Ein Podcast für Koblenz

Ich bin kein übermäßig großer Podcast-Hörer, oft dauert mir das zu lang oder es wird nicht auf den Punkt gekommen. Als Alexandra mir von „Rund ums Eck“ erzählte, einer Sendung über Menschen und Themen aus Koblenz und Umgebung, war ich trotzdem sofort interessiert. Abwechselnd mit Manolito Röhr und Stephan Mahlow spricht sie dort mit bekannten Persönlichkeiten aus unserer geliebten Stadt, aber auch mit Menschen von nebenan, die Spannendes zu erzählen haben.

Das Moderatoren-Team
Die Moderatoren v.l.n.r.: Alexandra Klöckner, Stephan Mahlow und Manolito Röhr.

Was ich richtig gut finde: Anders als bei vielen anderen Podcasts, wo einfach drauflos gelabert wird, wird sich hier richtig gut vorbereitet. Die Gespräche erhalten durch das Interview-Format eine Struktur und man schweift nicht ab. Die ersten beiden Folgen sind schon draußen und dauern beide weniger als 45 Minuten. Es ist aus meiner Sicht eine gute Länge, das kann man gut während einer Gassirunde oder einer Bahnfahrt genießen.

Die Gesprächspartner in den bereits erschienenen Folgen sind Unternehmensgründer Sascha Böhr und Berti Hahn vom Café Hahn. Lohnt sich!

Hier könnt ihr „Rund ums Eck“ auf einer Plattform eurer Wahl anhören und abonnieren. Spotify, Apple, alles: RUND UMS ECK anhören / abonnieren

Offenlegung: Ich bin in einem Unternehmen von Sascha Böhr angestellt. An dem Podcast-Projekt bin ich in keiner Weise beteiligt.

Wie Open Data dem Koblenzer Busverkehr nutzen kann

Warum zeigt Google Maps in Koblenz keine Busverbindungen an?

Vor kurzem war ich in Strasbourg und ziemlich begeistert, dass Google Maps sehr genau voraussagen konnte, wann die Straßenbahn kommt, wie voll diese ist, wo diese langfährt und wie man am besten umsteigt. Die Informationen haben sich dabei in Echtzeit aktualisiert, ein echter Mehrwert wenn man in einer fremden Stadt unterwegs ist und die Routen nicht kennt.

Mit Google Maps auf der Suche nach einer Busverbindung in Koblenz

Wenn ich eine ähnliche Suche in Koblenz ausführe, erhalte ich Ergebnisse wie im obigen Screenshot. Wenn ich von zuhause (Innenstadt) bis zum TechnologieZentrum (Metternich) möchte, schlägt Google mir vor, einen 45-minütigen Fußmarsch zu absolvieren oder mit dem Zug nach Moselweiß zu fahren und von da eine knappe halbe Stunde zu laufen.

Kein Bus in Koblenz?

Da dies meine tägliche Strecke ist, weiß ich natürlich, dass das Unsinn wäre: Tagsüber gibt es eine Busanbindung im Viertelstundentakt und zwei Linien (3/13, 20) fahren genau dieses Ziel an.

Warum wird diese Verbindung also nicht angezeigt? Ganz einfach: Die Daten stehen nicht zur Verfügung. Zwar gibt es bereits seit 2017 Echtzeitdaten in der App des Verkehrsverbunds Rhein-Mosel. Auch der DB Navigator zeigt Busse in unserer Region an. Jedoch sollte meiner Meinung nach eine Abfrage auch über Google Maps (und ggf. weitere Apps) angestrebt werden, um die Hürde, Busse zu nutzen, weiter zu senken. Wer über die Maps-App sucht, bekommt alle Verkehrsmittel angeboten. Ist es nicht klasse, vergleichen zu können? Wie wäre es, wenn der Autofahrer sieht, dass die gleiche Strecke mit dem Bus genau so lang dauert?

Was kann getan werden?

Es gibt bereits eine Initiative Open Data im Öffentlichen Personennahverkehr, die zum Ziel hat, die Verbindungsdaten verfügbar zu machen. Der VRM ist bisher leider nicht dabei.

