Barcamp Bonn 2021 goes Digital

Im Jahr 2021 sind digitale Events Teil unserer neuen Normalität geworden. Nahezu alles, was bisher live und vor Ort geschah, ist digitalisiert und in die Cloud umgezogen. Hier macht das Barcamp Bonn 2021 keine Ausnahme. Und so tummelten sich Ende April die Teilnehmer zwei Tage lang rein digital und virtuell im Netz.

Was bisher geschah…  

Das war es also, das BarCamp Bonn – Das Städte-Barcamp für Bonn und Rhein-Sieg. Vom 30. April bis zum 01. Mai 2021.  Zwei Tage Innovation, Austausch und Teilnehmer, die sich im Browser mit WebCam und Headset ins virtuelle Getümmel stürzten.

Der Weg hierhin war lang.  Und eine Achterbahn der Gefühle. Los ging die Reise bei mir Ende 2019 mit dem Kauf der Tickets für das Barcamp Bonn 2020 und jeder Menge Vorfreude. Der erste Dämpfer dann Anfang März: Das Barcamp Bonn 2020 wird nicht wie geplant stattfinden. Absage! Zu diesem Zeitpunkt haben wir vermutlich alle langsam verstanden, dass da etwas großes unser aller Leben verändern würde (obwohl ich davon ausgehe, dass wohl keiner absehen konnte, wie es tatsächlich mit Corona und uns weitergeht). Umso positiver die Nachricht im Juli 2020: Johannes und Sascha von Bonn Digital haben eine Onlineplattform aus dem Boden gestampft, auf der ein digitales Barcamp stattfinden kann! Die Barcamp Bonn Digital Sommer-Edition 2020 war geboren. Und fand dann im August als eintägiges Event statt. Wow! Was für ein Fest und  das erste digitale Barcamp, dass ich besucht habe.

Und gleichzeitig die Info: das eigentliche Barcamp Bonn 2020 wird in 2021 stattfinden!

Ja, das war er: der lange Weg des Barcamp Bonn 2020 aka Barcamp Bonn 2021. 

Wir alle sind in diesem Jahr gewachsen. Anfang 2020 hätten viele von uns auf die Frage nach einem digitalen Barcamp verwundert drein geschaut. Heute bin ich froh, dass es Macher wie Bonn Digital gibt, die Plattformen bereitstellen, auf denen wir trotz Corona den Austausch auf Augenhöhe und die Impulse aus den Sessions eines Barcamps digital erleben können. 

Was ist überhaupt ein Barcamp? 

Schon wieder? Ja, weil ich es immer noch nicht geschafft habe, hier im Blog einen eigenen Artikel zum Thema  „Was ist ein Barcamp?“ zu veröffentlichen, auf den ich einfach verlinken kann. 

Interessanterweise unterscheidet sich der Ablauf eines analogen von einem digitalen Barcamp kaum. Generell gilt:  

Ein Barcamp ist eine Un-Konferenz und somit ein offenes Veranstaltungsformat, bei dem die Teilnehmer aufgerufen sind, aktiv mit zu gestalten. Kernpunkt ist, dass das Programm erst zu Beginn des Events im Rahmen einer gemeinsamen Sessionplanung entsteht. Ein „Programmheft“, wie es bei einer klassischen Konferenz üblich ist, wirst Du also bei einem Barcamp vergeblich suchen.  

Der Sessionplanung vorgeschaltet ist (beim analogen Barcamp) noch die Vorstellungsrunde. Bei digitalen Barcamps entfällt dieser Punkt häufig. Name, Hashtags und kurze Vorstellung der Protagonisten übernimmt die Plattform, auf der das digitale Barcamp stattfindet und jedem Teilnehmer ein Profil zur Verfügung stellt. 

Bei der Sessionplanung werden Timeslots von 45 min für die einzelnen Sessions vergeben. Diese können – je nach Gusto – mit einem Workshop, einer lockeren Diskussionsrunde oder auch einem Impulsvortrag gefüllt werden. So entsteht nach und nach das Tagesprogramm. 

Am Ende des Tages steht dann die gemeinsame Abschlussrunde mit allen Teilnehmern, bei der das Feedback zum Barcamp eingesammelt wird. 

Die Oberfläche 

Was beim analogen Barcamp die Location ist beim digitalen Pondo die Oberfläche, auf der das digitale Event stattfindet. Beim Barcamp Bonn ist dies eine gelungene Mischung aus  

Was mir besonders gefallen hat: Sascha und Johannes haben die verschiedenen Module in eine Oberfläche gepackt, die einheitlich daher kommt, nicht zu überfrachtet ist und bei der die einzelnen Elemente nahtlos ineinander greifen. 

Sessions

Kommen wir jetzt zum Wichtigsten: den Sessions des Barcamps. Denn hier passiert die Magie der Un-Konferenz: der wertvolle Austausch von Ideen, Informationen, die Diskussion auf Augenhöhe oder einfach das Kennenlernen und Netzwerken mit interessanten Menschen. 

Was Rahmwirsing mit SocialMedia zu tun hat 

Allein der Titel der Session macht neugierig. Und so nahm uns Achim von DieMeurers mit auf Entdeckungstour. Die Reise startete tatsächlich in der Küche des Hotel Weinbergschlösschen mit – Rahmwirsing. 

Anhand dieses Best Practice zeigte uns Achim, wie ein familiengeführtes Hotels & Restaurant in der Krise Social Media eingesetzt hat. Und dabei interessante Erfolge verzeichnen konnte. 

Was Rahmwirsing mit Social Media zu tun hat

Das Achim und Monika gerade zu Beginn der Corona-Pandemie die Kommunikation und Außendarstellung des Hotels Weinbergschlösschen optimieren sollten, ist sicherlich dem Zufall geschuldet. Die Erfolge, die sich dabei in kurzer Zeit einstellten, sind aber Ergebnis von viel Arbeit und einem durchdachten Plan. 

