Eine Hommage auf die Innovationskultur: das (digitale) Innovation Culture Camp 2021

Viele Unternehmen sind gerade in unbekannten Gefilden unterwegs: Homeoffice, Videokonferenzen und Corona geben einen neuen Arbeitstakt vor. Und viele stellen sich die Frage: kann unsere Corporate-DNA da mithalten? Haben wir eine Innovationskultur und können wir rasch genug auf die Veränderungen reagieren? Beim 2. Innovation Culture Camp trafen sich am 30.01.2021 mehr als 230 MitarbeiterInnen, Fach- und Führungskräfte, Um-die-Ecke-Denker und Creative Minds zum digitalen Wissensaustausch. Rein virtuell, denn das Barcamp fand diesmal online statt.

Ein digitales Barcamp „Made in Rheinland-Pfalz“

Schon bei der Premiere des Innovation Culture Camp im Jahr 2020 hat sich gezeigt: dieses Thema hat Zukunft und Potential! Davon zeugen allein die 150 TeilnehmerInnen, die sich im Vorjahr im Gutenberg Hub in Mainz zusammengefunden hatten.

Damals wie heute drehte sich an diesem einen Tag alles um Unternehmenskultur und wie diese Innovation und Veränderung unterstützen kann. Oder auch behindert, je nachdem, wie man sich aufgestellt hat. Es ging um Teilen, um Methoden und darum, wie man Hindernisse auf dem Weg zur Innovation überwinden kann. Wissensaustausch auf Augenhöhe und immer im regen Austausch untereinander. Diskussionen waren und sind eine wichtige Triebfeder bei jedem Barcamp.

Tom Klose, der Initiator und die treibende Kraft hinter dem #i2c

Aber – funktioniert so ein Format auch rein digital? Ohne den persönlichen Kontakt? Das direkte Gespräch? Nun: der Mann hinter dem Innovation Culture Camp, Tom Klose von supernju hatte da wohl wenig Zweifel. Und wenn doch, hat man diese nicht gespürt.

Zusammen mit Nina vom Gutenberg Digital Hub führte Tom in bekannt ruhiger, lockerer und gleichzeitig begeisternder Art durch den kompletten Tag. Denn anders als 2020 waren diesmal die Barcamper nicht live vor Ort in Mainz. Die rund 250 TeilnehmerInnen waren via Zoom zugeschaltet, tummelten sich mal in einer großen, virtuellen Lobby oder verteilten sich auf die Breakout-Sessions oder den Netzwerkraum.

Man hatte sogar daran gedacht, jedem Breakout-Raum einen Moderator zuzuteilen. Dieser unterstützte den oder die Präsentatoren und hatte auch ein Auge auf die Technik.

Barcamp-Basics

Falls jetzt jemand bis hier hin gekommen ist und sich fragt: „Was zur Hölle ist überhaupt ein Barcamp?„, dem kann ich einen der älteren Artikel hier im Blog empfehlen, in der diese Frage beantwortet wird.

Begrüßung und Dank an den Sponsor

Ja: den Sponsor, weil das Innovation Culture Camp nur einen Sponsor hat. Das Event wird durch die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz gefördert. Das Grußwort von Heike Raab, der Staatssekretärin der Staatskanzlei, leitete daher nicht von ungefähr den offiziellen Start der Veranstaltung ein.

Na? Welchen Tweet hat Heike Raab da wohl als Aufhänger verwendet?

Sessionplanung

Etwas untypisch hatte ein Großteil der TeilnehmerInnen schon im Vorfeld die Sessionplanung gefüllt. Das hatte den Vorteil, dass die Sessionplanung selbst wenig Zeit in Anspruch nahm und auch noch vier Nachmeldungen in das Tagesprogramm einfließen konnten.

Auszug aus der Sessionplanung

Insgesamt gab es fünf auf den Tag verteilte Timeslots von 40 Minuten. In jedem Slot wurden bis zu sieben Breakout-Räume in Zoom bereitgestellt. Ergibt insgesamt 35 Sessions. Ergänzt wurden diese durch die übergreifenden Angebote Awakening Yoga und Bürostuhl-Yoga mit Julia Niss (die ich aber – ich gebe es zu – geschwänzt habe).