Im Falle des De-facto-Standards für Navigation, Google Maps, ist genau dokumentiert, was zu tun ist. Es ist vor allem für Touristen, Geschäftsreisende oder andere Leute, die nicht aus Koblenz kommen, sicher hilfreich, Busverbindungen angeboten zu bekommen, ohne eine Extra-App herunterladen oder manuell auf die Suche gehen zu müssen. Einfach nur ein Schritt weiter und eine Hürde weniger. Für Pendler hilft es außerdem, weil eventuelle Verspätungen und hohe Auslastungen per Push-Notification bereitgestellt werden.

Lieber VRM, bitte gebt die Daten frei. Liebe KOVEB als neue Betreiberin der Buslinien in Koblenz, bitte setzt euch dafür ein. Man sieht sich in der Linie.

Euer treuer Bus- und Bahnkunde
Gerrit

Hinweis: Ich habe den Verkehrsverbund Rhein-Mosel vor einem Monat (E-Mail vom 22.10.) zu diesem Thema befragt. Eine Antwort blieb leider aus.

Titelbild vom Koblenzer Hauptbahnhof ist von Henry Tornow, für mehr Bilder aus und von unserer schönen Stadt folgt Schönes Koblenz!

Eigene Teststation beim Usability Testessen

Das Testessen ist eine echte Institution geworden. Ungefähr alle vier Monate findet das Event statt und es ist immer ausgebucht. Dort treffen sich Tester, die Spaß daran haben, neue Dinge auszuprobieren und Feedback zu geben. Dazu gibt es Pizza und Kaltgetränke eine runde Sache!

Die erste eigene Teststation

Wie einige sicher wissen, arbeite ich bei 247GRAD im TechnologieZentrum. Nachdem ich letztes Mal als Tester dabei war, wollte ich die Chance nutzen und dieses Mal ein Projekt von uns mitbringen. Die Wahl fiel auf die Mobile-App der evm, die wir realisiert haben. Dort geht in den nächsten Wochen ein Redesign online, also der perfekte Zeitpunkt um nochmal unabhängiges Feedback einzusammeln.

Mein Kollege Florian hat sich freundlicherweise bereiterklärt, als Mitentwickler den technischen Part abzudecken und hatte ein paar User Stories vorbereitet. Das hat sich nachher als sehr hilfreich herausgestellt, denn dadurch, dass wir den Testen konkrete Aufgaben gegeben haben, ließen sich die Erkenntnisse nachher besser auswerten und vergleichen.

Unsere Teststation war schnell aufgebaut:

  • Laptop um auftretende Bugs direkt in den Bug Tracker einzutragen
  • Notizbuch um mitzuschreiben, was die Tester getan & gesagt haben
  • Test-Smartphone mit aufgespielter Vorabversion der App

Los ging es also und der erste Tester kam. Wir haben dabei zu zweit beobachtet, wie dieser in der App navigiert und dank der Think-Aloud-Methode (dabei sprechen) kamen schnell die ersten Erkenntnisse von einem unbefangenen Benutzer. Einiges funktionierte gut, bei manchem könnten wir es noch intuitiver gestalten oder es hat gehakt.

Bei der zweiten Testerin  fiel dann direkt auf: Manches passierte schon zum zweiten Mal. Aber auch neue Anmerkungen kamen dazu. Bis zum sechsten Tester konnten wir so im Kopf schon ganz gut priorisieren, was am wichtigsten verbessert werden muss. Zwei der Tester*innen kannten die evm-App sogar schon, was dann auch nochmal einen intensiveren Austausch ermöglichte. Auf jeden Fall grandioses Feedback und an alle Tester*innen, die bei uns waren: Top Arbeit!

Dann noch eine Überraschung: Was ich anfangs gar nicht erwartet hatte, waren konkrete Ideen, welche Features die App noch bieten könnte. Die Frage „Hat die App deine Erwartung erfüllt?“ war auf jeden Fall Gold wert. Wir können tatsächlich im nächsten Kundentermin mit einer Liste von Vorschlägen reingehen, auf die vorher noch keiner kam.

