Zweiter Zukunftsdialog Smarte Region MYK10: Smart Cities Projekt nimmt weiter fahrt auf

Die Smarte Region MYK10 soll mit und für die Bürger*innen gestaltet werden. Denn Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um in vielen Lebensbereichen Verbesserungen zu erzielen und insgesamt die Lebensqualität zu steigern. Die Beteiligung der Bürger*innen ist daher in immens wichtig. Aus diesem Grund fand am 29.03.2022 der Kickoff für den zweiten Zukunftsdialog statt. Wir waren bei dem Event dabei – hier unser Bericht.

Wie möchten wir künftig in unserem Landkreis leben, wohnen, arbeiten und uns fortbewegen?“ Die Fragestellung von Sonja Gröntgen, Chief Digital Officer des Landkreis Mayen-Koblenz, ist bewusst weit gefasst. Und sie spricht jeden an, der im Kreisgebiet MYK lebt, arbeitet oder in sonstiger Art und Weise hier verwurzelt ist.

Mit dem zweiten Zukunftsdialog startet innerhalb des Projekts MYK10 eine neue Phase. Und wieder steht die Bürgerbeteiligung im Mittelpunkt.

Zweiter virtueller Zukunftsdialog

Der zweite Zukunftsdialog fand am 29. März 2022 als Online-Event statt. Moderiert von Helena Schmidt (Zebralog) fanden sich an dem Abend mehr als siebzig Teilnehmer*innen in einem Zoom-Meeting ein. Sie erwartete ein eineinhalbstündiges Programm rund um das Projekt Smarte Region MYK10.

Virtuelle Auftaktveranstaltung via Zoom-Meeting

Nach der Begrüßung und technischen Hinweisen folgte als Einstieg ein kurzer Abriss zum Projekt Smarte Region MYK10 durch Sonja Gröntgen. Dazu gehörten die wichtigsten Eckpunkte zum Förderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundes, ein Überblick über die Teilnehmer am Projekt sowie zu den schon erfolgten Veranstaltungen. Die Angaben kann man unter anderem auf der Website des Projekts selbst oder auch in einem Artikel hier im Blog nachschlagen.

In der Überleitung zum nächsten Programmpunkt folgten einige Mentimeter Umfragen.

Wortwolke aus der Mentimeter-Umfrage: „Wie sind Sie auf das Projekt aufmerksam geworden?“

Sie zeigten einige interessante Aspekte. Zum Beispiel waren die Antworten auf die Frage „Wie sind Sie auf das Projekt aufmerksam geworden?“ unheimlich bunt gemischt. Und beim „Woher kommen Sie?“ hat es – nach dem Spitzenreiter Koblenz – meine Heimatstadt Mayen immerhin auf den 5. Platz geschafft.

Immerhin hat es meine Heimatstadt Mayen auf den 5. Platz im Ranking der Teilnehmer geschafft.

Impulsvortrag: Entwicklungsszenarien und Visionen für die Smarte Region MYK10

Es folgte der Impuls-Vortrag von Dr. Daniel Dettling. Der Zukunftsforscher vom Zukunftsinstitut umriss vier mögliche Zukunftsszenarien für unseren Landkreis. Jede eine mögliche Variante, die sich durch unterschiedliche Positionierung innerhalb eines Koordinatensystems definiert. Das System wird dabei unterschieden in den Grad der Vernetzung (von lokal bis global) und die Grundhaltung der Gesellschaft (von optimistisch bis hin zu pessimistisch).

Schnell wurde klar, dass die Mehrheit der Teilnehmer*innen sich als Wunschmodell für den Landkreis eine optimistische, globale – oder besser: vernetzte – Gesellschaft wünschen.

Umfrage: Welches Szenario von Dr. Dettling halten Sie für wünschenswert?

Interessant – und für mich neu – war der Begriff der Glokalisierung, die von Dr. Dettling in seinem Vortrag beschrieben wurde. Sie steht für eine gesunde Mischform: auf der einen Seite die Weltwirtschaft, das zusammentreffen von unterschiedlichen Kulturen und eine zunehmende Internationalisierung. Auf der anderen Seite der Wunsch vieler Menschen, lokale Produkte zu nutzen, regionale Strukturen zu stärken. Die Vorteile ergeben sich aus einen miteinander beider Ausrichtungen.