Für mich hat sich (wieder einmal!) gezeigt, dass unheimlich viele Unternehmer das Potential von Social Media ungenutzt lassen. Teils aus Unwissenheit, hier und da aus Angst vor dem Unbekannten.

Von daher mein Tipp: schaut Euch die beiden nachfolgenden Artikel aus dem Blog DieMeurers an: 

Was geschieht eigentlich mit dem Corona-Selbsttest nach der Benutzung? 

Ja, die kennen wir mittlerweile zur Genüge: die Packungen mit dem langen Wattestäbchen, dem Fläschchen und einem Stück Plastik, in dem wir einige Tropfen der Flüssigkeit tröpfeln müssen. Und uns freuen, wenn nur ein STrich erscheint. Corona Schnelltests werden immer wichtiger. Und – immer mehr.  

Um ehrlich zu sein: mit der Frage der Entsorgung hatte ich mich bisher überhaupt nicht beschäftigt. Und das war dann auch mit einer der Gründe, warum ich in dieser Session gelandet bin. 

Gehalten wurde die Session von Sasika, die PR-Managerin bei den SWB Verwertung ist und sich daher schon von Haus aus gut mit der Materie auskennt. 

Die gute Nachricht vorweg: die Corona-Schnelltests sind kein Sondermüll oder ähnliches sondern normaler Restmüll, der thermisch verwertet wird. Doch damit war die Session natürlich nicht vorbei. Es gab einen virtuellen Rundgang durch die MVA Bonn, bei dem die wichtigsten Produktionsschritte erläutert wurden.  

Schlussendlich mündeten die 45 Minuten in einer Diskussion zum Thema „ZeroWast“.

SIAM: Service Integration and Management 

In die Session von Wolfgang  hat mich meine Neugierde getrieben: denn mit dem Thema SIAM konnte ich so Garnichts anfangen. 

Diese Wissenslücke hat Wolfgang in der Session geschlossen. Nicht komplett, weil dafür ist das Thema SIAM einfach zu groß. Aber allein der Einblick in die Materie war spannend. 

Rheinische Post goes TikTok 

Die nächste Session gehörte für mich zum Pflichtprogramm: Aziza hatte zum Thema Rheinische Post goes TikTok geladen. 

Die Rheinische Post hat zum ersten Februar 2021 einen TikTok-Kanal gestartet. Bei der Session sollte es nun um die ersten Learnings und ein paar Tipps und Tricks für die Plattform gehen. 

Jetzt muss man wissen, dass TikTok und ich einen ganz schlechten Start hatten. Die App wurde direkt wieder vom Smartphone verbannt und wir (also TikTok und ich) haben uns fortan gegenseitig so gut es eben geht ignoriert und sind uns aus dem Weg gegangen.  

Und trotzdem bin ich nach wie vor vom Phänomen TikTok fasziniert. Von daher habe ich die Einblicke, die uns Aziza zum TikTok Projekt HUMBUG  gegeben hat, förmlich in mich aufgesaugt. 

Hier die wichtigsten Punkte, die ich mir notiert habe: 

  • Videoqualität ist auf TikTok alles! 
  • Videos nicht erst privat hochladen, um sie dann zu veröffentlichen. 
  • Jumpcuts + Greenscreen nutzen. 
  • Die Nutzeroberfläche von TikTok gewöhnungsbedürftig. 
  • Follower sind auf TikTok nicht so wichtig wie auf anderen Plattformen. 

Zukunft der Bonner Innenstadt 

Zugegeben: ich bin jetzt nicht direkt von der Bonner Innenstadt abhängig. Aber die Probleme sind vermutlich zum großen Teil 1:1 auf andere Städte übertragbar. 

Sessiongeber war ein Dreigestirn, bestehend aus Michele, Askan und Matthias.

Das Thema wurde (und wird!) sowohl auf Clubhouse als auch in einer Facebook-Gruppe diskutiert. 

Screenshot aus der Session „Zukunft der Bonner INNENSTADT.

So sind beispielsweise schon Themenfelder ausgearbeitet, die die Eckpunkte zum Thema Zukunft der Bonner Innenstadt umreißen: 

  • Ideenfindung  
  • Rheinanbindung  
  • Stadt für Menschen  
  • Begnungszonen  
  • Bürgerbeteiligung  
  • das Gebiet 
  • Rad = Anti-Stau-Programm  
  • Kultur  
  • Klimaschutz: Was ist nötig 

Offen ist noch die Frage, welche lokalen Player man ansprechen könnte, die – direkt oder indirekt – bei der Realisierung von Vorhaben unterstützen können. Im Verlauf der Diskussion wurde auch eine eigene Homepage angeregt, die Stärkung der Bürgerbeteiligung in Bonn und die Idee für eine Autofreie Innenstadt.

Wer sich mit in das Thema einbringen möchte: einfach mal in der Facebook-Gruppe, die ich oben verlinkt habe, reinschauen. 

Perfect Pitch – Der Tweet für Deine Vorstellung 

Ja, den wollen wir doch alle: den perfekten Picht. Nur: worauf muss ich achten? Wie sieht er aus, der „Perfect Pitch“? Dieser Frage hat Bianca von Stark mit Worten eine Session gewidmet.  

Ihr Tipp: eine solche „Ein-Satz-Vorstellung“ sollte jeder von uns haben. Und im Laufe der Session wurden die einzelnen Bestandteile eines solchen Pitch erarbeitet: 

  • Wer bin ich? Nennt Euren Namen. 
  • Was mache ich? Und zwar: aktiv! Verben nutzen! 
  • Mit wem (oder für wen) mache ich etwas? 
  • Wofür? (Stellt Euch die Frage „Was hat mein Gegenüber davon?„) 

Live-Twittern 

Ja, auch diesmal haben wir von Koblenz Digital die Tastatur zum Glühen gebracht. An den beiden Tagen sind insgesamt 674 Tweets mit dem Hashtag #bcbn21 entstanden. Und etwas mehr als die Hälfte davon gingen auf das Konto drei „Dampf-Twitterern“:

Hier der Link auf den Report, den Bonn Digital erstellt hat.