Der Abend hat richtig Spaß gemacht, die Pizza war super (danke für eine pflanzliche Variante!) und ich habe richtig Bock, nächstes Mal wieder dabei zu sein.

Initiator & Treiber des Usability Testessen Koblenz: EYEVIDO

Ein Event wie das Usability Testessen organisiert sich nicht von allein. Von daher mein aufrichtiger Dank und Respekt an das Team von EYEVIDO. Ihr habt das Eventformat Usability Testessen nach Koblenz gebracht. Und mit Eurem Engagement sorgt Ihr dafür, dass wir nun schon zum fünften Mal ein Testessen in Koblenz veranstalten konnten. Und damit habt Ihr dafür gesorgt, das viele Apps, Dienstleistungen oder Webseiten benutzerfreundlicher geworden sind.
Danke Daniela, Sezen & Christoph.

Danke auch an den Gastgeber – das DICE

Organisation und Herzblut sind das eine, offenes Mindset und der Wille, etwas in der Region zu bewegen, das andere. Der Dank geht daher auch an den Gastgeber des Abends, dem Team des DICE (Debeka Innovation Center). Im DICE werden für die Debeka neue Konzepte, Technologien und Formen der Projektorganisation erprobt. Somit ist das DICE ein Experimentierraum. Und davon machen die Köpfe des DICE rege Gebrauch.

Mehr zum Usability Testessen findet ihr auf der Website. Schaut auch in unsere vorherigen Beiträge!

E-Scooter: Mega geil oder Schrott?

Das Thema E-Scooter spaltet die Nation. Wir haben darüber diskutiert und zwei Sichtweisen für euch.

Das Thema E-Scooter spaltet die Nation. Wir haben darüber diskutiert und zwei Sichtweisen für euch:

Gerrit (Pro):

Ich komme gerade aus Berlin und dort war ich zuerst überwältigt von der Präsenz diverser Leih-E-Scooter. Diese stehen dort überall auf Gehsteigen rum und bevölkern die Radspuren der Straßen.

In Koblenz ist das alles noch wenig verbreitet. Mein Chef hat tatsächlich als einer der Ersten zwei Roller aus China bestellt und diese bei uns ins Büro zur freien Verfügung gestellt. Damit waren wir am Moselufer schon ein paar Mal unterwegs. Als Fortbewegungsmittel für jeden Tag hat sich das noch nicht etabliert.

Ich selbst bin großer Verfechter des ÖPNV und habe noch nie ein motorisiertes Fahrzeug besessen, was in Koblenz bedeutet dass ich zumeist zu Fuß oder mit dem Bus unterwegs bin. Ich bin seit ich 14 bin in der Skateboard-Subkultur sozialisiert und der Ästhetik eines Cityrollers ist man in diesen Kreisen stark abgeneigt. Dennoch reizt mich der Elektroroller, weil ich es als Pragmatiker auf die reine Fortbewegung reduziere. Und das geht damit ziemlich fix und man kann das Gefährt auch mal eine Treppe hochtragen. Wege, die nicht ganz so perfekt beschaffen sind sind ebenfalls kein Problem, die Reifen verzeihen den ein oder anderen Stock und Stein. Im Gegensatz zum Fahrrad bleiben die Hautporen auch im Sommer weitgehend trocken. Was die Menschen mit den Teilen machen, obliegt den Verkehrsregeln und der Eigenverantwortung, denn auch mit einem Fahrrad oder gar Auto kann man sich falsch verhalten oder Unsinn bauen.

Ich muss sagen, wenn es einen Roller gibt, der nicht unbedingt aus China kommt und entsprechende Reichweite sowie eine Straßenzulassung bietet, ich bin dabei. Empfehlungen gerne in die Kommentare. 💞

Alexandra (Contra):