Nachfolgend gebe ich einen kurzen Abriss von den Sessions, die ich selbst besucht habe.

Remote Usability Tests – nie waren sie so einfach wie jetzt

Die Session wurde von Anne und Philipp von quäntchen + glück angeboten – und da konnte ich natürlich nicht „Nein“ sagen.

Denn Philipp und Anna sind gleichzeitig auch Gründungsmitglieder des Usability Testessen (https://usability-testessen.org). Und davon bin ich ein absoluter Fan-Boy.

Bei der Session diesmal ging es um Remote Usability Tests (etwas anderes ist aktuell  kaum möglich, man man die Hygieneregeln einhält). Im Laufe der 40 Minuten zeigten die beiden auf, warum Remote Usabilty Tests „nie so einfach waren wie jetzt„. Ein großes Hindernis der Vergangenheit (= fehlende WebCam & kein Mikrophon hat sich nämlich in Zeiten von Corona und Homeoffice von ganz alleine geregelt. Und mit Zoom ist  eine weit verbreitete Plattform hinzugekommen, an die sich viele längst gewöhnt haben. Und Zoom bringt für einen Ad-hoc-Test (fast) alle von Haus aus mit.

Foto vom Vortrag von Anne und Philipp von quäntchen + glück.

Remote Tests hat noch einen weiteren Vorteil gegenüber den bisherigen Labortests: die Person nutzt ihr eigenes Device in der gewohnten Umgebung. Zwei nicht zu unterschätzende Vorteile, war ein Labor immer eine neue, ungewohnte Umgebung.

Und auch sonst war die Session gespickt mit vielen Tipps und Tricks:

  • Dauer eines Tests sollte eine Stunde nicht überschreiten (45 Minuten Test + 15 Minuten Nachbesprechung)
  • Hilfreich ist es, wenn Stakeholder als stille Zuschauer an dem Test teilnehmen
    Unbedingt einen Technikcheck mit dem Probanden vorsehen!
  • Als Tool für die Dokumentation der Tests wird Trello genutzt.

Wenn Fuck Up Nights ganz falsch verstanden werden: Agile Transformation und die Sprache

Bei der Session von Tal Uscher und von Nicole Röttger von der Apiarista GmbH ging es um agile Transformation und Sprache.

Tal und Nicole arbeiteten im Verlaufe Ihres Vortrags und der immer wieder eingestreuten Gruppenarbeit sehr schön heraus, wie sehr sich der Sprachschatz der „Agilen“ von dem der „Normalos“ unterscheidet. Englische Fachbegriffe und jede Menge Buzzwords sind für den einen eine Selbstverständlichkeit, während der andere nur noch Bahnhof versteht. Und will man die Agilität dann auch noch in einer öffentlichen Verwaltung einführen, sind die Hürden nochmal zu hoch.

Zum Schluss wurde versucht, gemeinsam deutsche Begriffe für agile Buzzwords zu erarbeiten. Und da wurde dann auch mal aus der „Fuck Up Nights“ ein „Scheiter Heiter“.

Agile Zahlen – wie messen wir, was wirklich zählt?

Bei der Session von Verena und Melanie ging es darum, verschiedene Fragen zu erörtern, die aufeinander aufbauen:

  • Welche „weichen“ Erfolgsfaktoren kennen wir (oder welche sind uns wichtig)?
  • Wie kann man diese Erfolgsfaktoren (zum Beispiel „Vertrauen“) fördern?
  • Mit welchen Kennzahlen können wir den Erfolgsfaktor „Vertrauen“ messen?

Klingt einfach, aber das Feedback und Fragen der Teilnehmer zeigte, wie unterschiedlich die Sichtweisen auf das Thema sind. Die Skala reichte dabei von „Natürlich muss man das Messen, damit wir Fortschritte sehen“ bis hin zu „Vertauen messen steht dem Vorgesetzten nicht zu„.

Rückenwind für eure Kreativität: Alltags-Hacks zum Ausprobieren

In der Session von Stefanie und Jan-Christian (beide von iteratec GmbH) ging es um Tipps und Tricks rund um die eigene Kreativität.