Und wer weiß? Vielleicht halten wir beim nächsten Barcamp eine Session zum Thema Live-Twittern.

Nur: wer wird dann darüber twittern…? 

Danke an die Sponsoren! 

An dieser Stelle eines Blogbeitrags, der von einem Barcamp berichtet, darf eines nicht fehlen: der Dank an die Sponsoren. Egal ob Platin-, Gold-, Silber- oder Sachsponsor:  

Danke!  

Danke, dass Ihr geholfen habt, dass dieses tolle Barcamp wahr geworden ist. Das wir uns kennenlernen und uns austauschen konnten. Barcamps sind Plätze, an denen großartiges passieren kann und auch passiert. Und sie können nur mit Hilfe der Sponsoren überhaupt stattfinden. 

An erster Stelle muss hier natürlich das Forum Internationale Wissenschaft (FIW) genannt werden, die die Räumlichkeiten für das Barcamp Bonn 2020 gestellt haben.
Als wissenschaftliche Einrichtung der Universität Bonn mit nationaler und internationaler Ausrichtung ist der freie Geist beim FIW quasi „built in“. 

Ein schon langjähriger Begleiter und Unterstützer des Barcamp Bonn ist WetterOnline
Die „Wettermacher“ aus Bonn sind ebenfalls auf dem gesamten Globus tätig und stellen Ihre Wetterinformationen regelmäßig über 35 Millionen Besuchern zur Verfügung. 

Ebenfalls treuer Unterstützer (und mal Gastgeber) des Barcamp Bonn ist die Deutsche Post DHL Group.  
Das die Deutsche Post DHL Group zu Bonn gehört, ist danke des Posttowers weithin für Besucher sichtbar. Aber das man bei der Post auch ein Herz für das Barcamp Bonn hat, davon zeugt die stete Unterstützung dieses Events. Die – nebenbei bemerkt – nicht nur den Teilnehmern Vorteile bietet sondern auch der Stadt Bonn und der Region. 

Zur Riege der Sponsoren gehört auch Maynert Online Marketing. 
Maynert Online Marketing ist eine Fullservice Internetagentur aus Bonn, die den Mittelstand mit maßgeschneiderten Digital Marketing Strategien nach vorne bringt. 

Als „Wiederholungstäter“ auf dem Sponsor-Board war 2021 auch die Barmer Krankenkasse vertreten. 
Keine Ahnung, ob es am Sponsering lag, aber einige Sessions im Raum „Barmer“ drehten sich dann – direkt oder indirekt – um das Thema Gesundheit. Von daher hat sich der Einsatz hier schon gelohnt! 

Mit dabei war auch die IHK Bonn/Rhein-Sieg
Als Körperschaft des öffentlichen Rechts hat die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg ein ureigenes Interesse daran, ein innovatives Event wie das Barcamp Bonn zu fördern und zu unterstützen. Und ich denke, dass auch in 2021 einige wertvolle Impulse beim Barcamp Bonn entstanden sind und so die Region nach vorne bringen. 

Nicht vergessen werden dürfen die Sachsponsoren: zum einen O’Reilly, die sich in Form von Buchpreisen für die Teilnehmer beteiligt haben und so für geistige Nahrung gesorgten. 

Und dann natürlich die Confiserie Coppeneur, die uns mit dem tollen Schokoladenpaket verwöhnt haben. 

Mein persönliches Fazit 

Ich blicke auf zwei tolle, inspirierende Tage zurück. Bonn digital hat da eine Weboberfläche geschaffen, die das Beste aus dem digitalen Format herausholt, ohne die Nutzer zu überfordern. Natürlich vermisse ich den direkten Kontakt mit den Teilnehmern, die Gespräche und das Networking jenseits der Sessions. Aber die Basics, der Informationsaustausch und die Diskussionen auf Augenhöhe, all das funktioniert auch im Digitalen. Und Digital hat auch Vorteile: Kosten für die Anreise entfallen, räumliche Schranken existieren quasi nicht mehr. 

Für mich war das Barcamp Bonn 2021 wieder ein tolles Event! 

Verschwörungsmythen & Corona:  Rückblick auf die Onlinevorträge der Koblenzer Wochen der Demokratie

Anfang Juli fanden im Rahmen der Koblenzer Wochen der Demokratie drei Online-Vorträge statt. In jedem dieser Vorträge beleuchtete eine Expertin / ein Experte das Thema „Verschwörungsmythen und Corona“ aus einem bestimmten Blickwinkel. Ich hatte das Glück, an den Vorträgen von Dr. Thomas Grunau (Universität Koblenz-Landau) und von Katharina Nocun teilnehmen zu können. In diesem Artikel gebe ich Dir einen kurzen Abriss von diesen beiden Zoom-Sessions.

Was sind die Koblenzer Wochen der Demokratie?

Die Koblenzer Wochen der Demokratie sind eine Veranstaltungsreihe, die von der Stadt Koblenz im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ ins Leben gerufen wurde. Zusammen mit Akteuren der Region wird der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern gesucht. Ziel ist die aktive Mitgestaltung und Erneuerung der Demokratie im 21. Jahrhundert.

Die Durchführung der Online-Vorträge, auf die in diesem Artikel eingegangen wird, wurden organisatorisch von der Stadt Koblenz und dem dortigen Bildungsbüro unterstützt.  Mit-Veranstalter waren die Universität Koblenz-Landau in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz.

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Verschwörungstheorien und das Corona-Virus

Denn Auftakt machte Dr. Thomas Grunau von der Universität Koblenz-Landau. Bei seinem Online-Vortrag am 02.07.2020 ging es um das Thema Verschwörungstheorien und das Corona-Virus. Zu Beginn wurde zunächst abgefragt, welche Verschwörungserzählungen bei den Teilnehmern überhaupt schon bekannt sind.

Und das waren einige:

  • Mondlandung hat nie stattgefunden
  • Pizzagate
  • Chemtrails
  • JFK Attentat
  • 9/11

Die Beispiele sprudelten nur so aus den Teilnehmern der Zoom-Session heraus.