Im Gegensatz zu Gerrit bin ich bisher in keiner Stadt mit E-Scootern konfrontiert worden, betrachte dieses Fortbewegungsmittel aber dennoch skeptisch. Vielleicht hat das mit Martin Görlitz und Richard Gutjahr zu tun. Beides erfolgreiche, intelligente und vielgereiste Männer, die sich mit mir beziehungsweise mit der Öffentlichkeit über E-Scooter ausgetauscht haben. Das Thema begegnete mir zum ersten Mal auf der Eröffnungsfeier des Debeka Innovation Centers (DICE), über die wir hier berichtet haben. In geselliger Runde am StattStrand erzählte Unternehmer und Stifter Martin Görlitz von seinem Urlaub in der portugiesischen Metropole. “Lissabon ist eine beeindruckende Stadt, in der ich mich immer gerne aufgehalten habe, aber diesmal war es entsetzlich. Überall lagen E-Roller herum, wie Müll!”, beklagte er und berichtete auf seine herrlich unterhaltsame Art von der vermeintlichen Plage. Seine Gedanken hat Martin Görlitz inzwischen auf dem ISSO-Blog unter dem Titel “Die E-roberung der letzten Meile” festgehalten. Wärmste Leseempfehlung!

Foto: Richard Gutjahr. Paris 2019.

Wenige Tage nach der Eröffnungsfeier, behandelte auch Richard Gutjahr dieses Thema. Allerdings ging es diesmal nicht um Lissabon, sondern um Paris.

Der Journalist hielt alles auf Instagram fest. Morgens düste er vergnügt mit dem Roller durch die Stadt und lobte das Gefährt. Doch gerade als ich nachfragen wollte, ob er denn gar nichts daran auszusetzen hätte, zeigte er Fotos von E-Scootern, die mitten auf Fußgängerwegen rumlagen. Da war sie, die Parallele zu Martin Görlitz. Zwei Männer, zwei weltberühmte Städte und das gleiche Ergebnis?

Foto: Richard Gutjahr. Paris.

Gutjahr zeigte seinen Followern die Sachlage in Paris und frage dann nach deren Meinung. Ich freue mich sehr, euch seine Fotos und die Reaktionen seiner Follower zeigen zu dürfen. Denn freundlicherweise hat er sie mir zur Verfügung gestellt. Nebenbei: Diese unkomplizierte Art zu kommunizieren liebe ich an Social Media. (Zum Vergrößern auf die Bilder klicken.)

Zusätzlich machte Gutjahr eine kleine Umfrage. Alles per Instagram, wo er über 4.000 Follower hat. Es ging um die Frage: Pro oder Contra Helmpflicht? Ein guter Gedanke, denn die E-Scooter sind ziemlich zügig unterwegs und im Stadtverkehr geht es schon einmal grob zu. Doch wie haben Gutjahrs Follower geantwortet?

Was sagt ihr?

Schreibt uns eure Meinung: Sind E-Scooter das Fortbewegungsmittel unserer Zeit oder einfach nur unnötig?

Warum du zum Barcamp Koblenz kommen solltest

Wir versuchen jedes Jahr, noch diverser zu werden und Menschen aus verschiedenen Richtungen auf dem Barcamp Koblenz zusammenzubringen.

Erstmal: Wir freuen uns, dass sich das Event mittlerweile als feste Größe im Jahr etabliert hat. Dieses Jahr feiern wir das fünfte Jubiläum und das wird nochmal ganz besonders.

Als Mitorganisator finde ich es besonders wichtig, dass sich jeder willkommen fühlt. Deshalb ist das Oberthema Digitale Kommunikation bewusst weit gefasst – das geht jeden an. Wir hatten auf dem Barcamp schon Sessions aus den verschiedensten Richtungen. Es ging von 3D-Druck über Live-Hacking, Jodel-App und Agilität über Fotografie bis zu Storytelling bei der Bundeswehr.

Auf dem Barcamp sind auch bereits einige Initiativen entstanden, neben Koblenz Digital auch agileKoblenz und das WP-Meetup.

Sessionplan vom Freitag des Barcamp Koblenz 2018

Bringt Leute mit, redet über das Barcamp

Ich bin mir sicher, dass es in der Region noch mehr Themen gibt, die es wert sind, auf dem Barcamp stattzufinden. Deshalb der Aufruf: Sprecht über das Barcamp! Erzählt euren Kolleg*innen und Freund*innen davon und ermutigt skeptische Menschen, es einfach mal auszuprobieren. Ich habe bisher noch von niemandem gehört, der am Ende nicht geflasht war von der Energie auf dem Barcamp.

