Rollenspiele am Arbeitsplatz

Im Fernsehen wird das meist falsch dargestellt. Irgendein Wohnzimmer, eine heruntergekommene Couch und verkleidete Leute. Bei Teenagern mag das so ablaufen, doch bei erwachsenen Menschen, die mitten im Berufsleben stehen, sieht die Sache meist anders aus.

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Es geht um Fantasy-Rollenspiele. Insbesondere in digitalen Kreisen werden sie gespielt, von kreativen Köpfen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Ob Administrator, Programmiererin, Social Media Manager – Hauptsache Nerd. Kürzlich durfte ich bei so einem Spielabend anwesend sein und möchte Euch diese Erfahrung nicht vorenthalten.

Vorab: Ich meine es nicht böse mit den Nerds. Wie gern ich sie mag, könnt Ihr in meinem Text „Wer oder was ist ein Nerd“ nachlesen. Unterschätzt zudem nicht die Anzahl von Nerds in dieser Region. Sie sind überall. Auch im TZK. So kam ich auf die verrückte Idee und lud eine Nerdgruppe zum Spielen ins Technologiezentrum ein. Passten Nerds nicht perfekt in diese Umgebung? Ins Haus der Innovationen, die Heimat der hiesigen Startup-Szene? Sie sahen das wohl genauso, denn sie nahmen die Einladung sofort an.

Während ich also am Samstagnachmittag einige Sachen zusammenpackte und mich auf den Abend vorbereitete, postete Blumenkindjen von 247GRAD interessante Storys auf Instagram. Sie teilte ihren Followern mit, dass sie gerade im TZK mit anderen zusammen ein „Pen & Paper“ spiele. Ein Rollenspiel also. Ich staunte. In der Homebase der Start-ups gab es bereits mindestens eine Spielgruppe? Und diese traf sich ebenfalls an einem freien Tag freiwillig am Arbeitsplatz? Interessante Feststellung, die zugegebenermaßen für das TZK spricht. Umso mehr freute ich mich auf den Abend. Die Chancen standen nicht schlecht, dass auch den Besuchern von außerhalb die Räumlichkeiten und der Flair des Technologiezentrums zusagen würden.

Kurz nach 18 Uhr kamen sie. Vollbeladen. Fünf Spieler und ein Dungeon Master traten durch die Eingangstür des Coworking Space. Mit Spielbrett, Laptop, Würfeln, Stiften, einer Menge Süßkram sowie Chips und Getränken. Es würde zweifellos ein langer Abend werden.

„Wir pausieren die Dungeons & Dragons-Kampagne und spielen heute Aborea“, klärte mich einer von ihnen auf. Wir zogen die Trennwände heraus, die die Schreibtische voneinander abgrenzen und die Sicht auf den jeweils gegenüberliegenden Platz behindern. Was zum konzentrierten Arbeiten sinnvoll ist, würde beim Spielen nur stören. Die Getränke deponierten wir im Kühlschrank und verteilten die Süßigkeiten auf den Tischen. Der Dungeon Master nahm am Kopf der Tafel platz und baute eine Abgrenzung vor sich auf, damit die Spieler nicht in seine Unterlagen blicken konnten. Dann ging es los. Aus einem 1st Level Supporter, mehreren Programmierern und einem Elektroniker wurden ein Waldläufer, zwei Krieger, ein Barde und ein Kampfmönch. (Für Kenner unter Euch: Zwei Zwerge, zwei Menschen und ein Elf.) Gemeinsam bestritten sie das Abenteuer. Ganz ohne Verkleidungen.

Vom Laptop ertönte Musik, die aus einem anderen Jahrhundert zu stammen schien. Ab und an war ein Schrei zu hören, etwas Bedrohliches und Unheimliches. In Endlosschleife. Es sollte die Spieler in die passende Stimmung bringen und funktionierte bestimmt grandios. Leider auch bei mir, nur weniger positiv. Die Musik war absolut nicht mein Ding. Zum Glück war sie recht leise und störte daher nicht. Ich saß auf einem Sofa etwa drei Meter von den Männern entfernt und arbeitete am Laptop. Und nein, sie waren nicht wie diese ernst dasitzenden Langweiler bei „Bernd, das Brot“.

Würfel rollten, Fragen wurden gestellt, Entscheidungen getroffen, und es wurde gelacht. Viel gelacht. Manche Spielschritte musste der Einzelne für sich bestimmen, einiges wurde gemeinschaftlich diskutiert. Zwischendurch ein Schluck alkoholfreies Radler oder Kölsch, eine Hand voll Chips, Gummibärchen hier, Kekse dort. „Wollen wir jetzt das Essen bestellen“, fragte einer. Ja, alle wollten. Schnell wurden Pizzen und Salate beim Italiener um die Ecke bestellt. Bis das Essen geliefert wurde, spielten die Männer noch eine halbe Stunde, dann wechselten sie die Plätze.

Von den Schreibtischen ging es rüber zum Tisch mit den hohen Stühlen. Beim Essen wurde über die Arbeit gesprochen. Ursprünglich hatten sie als Rollenspielgruppe eines Koblenzer IT-Unternehmens gestartet. Einige von ihnen arbeiten inzwischen woanders, doch zum Spielen treffen sie sich noch und halten den Kontakt mithilfe von WhatsApp aufrecht. Eine sehr humorvolle Truppe.

Der Abend endete kurz vor 01:00 Uhr in der Nacht. Ich gebe zu, kaputt gewesen zu sein. Selbst schuld, hätte ich die Süßigkeiten mitgenascht, hätte mich der Zucker gewiss länger wachgehalten. Die leckere Pizza hingegen sorgte zusätzlich für Müdigkeit. Außerdem ist das Sofa im Coworking Space zu bequem, um lange wach zu bleiben. Alles Dinge, die man erst weiß, wenn man mal zu so später Stunde noch am Arbeitsplatz gewesen ist.

Den Nerds scheint es immerhin gefallen zu haben, denn auf dem Weg zum Ausgang wurde ich beiläufig gefragt, ob die Website des Gebäudes tzk.de laute und ob man dort die Stellenangebote der Start-ups finden könne. „Vielen Dank, dass wir in so einer coolen Location spielen durften“, hörte ich zum Abschied. Erwähnte ich bereits, dass es sich hierbei um eine sehr nette Spielgruppe handelte?

Jetzt stellt sich ganz klar die Frage, wie viele Spielgruppen es hier in der Region noch gibt. Bestimmt viele. Habt auch Ihr Lust darauf bekommen, Teil einer Spielgruppe zu werden oder sich über unterschiedliche Rollenspiele auszutauschen? Ihr merkt, ich habe leider keine Ahnung davon, aber die Mitglieder der besagten Rollenspielgruppe kennen sich aus. Daher nur zu, schreibt einen Kommentar oder wendet Euch über Facebook, Twitter oder E-Mail an uns. Wir geben das gerne weiter.