Die echten (wahren) Verschwörungen

Als nächstes wies Dr. Grunau darauf hin, dass es in der langen Geschichte der Menschheit durchaus echte (wahre) Verschwörungen gab.

Diese echten Verschwörungen unterscheiden sich jedoch anhand von verschiedenen Merkmalen von den Verschwörungsmythen:

  • Oft gab es im Vorfeld keine Theorie oder Vermutung zum Vorhandensein der Verschwörung
  • Kurzer Zeitraum oder Ereignis
  • Wenige Involvierte
  • Geschichte ist nicht langfristig planbar

Kein Wunder also, dass es die Verschwörungserzählungen auch in die Unterhaltungsindustrie geschafft haben. In Form von Filmen oder beliebten Serien:

Verschwörungsmythen rund um den Corona-Virus

In dem Vortrag ging es anschließend um die Frage, welche Mythen rund um den Corona-Virus bekannt sind.

Nüchtern betrachtet oft auf Anhieb haltlose Geschichten. Nur wenige haben einem (vermeintlich) wahren Hintergrund. Wie zum Beispiel bei Bill Gates, der tatsächlich über seine Stiftung erhebliche Gelder in die Forschung investiert und schon vor einigen vor den Gefahren einer Pandemie gewarnt hat. Nur sind die Schlussfolgerungen daraus an den  Haaren herbeigezogen und durch nichts belegt.

Der Vortrag von Dr. Grunau endete mit allgemeinen Empfehlungen für den Umgang mit Verschwörungsmythen:

Fazit des erste Vortrags

Klasse Veranstaltung, bei der das Thema von Dr. Grunau kompetent und (was man sich bei dieser Materie oft auf den Social Networks wünschen würde) unaufgeregt analysiert wurde.

Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen

Für den zweiten Vortrag am 08.07.2020 hatte man Katharina Nocun verpflichten können. Sie ist Autorin, Bloggerin und Netzaktivistin und hat vor kurzem zusammen mit Pia Lamberty das Buch „Fake Facts. Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen“ veröffentlicht.

Da Dr. Grunau mit seinem Vortrag am 02.07.2020 die Messlatte schon recht hoch gehangen hat, war ich auf den Beitrag von Katharina schon gespannt:

Der Ton macht die Musik

Gleich zu Beginn wurde auf das korrekt Wording hingewiesen: eine Theorie ist nämlich ein „… System wissenschaftlich begründeter Aussagen zur Erklärung bestimmter Tatsachen oder Erscheinungen und der ihnen zugrunde liegenden Gesetzlichkeiten…“ Den meisten verschwurbelten Verschwörungserzählungen mangelt es an fast allem, was in dieser Definition vorkommt. Von daher ist die Verwendung der Bezeichnung „VerschwörungsTHEORIE“ quasi ein nicht berechtigter Adelsschlag. Besser ist, von Verschwörungserzählungen, Verschwörungsideologien oder Verschwörungsmythen zu sprechen.

Verschwörungserzählungen – eine Definition

Die von Katharina hergeleitete Definition für eine Verschwörungserzählung war griffig und lässt sich mit den bekannten Verschwörungserzählungen gut überprüfen:

Verschwörungserzählungen ranken sich meist um als mächtig wahrgenommene Einzelpersonen oder kleine Gruppen. Es geht um wichtige Ereignisse in der Welt. Die Welt soll beeinflusst und Bevölkerung bewusst schaden zugefügt werden.

Viele Beispiele rund um die Corona-Pandemie

Wie beim Vortrag von Dr. Grunert mangelte es auch bei Katharina nicht an aktuellen Beispielen:

  • Bill Gates ist Schuld an Corona
  • 5G löst Corona aus
  • Strafe Gottes und/oder Apokalypse
  • Einführung der neuen Weltordnungen

 

So viele Verschwörungsmythen in so kurzer Zeit: wie kann das sein?

Katharina erklärte schön, wie es zu dieser (gefühlt) schnellen Entstehung von unterschiedlichsten Verschwörungsmythen kommen konnte. Die Antwort ist einfach: in vielen Fällen haben die Akteure einfach die schon vor Corona verbreiteten Ideen und Vorstellungen einfach um einen Corona-Komponente erweitert. So wurde beispielsweise aus „5G Gedankenkontrolle“ ein „5G verursacht Covide-19„.

Zur Beschleunigung in einigen Länder wird das ganze gerne auch um ein gängiges Feindbild ergänzt, was die Verbreitung nochmal pusht. Beispielsweise „Corona ist eine Bio-Waffe aus USA / Isarael / China …

Kontrollverlust & Selbstüberschätzung als Auslöser

Warum finden Verschwörungserzählungen überhaupt Anhänger? Diese Frage wurde im Laufe des Abends ebenfalls erörtert. Ein wichtiger Auslöser ist dabei Kontrollverlust. Und die damit verbundene Unsicherheit.

Auslöser (Trigger) für Unsicherheit können unterschiedlicher Art sein:

  • Jobverlust
  • Trennung
  • Krankheit
  • Katastrophen
  • politische Unsicherheit
  • Pandemie

Ein  beliebtes Narrativ ist oft auch die Selbstüberschätzung:

„Ich kenne die Wahrheit, alle anderen sind dumm oder selbst Teil der Verschwörung.“

Für diesen Aspekt sind besonders solche Menschen anfällig, die sich gern von der Masse abheben.

Risikogruppen

Generell ist vermutlich niemand immun gegen Verschwörungsmythen. Es gibt allerdings bestimmte Häufungen, aus denen man Risikogruppen ableiten kann, dass heißt Personen, die besonders anfällig für Verschwörungsideologien sind:

  • Männer eher als Frauen
  • Niedrigere Intelligenz eher als hohe
  • Größte Rolle spielt der Kontrollverlust
  • bei rechtsradikalen Gruppen eher verbreitet, aber auch linke Gruppen sind nicht frei von Mythen

Und zum Abschluss gab es bei Katharina einige Tipps, was man selbst tun kann:

 

Fazit

Wie eingangs erwähnt hatte ich das Glück, an zwei der drei Online-Vorträge teilnehmen zu können. In beiden wurde das Thema „Verschwörungserzählungen und Corona“ sachlich und fundiert erläutert. Schön fand ich bei beiden Events, dass neben einer strukturierten Einleitung jeweils Tipps für den Umgang mit solchen Mythen gegeben wurden. In jedem Fall eine tolle Aktion von „Wozu-Demokratie?„, die in jedem Fall die Wartezeit bis zum September verkürzt hat.