Haltet euch den 14./15. Juni 2019 frei

Dieses Jahr gibt es zum Jubiläum beider Barcamps einen Barcamp-Tag in Koblenz und den zweiten Tag in Bonn! 🔥 Am Samstag bringen wir euch kostenlos mit einem Bus🚌 nach Bonn und wieder zurück. Es gibt günstige Jubiläumstickets🎫 für beide Tage und zwei Afterpartys🎉, im Preis bereits enthalten und Verpflegung🍔🍹🍻 ist ebenfalls inklusive.

Bitte scheut euch nicht, im Vorfeld Fragen zu stellen wenn ihr etwas wissen möchtet oder eine Idee habt! Wir freuen uns auf ein unvergessliches Barcamp-Wochenende von und mit euch! #bcko19

Abend der Innovation bei der Debeka

Der Hackathon „Hackquarter“ der Debeka ging am vergangenen Wochenende in die dritte Runde und mehrere Gruppen entwickelten neue App-Ideen und schlaue Konzepte im Bereich Insurtech. Alexandra und ich haben am Samstagabend vorbeigeschaut zum Abend der Innovation, wo ein Vortragsprogramm im lockeren Rahmen angeboten wurde.

Angenehm war, dass mit Paul Stein ein Vorstand der Versicherung Präsenz zeigte und das Intro machte. Man sieht, dass Startup- und Innovationskultur auch in der oberen Führungsebene einen hohen Stellenwert besitzt.

Wie wird der Tanker effizient und flexibel?

Mein persönliches Highlight war der Vortrag von Marc Wagner von der Detecon (Consulting-Tochter der Deutschen Telekom) zum Thema New Work. Er ging extrem schnell durch die Folien und die halbe Stunde war mit Inhalt für einen ganzen Abend vollgepackt. Dabei sparte er nicht mit Selbstkritik bzw. Kritik am Vorgehen des eigenen Konzerns (Vergleich: Hochseetanker). Die Erfahrungen die mit diversen Methoden gemacht wurden, nutzte er, um Schwachstellen aufzuzeigen und möglichst daraus zu lernen. Eine Zusammenfassung bzw. einen Ausschnitt daraus hat Marc Wagner unter dem Titel „Die Erschütterung der alten Macht: Erneuerung durch Company Rebuilding? gepostet.

New Work in der Old Economy

Patrick Schneider vom DICE (Debeka Innovation Center) machte in seinem Vortrag klar, dass die neueste Technik nicht das Allheilmittel ist. Vielmehr lohnt es sich, als Arbeitgeber Ermöglicher für die eigenen Mitarbeiter zu sein und die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Die Debeka selbst wählte dafür die Methode des Innovation Lab, mit dem Anspruch dieses einerseits den Kollegen aus verschiedenen Bereichen zur Verfügung zu stellen und andererseits positive Erkenntnisse in die Kultur des Gesamtunternehmens zu übertragen. Christoph Surges zeigte dann noch das Konzept des DICE, dazu dann aber nochmal mehr an dieser Stelle, wenn wir uns das mal in fertig und in echt angucken dürfen. 😉

Was war noch?

  • Wie Satya Nadella die Unternehmenskultur von Microsoft umgekrempelt hat, erklärte Andreas Grigull.

  • Frank Birzle, Co-Founder von Ottonova, einem reinen Online-Anbieter für private Krankenversicherung, stellte deren Geschäftsmodell vor. Der Kundenstamm ist noch winzig, aber der Ansatz, rein über eine App zu gehen, durchaus mutig und innovativ. Beispielsweise kann dort eine Arztrechnung per Smartphone-Foto eingereicht werden. Der gesamte Entwicklungsprozess ist agil aufgestellt, so dass schnell auf Kundenwünsche reagiert werden kann.
  • Herbert Jansky präsentierte das InsurLab Germany, eine Keimzelle für Insurtech-Startups in Köln. Einige Ideen und Projekte konnten schon bei großen und mittelgroßen Versicherungen in den produktiven Einsatz gebracht werden.
  • Daniel und ich (Team TZK) mussten eine extrem knappe Niederlage gegen Team Debeka-IT einstecken. Das hat gesessen!