Dr. Daniel Dettling vom Zukunftsinstitut

An dieser Stelle wurde dann auch erstmal der Begriff der Glokalisierung von Dr. Dettling genannt. Sie steht für eine gesunde Mischform: auf der einen Seite die Weltwirtschaft, das zusammentreffen von unterschiedlichen Kulturen und eine zunehmende Internationalisierung. Auf der anderen Seite der Wunsch vieler Menschen, lokale Produkte zu nutzen, regionale Strukturen zu stärken. Die Vorteile ergeben sich aus einen miteinander beider Ausrichtungen.

Zukunftsthesen für die Smarte Region MYK10

Als letzten Programmpunkt des Abends wurden von Sonja Gröntgen die nun anstehenden Aufgaben im Projekt vorgestellt. Dreh- und Angelpunkt bilden dabei zwölf Thesen. Diese sind auf der Grundlage des ersten Zukunftsdialogs entwickelt worden.

Drei dieser Thesen stellte Sie kurz vor:

Die anderen Zukunftsthesen kannst Du ab sofort auf der Website des Projekts Smarte Region MYK10 nachlesen – und Dich am besten auch gleich mit Deinem Feedback beteiligen!

Region Mittelrhein: Warum wir 2022 digital durchstarten werden 

2022 wird für unsere Region Mittelrhein im digitalen Bereich ein temporeiches Jahr werden. Warum? Weil noch nie so viele unterschiedliche Player am Start waren, die uns in der einen oder anderen Richtung digitaler, smarter oder vernetzter machen wollen. Es lohnt sich daher, einen Blick auf die Digitalexpertinnen und –experten und Ihre Initiativen zu werfen.

Tatsächlich standen die Zeichen selten so auf „Go!“ wie gerade jetzt zu Beginn von 2022. Trotz Corona und der damit einhergehenden Einschränkungen. Etablierte Player der Szene in der Region Koblenz-Mittelrhein werden ergänzt durch neue Initiativen. Und alle gemeinsam versuchen sie, die Region nach vorne zu bringen. Ein positiver Spirit, den man unterstützen muss!

Werfen wir einfach mal einen Blick auf die Akteure:

Smarte Region MYK10

Seit September 2021 nimmt das smarte Projekt des Landkreis Mayen-Koblenz beständig Fahrt auf: Auftaktveranstaltung, Ideenwettbewerb, ein wachsender Mitarbeiterstab und das Projektbüro in Andernach. Es herrscht ein beständiger Strom an positiven Nachrichten.

Aktuell steht der nächste Meilenstein an: das erste Dialogfenster, bei dem der offene Austausch mit den Bürger*innen des Landkreises gesucht wird.

Das Dialogfenster ist noch bis zum 10. Februar geöffnet. Von daher lohnt sich schon aus diesem Grund ein Blick auf die Projektseite von Smarte Region MYK10.

Meine Meinung: vermutlich das größte und auch spannendste Vorhaben, dass uns nur 2022 und darüber hinaus begleiten wird.

IT Stadt Koblenz mit neuer Vorstandsspitze

Anfang Dezember 2021 trat der neu gewählte Vorstand der IT Stadt Koblenz zusammen. Nach der Wahl im November des vergangenen Jahres führt nun Frau Prof. Dr. Maria Wimmer von der Universität Koblenz-Landau die Geschicke des Vereins. Der bisherige Vorsitzende, Ralph Brubach von der Confluentis IT Capital GmbH, bleibt als Vertreter dem Vorstand erhalten. Neu ins Team gewählt wurde Christoph Surges vom DICE.

Meine Meinung: eine gute Mischung aus Kontinuität und Erneuerung, die der IT Stadt Koblenz gut tun wird. Aus meiner Wahrnehmung war es in 2021 eher ruhig um die IT Stadt Koblenz geworden.

Region56plus

Zugegeben: der Begriff „Regionalmarketinggesellshaft r56+“ klingt ein wenig sperrig. Die Idee dahinter ist es nicht. Im Gegenteil: Region56Plus fördert das Potential der Region Mittelrhein als attraktiven Wirtschaftss- und Bildungsstandort.

Aktionen wie #endlichdaheim, der R56+ Award 2021 und vor kurzem der eRACING-CUP 2021 setzen Highlights und zeigen, dass es zwischen den Metropol-Regionen Köln-Bonn und Rhein-Main einen weiteren Player gibt, der einiges zu bieten hat.