Kurz vor Schluss noch etwas auf die Ohren?

Nun, wie wäre es mit der Bayern 2 Podcast-Folge „Virus im Kopf – Wie sich Verschwörungstheorien im Zeiten von Corona verbreiten„? Im Mittelpunkt dieser Folge steht der Effekt, dass im Laufe der Corona-Pandemie sich Verschwörungserzählungen immer rascher verbreiten. In rund 53 Minuten zeigen Christian Alt und Christian Schiff unter anderem Wege aus der entstandenen Vertrauenskrise auf.

Infografik zum Thema

Last-but-not-least die Infografik mit dem Titel „Umgang mit Verschwörungserzählungen“. Diese habe ich im Nachgang zu Veranstaltungsreihe von Wozu-Demokratie? erstellt und Mitte Juli im Facebook- und Twitter-Kanal von Koblenz Digital veröffentlicht.

InfografikVerschwörungserzählungenKoblenz Digital

Eigene Teststation beim Usability Testessen

Das Testessen ist eine echte Institution geworden. Ungefähr alle vier Monate findet das Event statt und es ist immer ausgebucht. Dort treffen sich Tester, die Spaß daran haben, neue Dinge auszuprobieren und Feedback zu geben. Dazu gibt es Pizza und Kaltgetränke eine runde Sache!

Die erste eigene Teststation

Wie einige sicher wissen, arbeite ich bei 247GRAD im TechnologieZentrum. Nachdem ich letztes Mal als Tester dabei war, wollte ich die Chance nutzen und dieses Mal ein Projekt von uns mitbringen. Die Wahl fiel auf die Mobile-App der evm, die wir realisiert haben. Dort geht in den nächsten Wochen ein Redesign online, also der perfekte Zeitpunkt um nochmal unabhängiges Feedback einzusammeln.

Mein Kollege Florian hat sich freundlicherweise bereiterklärt, als Mitentwickler den technischen Part abzudecken und hatte ein paar User Stories vorbereitet. Das hat sich nachher als sehr hilfreich herausgestellt, denn dadurch, dass wir den Testen konkrete Aufgaben gegeben haben, ließen sich die Erkenntnisse nachher besser auswerten und vergleichen.

Unsere Teststation war schnell aufgebaut:

  • Laptop um auftretende Bugs direkt in den Bug Tracker einzutragen
  • Notizbuch um mitzuschreiben, was die Tester getan & gesagt haben
  • Test-Smartphone mit aufgespielter Vorabversion der App

Los ging es also und der erste Tester kam. Wir haben dabei zu zweit beobachtet, wie dieser in der App navigiert und dank der Think-Aloud-Methode (dabei sprechen) kamen schnell die ersten Erkenntnisse von einem unbefangenen Benutzer. Einiges funktionierte gut, bei manchem könnten wir es noch intuitiver gestalten oder es hat gehakt.

Bei der zweiten Testerin  fiel dann direkt auf: Manches passierte schon zum zweiten Mal. Aber auch neue Anmerkungen kamen dazu. Bis zum sechsten Tester konnten wir so im Kopf schon ganz gut priorisieren, was am wichtigsten verbessert werden muss. Zwei der Tester*innen kannten die evm-App sogar schon, was dann auch nochmal einen intensiveren Austausch ermöglichte. Auf jeden Fall grandioses Feedback und an alle Tester*innen, die bei uns waren: Top Arbeit!

Dann noch eine Überraschung: Was ich anfangs gar nicht erwartet hatte, waren konkrete Ideen, welche Features die App noch bieten könnte. Die Frage „Hat die App deine Erwartung erfüllt?“ war auf jeden Fall Gold wert. Wir können tatsächlich im nächsten Kundentermin mit einer Liste von Vorschlägen reingehen, auf die vorher noch keiner kam.

Der Abend hat richtig Spaß gemacht, die Pizza war super (danke für eine pflanzliche Variante!) und ich habe richtig Bock, nächstes Mal wieder dabei zu sein.

Initiator & Treiber des Usability Testessen Koblenz: EYEVIDO

Ein Event wie das Usability Testessen organisiert sich nicht von allein. Von daher mein aufrichtiger Dank und Respekt an das Team von EYEVIDO. Ihr habt das Eventformat Usability Testessen nach Koblenz gebracht. Und mit Eurem Engagement sorgt Ihr dafür, dass wir nun schon zum fünften Mal ein Testessen in Koblenz veranstalten konnten. Und damit habt Ihr dafür gesorgt, das viele Apps, Dienstleistungen oder Webseiten benutzerfreundlicher geworden sind.
Danke Daniela, Sezen & Christoph.

Danke auch an den Gastgeber – das DICE

Organisation und Herzblut sind das eine, offenes Mindset und der Wille, etwas in der Region zu bewegen, das andere. Der Dank geht daher auch an den Gastgeber des Abends, dem Team des DICE (Debeka Innovation Center). Im DICE werden für die Debeka neue Konzepte, Technologien und Formen der Projektorganisation erprobt. Somit ist das DICE ein Experimentierraum. Und davon machen die Köpfe des DICE rege Gebrauch.

Mehr zum Usability Testessen findet ihr auf der Website. Schaut auch in unsere vorherigen Beiträge!

2. Digitalforum Rheinland-Pfalz: ein Recap

Beim 2. Digitalforum Rheinland-Pfalz drehte sich am 26. September 2019 alles um die digitale Zukunft. Die Staatskanzlei hatte rund 400 Teilnehmer in den Gutenberg Digital Hub von Mainz eingeladen, um die Frage zu klären: Wo stehen wir bei der Umsetzung der „Strategie für das digitale Leben“?