Immer gut: Miteinander reden

Danke an die Debeka-DICE-Crew für die Einladung und die sehr aufwändige und engagierte Orga. Besonders schön war, dass in den Pausen und nachher Gespräche entstanden, auch mit Leuten, die sich vorher noch nicht kannten. Wenn die Digitalszene von Koblenz sich weiter vernetzt, finden wir das gut und wünschen außerdem den Teilnehmern beim Hackquarter viel Erfolg beim Weitermachen mit ihren Ideen!

Marke mit gutem Gewissen

Titelfoto: ISSO Institut (Instagram)

Warum profilieren sich moderne Marken damit, für bestimmte Werte einzustehen? Dazu hat Prof. Dr. Holger J. Schmidt von der Hochschule Koblenz beim After-Work im ISSOlab referiert. Ich gebe euch weiter, was ich dort gelernt habe:

Zunächst ist ein Wandel zu verzeichnen. Nicht mehr das Produkt allein beeinflusst eine Kaufentscheidung. Konsumenten denken darüber nach, ob sie die Philosophie dahinter unterstützen wollen (z.B. Nachhaltigkeit).

Eine eindeutige Positionierung

Als erstes Beispiel nannte Prof. Schmidt Nike, die mit dem Gesicht von dem American-Football-Profi Colin Kaepernick geworben haben. Der Spieler hat sich bei der Nationalhymne vor den Spielen hingekniet, was als Respektlosigkeit gegenüber des Staates USA gilt. Er protestierte damit gegen Ungleichheit und Rassismus. Die Kampagne hat extrem polarisiert und rief Leute auf den Plan, die ihre Nike-Produkte verbrannten, auch Donald Trump wetterte gegen den Sportartikelriesen. Aber es gab auch genau so viele Menschen, die Nike in höchsten Tönen gelobt haben, vor allem über Social Media natürlich. Nike hat sich damit eindeutig positioniert und eine Haltung eingenommen. Dies war in dem Fall riskant, das Publikum war sich aber einig, dass es eine stimmige Kampagne ist. Die Aktien des Unternehmens gewannen dadurch in wenigen Wochen 30% an Wert.

Wann es schiefgeht

Wann funktioniert es, zu polarisieren und wann nicht? Als Negativbeispiel wurde H&M genannt. Dort gab es einen Hoodie für Kinder im Online-Shop, der den Aufdruck „Coolest Monkey in the Jungle“ hatte und von einem dunkelhäutigen Kind getragen wurde. Schnell wurden Rassismusvorwürfe laut, der Screenshot verbreitete sich über alle Kanäle rasant. H&M hat schließlich reagiert, sich entschuldigt und den Artikel aus dem Angebot genommen. Diese Art von Aufmerksamkeit war vermutlich nicht beabsichtigt, doch hieran kann perfekt abgeleitet werden: Die beabsichtigte Markenidentität ist nicht in jedem Fall gleich der wahrgenommenen Markenidentität.

Markeninhaber haben Einfluss auf die Wahrnehmung der Marke, aber nicht mehr die vollständige Kontrolle.

Alles ist politisch

Aus dem Edelman Trust Barometer wurde folgende Zahl zitiert: 57% der globalen Konsumenten kaufen bzw. boykottieren Marken aufgrund der von ihnen eingenommenen politischen und sozialen Standpunkte. Prof. Schmidt sagte: Alles ist politisch. Man kann nicht nicht politisch kommunizieren.

Auch dazu ein Beispiel: Budweiser schaltete in der Pause des Super Bowl 2017 diesen Spot zur besten (und mit Abstand teuersten) Sendezeit des Jahres. Dieser hat ebenfalls stark polarisiert. Er erzählt die Story der Gründer, die aus Europa in die USA emigrierten und dort die Brauerei aufbauten. Dies wurde von vielen Zuschauern als Anti-Trump-Spot interpretiert und als Affront gegen dessen Immigrationspolitik. Der Hashtag #BoycottBudweiser trendete. These von Prof. Schmidt: Vor 10 Jahren wäre dies ein ganz normaler Werbespot gewesen, die Reaktion wäre deutlich milder ausgefallen. Die Gesellschaft sei deutlich sensibler, vor allem in Bezug auf politische Themen als noch vor einer Dekade.