Im Verlaufe der Session und Gruppenarbeit zeigte sich sich schnell, dass der Kreativität vor allen Raum und Zeit gegeben werden muss.
Hier ein paar der Notizen aus dieser Session:

  • Frosch des Tages: zu beginn jeden Tages wird im Kalender eine bestimmte Zeitspanne reserviert, in der man „eine Kröte schlucken muss“. Man verwendet die Zeit zur Erledigung einer unangenehmen oder lästigen Aufgabe. Hat man die erledigt kann man befreit aufspielen.
  • Cliffhanger. Der genaue Gegenvorschlag kam von einem Teilnehmer. Beim Cliffhanger wird am Vortag eine Aufgabe bis fast zum Abschluss umgesetzt. Und den hebt man sich dann für den Beginn des Folgetages auf. Vorteil: man beginnt direkt mit einem Erfolgserlebnis.
  • Mittagspause nutzen: Blocker für Mittagspause einsetzen und in dieser Zeit unterschiedliche Dinge erledigen, zum Beispiel Walk-and-Talk mit Kollegen (geht auch virtuell), Hausarbeiten erledigen, und so weiter.
  • Streifenhörnchenkalender: zwischen zwei Terminen muss eine kurze Pause liegen, um zu verschnaufen, Luft zu holen und sich für den nächsten Termin zu sammeln.

Interessant waren auch Umfragen bei den Teilnehmern, was sie dran hindert, kreativ zu sein.

Diese Wordwolke ist dabei entstanden:

Wortwolke zum Thema „Was hindert dich, kreativ zu sein?“

Was sonst noch?

Genial: Graphic Recording durch Jiayan Chen von http://www.yanbochen.de/

Das Making-of kannst Du auf YouTube bewundern:

Aber bring Zeit mit (das ist eine Drei-Stunden-Session). Ich finde es faszinierend, wie schnell und vor allen dingen ja auch parallel zur Veranstaltung diese kleinen Wunderwerke entstehen.

Und natürlich gab es beim Innovation Culture Camp eine Job-Wall. Immerhin acht Beiträge hat es auf dem Mural-Board gegeben.

Ach so: selbst das leibliche Wohl ist nicht vergessen worden. Alle TeilnehmerInnen erhielten ein Überraschungspaket von Edeka mit Nudeln, Pesto, Knabberkram, Wasser und Infomaterial. Tolle Idee!

Fazit

Funktioniert ein digitales Barcamp? Ja. Das hat das Innovation Culture Camp 2021 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Allein die gestiegene Anzahl der TeilnehmerInnen im Vergleich zu 2020 spricht hier Bände. Und einige haben das digitale Format genutzt, um räumliche Schranken zu überwinden. Ein klarer Vorteil der technischen Plattform, die – bis auf kleinere Aussetzer – verlässlich über den gesamten Tag hinweg funktionierte.

Und doch …

Und doch war allen klar, dass ein Live-Barcamp etwas anderes ist.  Es ist – intensiver. Gerade das Format Barcamp lebt vom persönlichen Austausch, dem Miteinander, dem Pausengespräch. All die kleinen und großen Nebensächlichkeiten, die in Ihrer Gesamtheit den Charakter der Veranstaltung prägen. Die Anfahrt, die Locaiton, die Räume, das WLAN, die Menschen, die man trifft, mit denen man sich austauscht. Ihre Gesten und Mimik, die wir – bewusst oder unterbewusst – wahrnehmen.

All das fehlte beim diesjährigen Innovation Culture Camp. Aber vor dem Hintergrund einer Pandemie und einem unheimlich interessanten Thema wie der Innovationskultur kann ich (für mich) sagen, dass man das Beste aus einem digitalen Barcamp herausgeholt hat, was möglich war.

Danke daher nochmal an die Organisation, an alle TeilnehmernInnen und an alle, die eine Session gehalten haben. Das war ein unheimlich inspirierender Samstag, den ich mit Euch verbringen durfte!

Autor: Peter Winninger

Blogger aus Leidenschaft, Wandersmann, Social-Media-Begeisterter. In der Region Mayen-Koblenz verwurzelt, bei einem IT-Unternehmen in Koblenz beschäftigt und irgendwie auch im kommunalen Umfeld unterwegs.

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