Meine Meinung: die Aktionen von Region56+ in 2021 haben gezeigt, dass das Bündnis unter der gemeinsamen Marke #Region56+ sich auch durch Corona nicht ausbremsen lässt. Und für 2022 bin ich schon auf die weiteren Aktionen gespannt.

Digimit2

Ganz frisch in der Region angekommen: Digimit2 – das Kompetenzzentrum digitale Technologien Mittelstand für die Region Mittelrhein-Westerwald. Das Team rund um Christoph Szedlak will zentrale Anlaufstelle & Netzwerkknoten für eine branchenübergreifende Abstimmung von digitalen Angeboten für Unternehmen werden.

Digimit2 findet Ihr auch auf LinkedIn.

Meine Meinung: ohne starke Unternehmen keine starke Region. Und auch wenn sich die Angebote von Digimit2 primär an die kleinen und mittleren Unternehmen richten: schlussendlich werden Menschen die digitale Transformation in die Unternehmen tragen und dort voran bringen. Von daher bin ich auf die ersten Aktionen und Veranstaltungen gespannt.

Mittelrhein.Digital

Nicht ganz so frisch wie Digimit2, aber auch erst 2020 an den Start gegangen: Mittelrhein.Digital. Zu der Konstellation habe ich mir selbst noch kein genaues Bild machen können. Die Beschreibung auf der Website von Mittelrhein.Digital klingt durchaus so, als ob hier ebenfalls ein Inkubator für die Digitalisierung der Region entsteht: „Mittelrhein.Digital ist eine Initiative der ansässigen Unternehmen aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz, die gemeinsam die Digitalisierung in der Region vorantreiben.“

Zu den Mitgliedern gehören (unter anderem) die Universität Koblenz, die Hochschule Koblenz, die evm, ZF, designfunktion und die Debeka.

Meine Meinung: ein neues, spannendes Netzwerk, das durchaus Potential entfalten kann.

Was ist Eure Meinung?

Was meint Ihr? Sind wir für 2022 digital gut aufgestellt oder gibt es Bereiche, in denen noch Lücken bestehen? Oder habe ich vielleicht einen Player übersehen? Dann hinterlasse mir einen Kommentar. Entweder hier im Blog oder auf Facebook, Twitter oder Instagramm.

Smarte Region MYK10: die Gewinner des Ideenwettbewerbs stehen fest

Im September 2021 fiel der Startschuss zum Projekt Smarte Region MYK10. Und kurz darauf schickte man einen Ideenwettbewerb ins Rennen. Der ist nun vorbei und seit dem 22.12.2021 stehen die drei Gewinner fest. Zeit, einen erneuten Blick auf das digitale Projekt der Region Mayen-Koblenz zu werfen.

Modellprojekt Smart Cities

Der Landkreis Mayen-Koblenz will smarter werden. Aus diesem Grund hat sich die Kreisverwaltung bei dem „Modellprojekt Smart Cities 2020“ der Bundesregierung beworben – und den Zuschlag erhalten. Gemeinsam mit 31 anderen Kommunen ist man in der zweiten Staffel des Projekts unter dem Motto „Netzwerke entwickeln. Digital denken. Region leben.“ in eine – hoffentlich – smartere Zukunft gestartet. Das Pilotprojekt hat eine Laufzeit von sieben Jahren und wird vom Bund mit 11,4 Mio. EUR gefördert.

Weitere Informationen zu dem Modellprojekt findest Du hier.

Der Ideenwettbewerb

Nach der Auftaktveranstaltung im September des vergangenen Jahres – siehe unseren Bericht hier im Blog – startete ein Ideenwettbewerb.

Screenshot von der Auftaktveranstaltung MYK10 im September 2021

Einen Monat lang hatten die Bürger*innen im Landkreis Mayen-Koblenz Zeit und Gelegenheit, Ihre eigenen Ideen und Vorschläge zur Verbesserung des Alltags einzubringen. Der Aufruf lautete:

Was ist Ihre Idee für einen „smarteren“ Alltag in Mayen-Koblenz?

Und die Leute machten mit. Fast 70 Vorschläge wurden innerhalb der vier Wochen auf der Projektseite eingereicht.

Der Auswahlprozess

Genauso vielfältig wie die Region waren auch die Vorschläge (die Du übrigens auch jetzt noch einsehen kannst).