Prolog

Ich schreibe den ersten Textentwurf für diesen Absatz im IC von Mainz zurück nach Koblenz. Offline, versteht sich. Denn eine stabile Internetverbindung ist auch 2019 immer noch Glückssache. Und damit wird – bei allen Fortschritten, die wir erreicht haben – schon ein Dilemma deutlich: beim Thema Mobiles Internet humpelt Deutschland anderen Ländern immer noch hinterher. Und Rheinland-Pfalz ist dabei keine Ausnahme.

Programm beim 2. Digitalforum Rheinland-Pfalz

Bereits zum zweiten mal hat die Staatskanzlei zum 2. Digitalforum in den Gutenberg Digital Hub nach Mainz eingeladen. Und 400 Teilnehmer – Experten und Bürger – folgten dem Ruf.

Die Agenda für das 2. Digitalforum Rheinland-Pfalz sah im wesentlichen folgende Programmpunkte vor:

  • Podiumsdiskussion zur Strategie für das Digitale Leben mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer
  • Praxisbeispiele und Vorträge
  • Preisverleihung Ideenwettbewerb „Ehrenamt 4.0“

Parallel gab es mit dem Digital-Foyer und der Digital-Werkstatt einen bunten Mix von Infoständen rund um das Thema Digitales in Rheinland-Pfalz.

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Agenda des DigitalforumRLP

Diskussionsrunde

Dieser Programmpunkt wurde von einer reinen Damenrunde bestritten:

  • Malu Dreyer (Ministerpräsidentin des Landes Rheinland­-Pfalz)
  • Anne Spiegel (Ministerin für Familie, Frauen, Jugend, Integration
    und Verbraucherschutz)
  • Daniela Schmitt (Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau)

Jede der drei Politikerinnen ging kurz für Ihren Fachbereich auf das in dem vergangenen Jahr erreichte ein. Grundlage für das Handeln der Landesregierung ist die Strategie für das Digitale Leben. Die könnt Ihr übrigens komplett im Web einsehen: Hier der Link zur Einstiegsseite mit den Themenfeldern des Strategiepapiers.

Natürlich kann man 2019 hinter den einzelnen Punkten der Strategie (noch) keinen Haken machen. Gerade Infrastrukturprojekte benötigen nämlich eins: Zeit. Aber bei dem einen oder anderen Vorhaben kann man Fortschritte erkennen.

Beispiel gefällig? Nun: Wifi4rlp

Bei dem Projekt Wifi4rlp geht es um die Bereitstellung von WLAN-Hotspots in den Kommunen von Rheinland-Pfalz. Ziel ist es, bis zum Jahr 2021 mindestens 1.000 freie WLAN-Hotspots in 1.000 Kommunen ans Netz zu bekommen. Den Stand zum Stichtag 04.09.2018 könnt Ihr auf dieser Seite einsehen. Übrigens auch für Koblenz oder meine Wahlheimat Mayen.

Noch weiter in der Zukunft – weil noch aufwendiger – ist das Ziel für den Wechsel von Kupfer zur Glasfaser: hier ist der Abschluss der Maßnahmen für das Jahr 2025 vorgesehen.

Praxisbeispiele, Vorträge und Markt der Ideen

Da die Agenda sehr umfangreich war und Programmteile parallel abliefen, gehe ich hier nur auf die Punkte ein, an denen ich selbst teilgenommen habe:

Dorf-Büros

Sehr interessant war das Gespräch, das ich am Infostand von Dorf-Büros führen konnte. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, das Coworking Spaces in kleineren Kommunen fördert. Das erste (und somit automatisch prominenteste) Dorfbüro ist der Schreibtisch in Prüm.

Die Idee ist so einfach wie genial: Kommunen werden in die Lage versetzt, einen Coworkingspace ins Leben zu rufen und in den ersten Jahren des Betriebs aktiv vom Land unterstützt.

Die Vorteile eines solchen Coworkingspace auf der Land sind immens:

  • Arbeit wird von der Stadt zurück ins Dorf geholt
  • Menschen vernetzen sich neu
  • Leerstand in Kommunen wird bekämpft
  • Infrastruktur vor Ort wird gestärkt
  • Lebensqualität in der Kommune wird gestärkt

Leider ist die Bewerbungsphase für 2019 schon abgeschlossen, aber das Projekt geht weiter. Da wäre es natürlich interessant, ob sich auch Kommunen aus unserer Region beworben haben (oder sich in der 2. Projektphase in 2020 bewerben werden?).

Mobilepayment und die neuen Anforderungen an die Authentifizierung bei Onlinezahlungen und beim Zugriff auf das Onlinebanking (Verbraucher zentrale Rheinland­Pfalz e.V.)

Zugegeben: der Programmpunkt klingt sperrig. Aber in den letzten Wochen hat wohl jeder von uns von seiner Hausbank die Aufforderung bekommen, etwas anders zu machen: eine App zu installieren, sich von seiner Papier-TAN zu verabschieden oder (noch besser) in der Filiale vorbeizukommen. All dies haben wir der PSD2 zu verdanken, der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie der EU, die seit dem 14. September 2019 in Kraft ist. Und ich muss zugeben, dass ich die auch nicht so richtig auf meinem Radar hatte.

Daher fand ich den Vortrag der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zum Mobilepayment nicht nur aktuell sondern auch sehr interessant. Neben den konkreten Auswirkungen für den Verbraucher wurde auch das Zustandekommen der Richtlinie und die Auswirkungen auf die Banken beleuchtet.

Digitale Modellstadt Kaiserslautern – Projekte, Ideen, Vorhaben („herzlich digitalen Stadt“ – Kaiserslautern)

Das die Stadt Kaiserslautern Modellstadt für die Digitalisierung ist, habe ich schon durch den einen oder anderen Tweet mitbekommen. Wie weit man dort ist, wusste ich nicht. Diese Wissenslücke hat Dr. Martin Verlage, der Geschäftsführer der KL.digital GmbH, mit seinem Vortrag geschlossen.

