden.
  • Durch das relative kleine Zeitfenster (40 Sekunden, maximal fünf Nachrichten) muss die Auswahl mit hoher Sorgfalt erfolgen.

Hands on: was kommt morgen in den Nachrichten?

Selbst die Auswahl der Nachrichten entpuppt sich als komplexer Prozess, den die Teilnehmer an diesem Abend selbst miterleben konnten. Hierfür wurde aus der food akademie live in der Redaktion in Mainz angerufen und die Forecast für die Nachrichten des kommenden Tages abgerufen. Die in vier Gruppen zusammengefassten Teilnehmer sollten fünf Nachrichten auswählen, die am nächsten Tag (voraussichtlich) bei SWR aktuell gesendet werden.

Nach reger Diskussion siegte schließlich das Gefühl:

Unsere Nachrichten kommen bestimmt in die Sendung!

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Mögliche Nachrichtenthemen für den 08. November 2019. Welche es wohl in das Programm schafft…?

Am nächsten morgen hat sich herausgestellt, das dem nicht so war. Natürlich finden aus dem Forecast tatsächlich nur wenige Meldungen den Weg in eine Nachrichtensendung. Die Welt dreht sich nachts weiter und es trudeln neue Informationen in der Redaktion ein, die Forecast-Meldungen verdrängen. Aber dass es dann gerade mal zwei Meldungen aus der Liste waren, war eine Überraschung. Und es waren zwei Meldungen, die wir schon sehr früh aussortiert hatten.

Fazit

Veranstaltungen wie die der Volkshochschulen Koblenz und Neuwied sind gerade jetzt immens wichtig. Sie bieten Einblicke in die Arbeit der Nachrichtenredaktionen der öffentlich-rechtlichen Sender und zeigen die Möglichkeiten und Grenzen der Redaktionen auf. Sie machen die Regeln transparent, nach denen Nachrichten ausgewählt, produziert und veröffentlicht werden. Durch die Informationsabende und den persönlichen Kontakt zu „den Nachrichtenmachern“ entsteht elementar wichtiges: Vertrauen in die Redaktionen und Vertrauen in deren Nachrichten. Und durch das vermittelte Hintergrundwissen wird es leichter, manipulierende Berichterstattungen oder Postings in sozialen Medien zu erkennen und kritisch zu hinterfragen. Den eins ist klar: viele Menschen sind in einer Filterblase gefangen. In der Bubble wird die eigene Meinung weiter verstärkt und verfestigt, während „echte“ Nachrichten als Fake-News abgetan werden.

Weiterführende Artikel hier im Blog

Mit diesem Beitrag knüpfen wir an den Artikel Lange Nacht der VHS: Fünf Tools helfen, Fake News zu erkennen vom 13.10.2019 an. Bei dieser Veranstaltung der VHS Koblenz haben Maresa Getto (VHS) und David Rühl (SWR) die Themen „Fake-News“ und Nachrichtenjournalismus näher beleuchtet.

Autor: Peter Winninger

Blogger aus Leidenschaft, Wandersmann, Social-Media-Begeisterter. In der Region Mayen-Koblenz verwurzelt, bei einem IT-Unternehmen in Koblenz beschäftigt und irgendwie auch im kommunalen Umfeld unterwegs.

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