Und von vornherein stand fest, dass im ersten Schritt nur drei Ideen sofort in Angriff genommen werden können. Es musste also eine Auswahl getroffen werden.

Im ersten Schritt wurden die eingereichten Ideen von Experten des Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE bewertet. Das macht durchaus Sinn, ist das IESE doch eine anerkannte Autorität rund um das Thema „Digitalisierung ländlicher Regionen und Stadtquartiere“.

Im Anschluss erfolgte dann die eigentliche Diskussion und die Abstimmung in der Lenkungsgruppe der Smart Region MYK10. Diese setzt sich wie folgt zusammen:

  • Kreisvorstand
  • Mitgliedern des Zukunftsausschusses
  • Vorsitzende der Kreisgruppe im Städte- und Gemeindebund
  • WFG-Geschäftsführung
  • Digitalisierungsbeauftragte des Landkreises

And the Winner is …

Und den Weg aufs Siegertreppchen fanden die folgenden drei Projektvorschläge:

Digital erlebbarer Landkreis als erstes Modul der „Smart MYK-App“

Als erster Schritt hin zu einer „Smart MYK-App“ sollen die Stadt-, Wander- und Radewege der Region gebündelt und digital erlebbar gemacht werden. Mit QR-Codes, die in der realen Welt angebracht werden und mit der Vernetzung der Tour mit lokalen Freizeit- und Tourismusangeboten.

Digitale Mitfahrbank

Mit der digitalen Mitfahrbank soll ein Angebot geschaffen werden, das die Mobilität im Landkreis verbessert. Fahrer und Mitfahrer können sich so auf einer Plattform finden und treffen sich an Mitfahrbänken, die mit QR-Codes die Buchung erleichtern.

Digitales Raumbelegungsmanagement

Hier sollen die Anbieter von Raum und die Menschen, die einen Raum benötigen, zusammengebracht werden. Ziel ist es, Raume multifunktional zu nutzen und Leerstände zu minimieren oder Räume wiederzubeleben.

Und jetzt…?

Geht es natürlich mit diesen drei Projekten los! Zu jedem der drei Gewinner-Projekten werden nun sogenannte Lösungswerkstätten stattfinden. Dabei sollen die Projektidee vertieft und – mit Hilfe von professioneller Unterstützung – zur konkreten Lösung weiterentwickelt werden.

Ihr seht: es bleibt spannend bei uns im Landkreis.

Wir werden smart! Startschuss für die Smarte Region MYK10 ist gefallen 

Jetzt ist es offiziell: der Landkreis Mayen-Koblenz soll (noch?) smarter und digitaler werden. Mit Bundesmitteln in Höhe von 11,4 Millionen im Rahmen des Förderprogramms „Smart Cities – made in Germany 2020“. Ich war bei der virtuellen Auftaktveranstaltung für die Smarte Region MYK10 am 23.09.2021 dabei.

Auftaktforum „Smarte Region MYK10“

Der offizielle Startschuss für das Projekt Smarte Region MYK10 fiel am 23.09.2021 virtuell in einem Livestream des Landkreises Mayen-Koblenz. Und in den (fast) zwei Stunden wurde einiges an Informationen unter die rund 150 Teilnehmer gebracht.

Nach dem obligatorischen Grußwort von Landrat Dr. Alexander Saftig und einer – für meinen Geschmack zu langen – Comedy-Einlage war ein erstes Highlight die Vorstellung des Chief Digital Officer (CDO) des Landkreises, Sonja Gröntgen. Mit ihr hat der Landkreis MYK eine eigene Stabsstelle im Kreishaus geschaffen. Das zeigt, welchen Stellwert das Projekt in der Politik einnimmt.