Die Liste ist lang – und macht Mut:

  • Art Caching
  • Selbstbedienungsterminal im Bürgercenter
  • Mobile Glasfaser Infrastruktur
  • Social Wall
  • Handyparken
  • KLAR (Kaiserslautern Analyse Recherche)

Wohlgemerkt: das sind nur die Projekte, die schon realisiert wurden. Auf der Website findet Ihr noch weitere Vorhaben, die sich in der Umsetzungsphase befinden.

Klasse!

Interessant für unsere Region: die Erfahrungen von Kaiserslautern werden im Rahmen eines Interkommunalen Netzwerks Digital Stadt an andere Kommunen weitergegeben. Und neben Speyer, Wörth am Rhein und Zweibrücken ist auch die Stadt Andernach dabei.

Spannend, direkt vor der Haustüre! Steht auch schon auf meiner persönlichen Agenda, da mal nach dem Sachstand zu forschen.

Fazit

Tolle Location, interessante Menschen und das Thema „Digitalisierung“: ja, die Veranstaltung in Mainz hat Laune gemacht und war interessant. Ein tolles Networking-Event. Besonders informativ habe ich das das Gespräch am Stand von Dorf-Büros empfunden: eine Initiative, die sich hoffentlich schnell auch bei uns verbreiten wird.

Also von meiner Seite her kann es nächstes Jahr ruhig eine drei Runde #DigitalforumRLP geben: ich wäre wieder dabei!

Epilog

Die Infrastruktur ist das Fundament der digitalen Strategie – und hier müssen wir deutlich Fahrt aufnehmen. Nicht nur im IC von Mainz nach Koblenz: überall im Land.

Mut macht die Aussage von Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Ihrer Rede auf dem 2. Digitalforum: dass man schnelles Internet eben auch zu jeder Milchkanne bringen will – nein – muss. Denn hinter dieser Milchkanne steht ein Bauer, der auf schnelle, digitale Kommunikation angewiesen ist. Sonst werden wir schlicht und ergreifend abgehangen.

Hoffen wir also, dass nicht nur die Milchkanne 5G bekommt, sondern auch der IC auf der Rheinschiene stabiles Internet erhält.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer im TechnologieZentrum Koblenz

Ministerpräsidentin Malu Dreyer sitzt auf einem Sofa und unterhält sich interessiert mit dem Startup-Team von Qurasoft über Telemedizin, Digitalisierung und die Wirtschaftsregion Koblenz. Alles ganz locker, als ob man zu Hause im Wohnzimmer säße. Genau das spielte sich vergangenen Donnerstag im Coworking Space des TZK ab.

„Regelmäßig besuche ich Unternehmen und Institutionen vor Ort. Doch sobald ich mehrere dieser Termine direkt nacheinander wahrnehme, spircht man von einer Sommertour“, bemerkte Malu Dreyer scherzhaft. Ihre sogenannte #RLPTour führte sie unter anderem ins TechnologieZentrum Koblenz. Grund dafür war das Thema digitale Medizin. Neben dem bekannten Koblenzer Konzern CompuGroup sind inzwischen auch kleinere Unternehmen auf dem Gebiet rund um Digitalisierung und Gesundheit aktiv. Qurasoft GmbH, ein Startup aus dem TZK, sorgt bereits für Aufmerksamkeit. Das junge Team hat Apps entwickelt, die eine signifikant bessere ärztliche Betreuung von Asthma- und herzkranken Patienten ermöglichen und nicht zuletzt auch die Diagnostik vereinfachen. Zu ihren Fürsprechern zählen sowohl Ärzte als auch Patienten, die diese Apps bereits verwenden. Allein an der rechtlichen Grundlage fehlt es noch, die seitens der Politik geschaffen werden muss, damit zukunftsorientierte, innovative deutsche Unternehmen in diesem Sektor erfolgreich existieren und ihre Produkte zum Beispiel auch über die Krankenkassen anbieten können.

Die kleine, aber feine Gesprächsrunde bestand daher aus den folgenden Teilnehmenden:

Tobias Hastenteufel mit Malu Dreyer, David Langner und Dr. Anna Köbberling.
Tobias Hastenteufel erläutert Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Oberbürgermeister David Langner und Dr. Anna Köbberling (MdL), was das Unternehmen Qurasoft GmbH macht und welchen Nutzen die entwickelten Apps für Patienten und Ärzte haben.

Es ist unmöglich das komplette Gespräch wiederzugeben, aber um Euch trotzdem daran teilhaben zu lassen, haben wir einige Aussagen notiert.

„Man sieht, dass es Ihnen ein Herzensanliegen ist, den Menschen zu helfen, aber wovon leben Sie bislang?“, wollte Malu Dreyer wissen, nachdem sie im Rahmen einer kleinen Präsentation eine Menge über das Startup erfahren hatte.

Tobias Hastenteufel: „Wir haben keine Investoren, sondern vertreiben unsere Dienste direkt an den Patienten und führen gemeinsam mit dem Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Versorgungsprojekte durch. Aktuell haben wir zwei Apps, die gut genutzt werden. Es gibt eine kostenfreie Version und Versionen mit mehr Funktionen, für die man dann bezahlen muss. Viele Patienten entscheiden sich bewusst für die zweite Variante. Das ist ihnen die Sache wert.“

„Ihre Apps sind Medizinprodukte, richtig?“, hakte die Ministerpräsidentin nach und Erwin Junker (ebenfalls Geschäftsführer von Qurasoft) bestätigte ihre Annahme.