Eine Marke müsse nicht versuchen, es allen recht zu machen, sondern für die eigenen Überzeugungen einstehen. Dazu gab es eine Anekdote: Ein homosexueller US-amerikanischer Bekannter gehe gerne zu der Fast-Food-Kette „Chick-fil-A“, obwohl das Unternehmen sich offen gegen Homosexualität positioniert und eine Mann-Frau-Kinder-Familie für die einzig richtige hält. Dabei sei aber der Brand Fit gegeben, es passt zu der Marke – der Auftritt ist stimmig. Deshalb isst der Bekannte trotz der komplett konträren Position dort seinen Lieblingsburger.

Das Thema muss passen

Weiteres wichtiges Learning: Marken sollen sich nicht nur aus Gründen des höheren Abverkaufs wahllos positionieren, sondern so, dass es zu ihren bereits bestehenden Themen passt. Dazu brachte er zwei Beispiele, ein negatives (Pepsi) und ein positives (Edeka):

Im Pepsi-Spot merkt man, dass es nicht so recht passt. Man weiß nicht, warum die Menschen demonstrieren. Die Celebrity Kendall Jenner hat keinen Bezug zu der Situation und das Produkt steht viel zu offensichtlich im Vordergrund. Die ganze Story ergibt keinen Sinn – die Aussage ist unverständlich und hat keinen Bezug zu Pepsi. Der Spot wurde von Pepsi nach Protesten im Web zurückgezogen.

Anders bei Edeka: Diese Aktion und der dazugehörige Spot wurde sehr positiv aufgenommen. Der Inhalt ist nah an der Marke Edeka: Es geht um Lebensmittel. Jeder kennt den Slogan „Wir lieben Lebensmittel“. Dies wurde nun auf das Bewusstsein über Herkunft der Produkte übertragen unter dem Slogan „Wir lieben Vielfalt“.

Fazit: was Marken tun sollten

Zum Ende fasste Prof. Schmidt vier Punkte zusammen:

  • Marken sollen zu ihren Werten stehen
  • Marken sollen ihre Werte explizit ausdrücken
  • Marken sollen eine klare Positionierung einnehmen – oder gar keine
  • Marken sollten niemals mit ihrer Authentizität spielen

Bonusfrage: Was ist mit den eigenen Mitarbeitern?

Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, noch eine Frage zu stellen. Mich hat interessiert, ob ihm ein gutes Beispiel einfällt, wo die Positionierung der Marke Einfluss auf die eigenen Mitarbeiter des Unternehmens hatte. Hatte er natürlich: Die Marke Patagonia (Outdoor-Bekleidung) und deren Gründer Yvon Chouinard stehen für den Wert Nachhaltigkeit. Die Firma ermöglicht es den Mitarbeitern, während der Arbeitszeit an eigenen nachhaltigen Projekten zu arbeiten (z.B. Upcycling) und ließ die Mitarbeiter eigene Banner gegen den Klimawandel herstellen und gab ihnen einen Tag frei, um an einer Demo teilzunehmen. Dies passt zu der außergewöhnlichen Firmenphiliosophie. Das Unternehmen schaltete z.B. diese Anzeige in der New York Times, die dazu aufrief, keine neue Jacke zu kaufen, wenn man keine braucht – aus Gründen des Effekts auf das Klima. Passt also alles zusammen.

Bild: Patagonia

Geht zu den After-Work-Sessions im ISSOlab!

Danke an das Team vom ISSO Institut für die Orga und die entspannte Atmosphäre. Es lohnt sich dort hinzugehen. Nach dem Vortrag gab es die Möglichkeit, Fragen zu stellen  und es entwickelten sich noch einige Gespräche bei Fair-Trade-Holunderschorle und Wein aus der Region – es war also nicht nur das gesammelte Wissen nachhaltig. Die Termine findet ihr immer auf der Website des ISSO Instituts und auf deren Facebook-Seite. Ich komme wieder!