Im weiteren Verlauf des Abends wurden einige Eckpunkte des Projekts umrissen:

  • Das Förderprogramm „Smart Cities – made in Germany 2020“ wurde kurz vorgestellt. Kann man hier nachlesen: https://www.smart-cities-made-in.de/
  • Das Motto des Förderprojekts lautet „Gemeinwohl und Netzwerkstadt / Stadtnetzwerk“. Das wir sich auch als roter Faden über den gesamten Projektverlauf wiederfinden.
  • Aktuell steht der erste Meilenstein an: „Strategie entwickeln„. Hierbei soll eine kreisumfassende, ganzheitliche Strategie für eine smarte Region aufgestellt werden.
  • Ganz wichtig ist hier die Beteiligung der BürgerInnen. Dies soll durch einen Ideenwettbewerb gepusht werden, der schon am 07. Oktober 2021 startet.
  • Die Projektseite https://myk10.de/ hatte an diesem Abend ebenfalls ihren ersten großen Auftritt. Sie soll in Zukunft als Dreh- und Angelpunkt für Informationen rund um das Projekt Smarte Region MYK10 dienen.
  • Angekündigt ist die Eröffnung eines Projektbüros in der Bahnhofstraße in Andernach für den November 2021.

Nach den diesen Informationen folgte noch ein Impulsvortrag von Steffen Hess vom Frauenhofer IESE, dem ich aber in diesem Artikel einen eigenen Absatz widme.

Der Abschluss des fast zweistündigen Abends bildete eine gemeinsame Zoom-Session zum Networking und zum individuellen Austausch (inklusive Breakout-Sessions).

Video ist online Verfügbar

Du hast die Auftaktveranstaltung verpasst? Kein Problem: die gut 110 Minuten des Livestreams sind aufgezeichnet worden und hier auf YouTube verfügbar.

Blick über den Tellerrand: Steffen Hess vom Frauenhofer IESE

Der Impulsvortrag von Steffen vom Frauenhofer IESE (Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering) hat mir mit am besten gefallen und darum bekommt er auch einen eigenen Abschnitt spendiert.

Warum?

In seinem Vortrag hat er gleich einen ganzen Strauß Praxisbeispiele aus anderen Smarten Städten beziehungsweise Smarten Regionen mitgebracht. Denn: natürlich müssen wir im Landkreis Mayen-Koblenz das Rad nicht neu erfinden. Es ist durchaus legitim (und gewollt!), bereits erprobte Ideen und Projekte zu adaptieren. Einzige Voraussetzung: die Lösungen muss zu unserem Landkreis passen oder pass genau adaptiert werden.

Das ist nämlich die Krux der Smarten Region: ähnlich wie bei Mobilitätsvorhaben muss eine Lösung in die Region und auf ihre spezifischen Besonderheiten abgestimmt sein. Keiner käme beispielsweise auf die Idee, das Nahverkehrskonzept der Stadt München als Blaupause für den Landkreis MYK zu verwenden.

Nichtsdestotrotz können Beispiele aus anderen, smarten Regionen als Inspiration dienen.

Hier ein paar Beispiele aus dem Vortrag:

Wie geht es weiter?

Steffen Hess hat es in seinem Schlusswort bei der Auftaktveranstaltung schön zusammengefasst:

Die Bürgerinnen und Bürger sollen idealerweise die Verwaltung vor sich hertreiben!

Diese humorvolle Anregung hat einen durchaus ernsten Kern: bleibt das Engagement der BürgerInnen aus, besteht durchaus die Gefahr, dass Politik und Verwaltung die DNA für die Smarte Region nach den eigenen Vorstellungen und Meinungen gestalten. Bunt, vielfältig und zu den Menschen passend wird es aber erst dann, wenn sich alle beteiligen!

Aus diesem Grund werden wir von Koblenz Digital versuchen, das Projekt vor immer es geht zu begleiten und zu unterstützen!

Was ist Deine Meinung zum anlaufenden Projekt Smarte Region MYK10? Gerne in den Kommentaren.

Verschwörungsmythen & Corona:  Rückblick auf die Onlinevorträge der Koblenzer Wochen der Demokratie

Anfang Juli fanden im Rahmen der Koblenzer Wochen der Demokratie drei Online-Vorträge statt. In jedem dieser Vorträge beleuchtete eine Expertin / ein Experte das Thema „Verschwörungsmythen und Corona“ aus einem bestimmten Blickwinkel. Ich hatte das Glück, an den Vorträgen von Dr. Thomas Grunau (Universität Koblenz-Landau) und von Katharina Nocun teilnehmen zu können. In diesem Artikel gebe ich Dir einen kurzen Abriss von diesen beiden Zoom-Sessions.

Was sind die Koblenzer Wochen der Demokratie?