Seine Teamkollegin Ilka Reinhard führte im weiteren Gespräch aus, dass im Zuge einer Studie bei einem Drittel der chronisch kranken Patienten eine Verbesserung des Gesundheitszustandes festgestellt wurde. „Uns hat das zunächt überrascht, doch dann erfuhren wir, dass die Ärzte bei vielen der Patienten die Medikation umgestellt hatten. Durch die genaueren Informationen, die die Apps liefern, konnte erkannt werden, welche Medikamente tatsächlich zum jeweiligen Patienten passen und wann. Außerdem erinnern die Apps ihre Nutzer an die Medikamenteneinnahme und stellen die Widerstandswerte fest. In welchen Situationen hat der Asthma-Patient die Beschwerden? Die Menschen reagieren ganz unterschiedlich auf ihre Umgebung, die Ozonwerte und vieles andere. Genau diese entscheidenden Konstellationen, also die Ursachen lassen sich mithilfe unserer App besser herausfinden. Man kann zudem für jeden Patienten den notwendigen Grad der Beaufsichtigung feststellen. Das steigert die Lebensqualität und die Wirtschaftlichkeit.“ Mit ihrer Präsentation und beeindruckenden Erläuterung schien die Mathematikern und Allrounderin nicht zuletzt auch die Ministerpräsidentin beeindruckt zu haben. Malu Dreyer: „Ich freue mich immer sehr, wenn ich eine Frau in so einer Position sehe. Damit sind Sie ein Vorbild.“

Dr. Rüdelstein: „Das macht man Frauen aber nicht leicht. Die heutigen Talente sind zweifellos weiblich, aber Chefärztinnen gibt es nur wenige. Wir haben zunehmend Kolleginnen, die mehr als ein Kind bekommen und dann lange wegen Mutterschutz und Kinderbetreuung ausbleiben. Sie könnten aber Homeoffice machen. Nicht morgens, wenn das Baby gestillt werden möchte oder andere Dinge anstehen, aber sobald sie Zeit hätten. Die Arbeit mit der App würde das ermöglichen und böte damit auch den Ärztinnen Vorteile, weil sie sich später nicht mühsam wieder einarbeiten müssten.“ Ein Aspekt, der auf positive Reaktionen in der Runde stieß. Aus mehreren Richtungen kam der Hinweis, dass man auf so einen Gedanken gar nicht gekommen wäre. Tatsächlich scheint die Nachfrage seitens der Ärztinnen gegeben zu sein. Sie würden auf diese Weise auch die behandelnden Kolleginnen und Kollegen entlasten, die dann wiederum weniger am Schreibtisch sitzen müssten und mehr Zeit für ihre Patienten hätten.

Dr. Rüdelstein, den man sich als sehr angenehm und freundlich sprechend vorzustellen hat, brachte die aktuelle Situation im Gesundheitswesen auf den Punkt: „Niemand wird Ärztin oder Pfleger, um Formulare auszufüllen und viel Zeit am Schreibtisch zu verbringen. Diejenigen gehören an die Seite der Patienten. Alle wissen das. Trotzdem kommt jedes Jahr ein weiteres Formular hinzu.“ Er wies zudem auf die Effizienz der Apps hin. Ein Patient könne unmöglich all die Informationen ganz alleine feststellen und aufschreiben. „Es macht einen Unterschied, wenn ein Patient mit der App kommt.“ Sie ermögliche dem Arzt, sich ein viel besseres Bild von der Situation zu machen. Der Patient müsse nicht lange überlegen, wann er sich wie gefühlt hatte, geschweige denn in einem Stapel kleiner Notizzettel wühlen. Ob man dennoch einige Ärzte erst noch überzeugen müsse?

Frank Ladendorf (Geschäftsführer CompuGroup) sieht darin kein großes Problem. „Ärzte mit Karteikarten gibt es meiner Ansicht nicht mehr so viele. Es geht nicht darum, jemanden von der Digitalisierung überzeugen zu müssen. Entscheidend ist die sichere Praxis, in der das Netz verschlüsselt ist. Die Digitalisierung gibt uns gutes Werkzeug.“ Das Stichwort Datenschutz griff auch die Ministerpräsidentin auf, und Erwin Junker warf ein: „Die Daten sind verschlüsselt auf den Smartphones.“ Hastenteufel: „Unser Anliegen ist, Menschen zu helfen. Dazu gehört auch, ihre Daten zu schützen.“

Malu Dreyer machte keinen Hehl daraus, dass ihr gefiel, was sie über Qurasoft und ihre Apps (SaniQApp) gehört hatte. „Die Vorteile überzeugen“, konkretisierte sie. Im Laufe des Gesprächs betonte sie zudem mehrfach, wie sinnvoll und wichtig Zusammenarbeit ist und Orte, die – wie das TechnologieZentrum – dieses Zusammenwirken ermöglichen. Es sei sehr gut für Koblenz und die Region als Wirtschaftsstandort, wenn u.a. Unternehmen künftig noch mehr gemeinsam und zukunftsorientiert agierten.

Während sich Kaffeearoma und Kuchenduft im Raum ausbreiteten, teilten die Anwesenden einander ihre persönlichen Meinungen zu Smartphonenutzung und ihre Ansichten als Patient mit, der ja jeder ist. Gemeinsam philosophierten sie über zukünftige Entwicklungen, Bedürfnisse von Patienten und somit auch über die eigenen Erwartungen. Vorbeugen, gestikulieren, leise betonen, gemeinsames Lachen. Allein die Tatsache, dass fotografiert wurde, Menschen (wie wir) ins Notizheft kritzelten oder für Social Media kurze Aufnahmen machten erinnerte daran, dass auch die Öffentlichkeit anwesend war.

Die Landesregierung Rheinland-Pfalz später auf Twitter:

Das Startup äußerte sich (unter dem Produktnamen @SaniQApp) ebenfalls auf Twitter:

Es ist beeindruckend und erfreulich, wenn Digitalisierung unternehmerisch tatsächlich sinnvoll eingesetzt wird und zum Beispiel – wie im Fall von Qurasoft – chronisch kranken Menschen helfen kann. Unsere Region hat viel zu bieten. Daher sind wir gespannt, welche werteorientierten und zukunftsweisenden Unternehmen wir noch kennenlernen werden. Qurasoft drücken wir die Daumen, dass das Gespräch mit der Ministerpräsidentin Früchte tragen wird.

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