Die Koblenzer Wochen der Demokratie sind eine Veranstaltungsreihe, die von der Stadt Koblenz im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ ins Leben gerufen wurde. Zusammen mit Akteuren der Region wird der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern gesucht. Ziel ist die aktive Mitgestaltung und Erneuerung der Demokratie im 21. Jahrhundert.

Die Durchführung der Online-Vorträge, auf die in diesem Artikel eingegangen wird, wurden organisatorisch von der Stadt Koblenz und dem dortigen Bildungsbüro unterstützt.  Mit-Veranstalter waren die Universität Koblenz-Landau in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz.

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Verschwörungstheorien und das Corona-Virus

Denn Auftakt machte Dr. Thomas Grunau von der Universität Koblenz-Landau. Bei seinem Online-Vortrag am 02.07.2020 ging es um das Thema Verschwörungstheorien und das Corona-Virus. Zu Beginn wurde zunächst abgefragt, welche Verschwörungserzählungen bei den Teilnehmern überhaupt schon bekannt sind.

Und das waren einige:

  • Mondlandung hat nie stattgefunden
  • Pizzagate
  • Chemtrails
  • JFK Attentat
  • 9/11

Die Beispiele sprudelten nur so aus den Teilnehmern der Zoom-Session heraus.

Die echten (wahren) Verschwörungen

Als nächstes wies Dr. Grunau darauf hin, dass es in der langen Geschichte der Menschheit durchaus echte (wahre) Verschwörungen gab.

Diese echten Verschwörungen unterscheiden sich jedoch anhand von verschiedenen Merkmalen von den Verschwörungsmythen:

  • Oft gab es im Vorfeld keine Theorie oder Vermutung zum Vorhandensein der Verschwörung
  • Kurzer Zeitraum oder Ereignis
  • Wenige Involvierte
  • Geschichte ist nicht langfristig planbar

Kein Wunder also, dass es die Verschwörungserzählungen auch in die Unterhaltungsindustrie geschafft haben. In Form von Filmen oder beliebten Serien:

Verschwörungsmythen rund um den Corona-Virus

In dem Vortrag ging es anschließend um die Frage, welche Mythen rund um den Corona-Virus bekannt sind.

Nüchtern betrachtet oft auf Anhieb haltlose Geschichten. Nur wenige haben einem (vermeintlich) wahren Hintergrund. Wie zum Beispiel bei Bill Gates, der tatsächlich über seine Stiftung erhebliche Gelder in die Forschung investiert und schon vor einigen vor den Gefahren einer Pandemie gewarnt hat. Nur sind die Schlussfolgerungen daraus an den  Haaren herbeigezogen und durch nichts belegt.

Der Vortrag von Dr. Grunau endete mit allgemeinen Empfehlungen für den Umgang mit Verschwörungsmythen:

Fazit des erste Vortrags

Klasse Veranstaltung, bei der das Thema von Dr. Grunau kompetent und (was man sich bei dieser Materie oft auf den Social Networks wünschen würde) unaufgeregt analysiert wurde.

Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen

Für den zweiten Vortrag am 08.07.2020 hatte man Katharina Nocun verpflichten können. Sie ist Autorin, Bloggerin und Netzaktivistin und hat vor kurzem zusammen mit Pia Lamberty das Buch „Fake Facts. Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen“ veröffentlicht.

Da Dr. Grunau mit seinem Vortrag am 02.07.2020 die Messlatte schon recht hoch gehangen hat, war ich auf den Beitrag von Katharina schon gespannt:

Der Ton macht die Musik

Gleich zu Beginn wurde auf das korrekt Wording hingewiesen: eine Theorie ist nämlich ein „… System wissenschaftlich begründeter Aussagen zur Erklärung bestimmter Tatsachen oder Erscheinungen und der ihnen zugrunde liegenden Gesetzlichkeiten…“ Den meisten verschwurbelten Verschwörungserzählungen mangelt es an fast allem, was in dieser Definition vorkommt. Von daher ist die Verwendung der Bezeichnung „VerschwörungsTHEORIE“ quasi ein nicht berechtigter Adelsschlag. Besser ist, von Verschwörungserzählungen, Verschwörungsideologien oder Verschwörungsmythen zu sprechen.

Verschwörungserzählungen – eine Definition

Die von Katharina hergeleitete Definition für eine Verschwörungserzählung war griffig und lässt sich mit den bekannten Verschwörungserzählungen gut überprüfen:

Verschwörungserzählungen ranken sich meist um als mächtig wahrgenommene Einzelpersonen oder kleine Gruppen. Es geht um wichtige Ereignisse in der Welt. Die Welt soll beeinflusst und Bevölkerung bewusst schaden zugefügt werden.

Viele Beispiele rund um die Corona-Pandemie

Wie beim Vortrag von Dr. Grunert mangelte es auch bei Katharina nicht an aktuellen Beispielen:

  • Bill Gates ist Schuld an Corona
  • 5G löst Corona aus
  • Strafe Gottes und/oder Apokalypse
  • Einführung der neuen Weltordnungen

 

So viele Verschwörungsmythen in so kurzer Zeit: wie kann das sein?

Katharina erklärte schön, wie es zu dieser (gefühlt) schnellen Entstehung von unterschiedlichsten Verschwörungsmythen kommen konnte. Die Antwort ist einfach: in vielen Fällen haben die Akteure einfach die schon vor Corona verbreiteten Ideen und Vorstellungen einfach um einen Corona-Komponente erweitert. So wurde beispielsweise aus „5G Gedankenkontrolle“ ein „5G verursacht Covide-19„.

Zur Beschleunigung in einigen Länder wird das ganze gerne auch um ein gängiges Feindbild ergänzt, was die Verbreitung nochmal pusht. Beispielsweise „Corona ist eine Bio-Waffe aus USA / Isarael / China …

Kontrollverlust & Selbstüberschätzung als Auslöser

Warum finden Verschwörungserzählungen überhaupt Anhänger? Diese Frage wurde im Laufe des Abends ebenfalls erörtert. Ein wichtiger Auslöser ist dabei Kontrollverlust. Und die damit verbundene Unsicherheit.

Auslöser (Trigger) für Unsicherheit können unterschiedlicher Art sein:

  • Jobverlust
  • Trennung
  • Krankheit
  • Katastrophen
  • politische Unsicherheit
  • Pandemie

Ein  beliebtes Narrativ ist oft auch die Selbstüberschätzung:

„Ich kenne die Wahrheit, alle anderen sind dumm oder selbst Teil der Verschwörung.“

Für diesen Aspekt sind besonders solche Menschen anfällig, die sich gern von der Masse abheben.

Risikogruppen

Generell ist vermutlich niemand immun gegen Verschwörungsmythen. Es gibt allerdings bestimmte Häufungen, aus denen man Risikogruppen ableiten kann, dass heißt Personen, die besonders anfällig für Verschwörungsideologien sind:

  • Männer eher als Frauen
  • Niedrigere Intelligenz eher als hohe
  • Größte Rolle spielt der Kontrollverlust
  • bei rechtsradikalen Gruppen eher verbreitet, aber auch linke Gruppen sind nicht frei von Mythen

Und zum Abschluss gab es bei Katharina einige Tipps, was man selbst tun kann:

 

Fazit

Wie eingangs erwähnt hatte ich das Glück, an zwei der drei Online-Vorträge teilnehmen zu können. In beiden wurde das Thema „Verschwörungserzählungen und Corona“ sachlich und fundiert erläutert. Schön fand ich bei beiden Events, dass neben einer strukturierten Einleitung jeweils Tipps für den Umgang mit solchen Mythen gegeben wurden. In jedem Fall eine tolle Aktion von „Wozu-Demokratie?„, die in jedem Fall die Wartezeit bis zum September verkürzt hat.

Kurz vor Schluss noch etwas auf die Ohren?

Nun, wie wäre es mit der Bayern 2 Podcast-Folge „Virus im Kopf – Wie sich Verschwörungstheorien im Zeiten von Corona verbreiten„? Im Mittelpunkt dieser Folge steht der Effekt, dass im Laufe der Corona-Pandemie sich Verschwörungserzählungen immer rascher verbreiten. In rund 53 Minuten zeigen Christian Alt und Christian Schiff unter anderem Wege aus der entstandenen Vertrauenskrise auf.

Infografik zum Thema

Last-but-not-least die Infografik mit dem Titel „Umgang mit Verschwörungserzählungen“. Diese habe ich im Nachgang zu Veranstaltungsreihe von Wozu-Demokratie? erstellt und Mitte Juli im Facebook- und Twitter-Kanal von Koblenz Digital veröffentlicht.

InfografikVerschwörungserzählungenKoblenz Digital