Sind Programmierer Kunsthandwerker?

Bei Handwerk denken die meisten von uns vermutlich an Holz und Metall, aber auch Software-Entwicklung ist Handwerk. Kunsthandwerk sogar, behaupten einige ITler. Doch wie sehen Programmierer sich selbst und ihre Tätigkeit? Ich habe vier schlaue Köpfe aus der hiesigen Coder-Szene gefragt. Frank, Stefan, Oliver und Ramy haben ihren Senf zu diesem Thema gegeben.

Werbeanzeigen

In Deutschland werden Software-Entwickler nicht selten für Ingenieure gehalten. Das liegt vor allem daran, dass im englischsprachigen Raum der Beruf Software Engineer bekannt ist. Tatsächlich spuckt Google hierzulande bei Eingabe von „Software ist Handwerk“ fast ausschließlich Seiten zu Software für Handwerker aus. Eine Tatsache, die so mancher Programmierer ärgerlich findet, weil er sich selbst absolut nicht als Ingenieur, sondern als kreativen Handwerker versteht. Ich habe unabhängig von einander vier Coder aus unterschiedlichen Bereichen gefragt, was sie davon halten.

Die Befragten

Stefan bezeichnet sich als Nerd, obwohl er keinen einzigen Hoodie besitzt. Er kennt unzählige Monty-Python-Zitate auswendig und hat als Schüler gerne das Schulsystem gehackt, um seinen Informatik-Lehrer in Bewegung zu setzen. Als zukunftsgewandter Software-Entwickler und -Architekt arbeitete er jahrelang für mittelständische Unternehmen und ist aktuell für einen internationalen Konzern tätig.

Frank hat ursprünglich Maschinenbau studiert und erwies sich als nahezu perfekter Ansprechpartner, da er sowohl Ingenieur als auch Coder ist und daher beide Perspektiven kennt. Gemeinsam mit seiner Frau führt er die rockende Agentur Werk 70 und hat „NUN“, das Neuwieder Unternehmer Netzwerk gegründet. Ein cooler Typ, den man regelmäßig auf Events zu digitalen Themen trifft.

Oliver ist Director of Engineering und Prokurist bei alfamedia. Aufgrund seines beruflichen Werdegangs hat er alle Facetten der Software-Entwicklung im Blick. Er denkt fortschrittlich, informiert sich weit über seinen Tellerrand hinaus und erkennt Trends nicht erst im Nachhinein. Oliver bewegt sich gerne und gekonnt in den sozialen Netzwerken.

Ramy ist freier Berater. Als Coder im Angestelltenverhältnis zu arbeiten? Nein, das wäre nichts für ihn. Auch er bezeichnet sich als Nerd und hat Zitate samt Quellenangabe parat, die sich Normalsterbliche wie ich nicht merken könnten. Die meisten Aufträge erhält er übrigens aus dem Ausland. Zum Beispiel in China scheint man interessierter an Innovationen zu sein als in Deutschland, sagt er.

Was sind Software-Entwickler nun wirklich, Ingenieure oder Kunsthandwerker?

Stefan: Ingenieure arbeiten nach Standards und Normen. Die gibt es so in der Software-Entwicklung nicht. Es gibt zwar Versuche, mit Entwurfsmustern ein gewisses Maß an Standardisierung zu erreichen, aber das alleine macht noch kein Ingenieurswesen aus.

Ein Ingenieur erfindet für gewöhnlich nichts, ein Entwickler hat wesentlich mehr kreative Freiheiten. Durch das Fehlen von Standards, ist Software-Entwicklung ein Prozess, der eine große Menge an Handarbeit beinhaltet. Nehmen wir zum Vergleich ein schmiedeeisernes Treppengeländer. Dieses wird von einem Kunstschmied in Handarbeit gefertigt. Dazu muss er wissen, wie es gefertigt wird. Er muss sein Handwerk beherrschen, um das bauen zu können. Doch zusätzlich zum Erlernten benötigt er Kreativität.

In der Softwareentwicklung benötigt man Kreativität, um Lösungen zu finden.

Frank: Was Stefan sagt, klingt, als würde er Ingenieure für elaborierte LEGO-Bastler halten, die aus einem Baukasten Teile nehmen und diese nach Bedarf zusammenfügen. Der universitär ausgebildete Ingenieur, und nur diese gibt es hierzulande, ist ein Vollwissenschaftler. Besteht ein technisches Problem, muss eben eine neue Maschine erfunden werden. Ja, dabei greift der Ingenieur auch auf standardisierte Teile (Schrauben, Muttern und jede Menge weiteres Gedöns) zurück. Die Funktion der Maschine zu entwickeln, ist aber ein ganz anderes Ding. Hierfür musst Du Unmengen an Hirnschmalz investieren, Simulationen und Versuche durchführen, um ganz spezielle Teile fertigen zu können. Das ist der akademische Anteil der Arbeit.

Außerdem ist auch der Programmierer nicht frei. Ganz im Gegenteil. Das zu schreibende Programm bzw. der dahinter liegende Algorithmus muss ebenso wie eine zu bauende Maschine penibel ein Lasten/Pflichtenheft erfüllen. Der Code entsteht nun auch nicht irgendwie, sondern muss in einer möglichst passenden Programmiersprache geschrieben werden. Innerhalb der Programmiersprache muss sich der Programmierer dann geradezu sklavisch an die Regeln von Syntax und Notation halten. Sonst funktioniert gar nichts.

Die Programmiersprache entspricht also den Normteilen. Aufbau von Code/Maschine unterliegt dann der Inspiration (5%) und Transpiration (95%) des Ausführenden. Beides sind reine intellektuelle Leistungen und haben keinerlei schaffenden, im Sinne von anfassbaren Charakter, und auch das ist bei beiden gleich. Du siehst: Die Rezeption des Programmierers als Ingenieur ist durchaus gerechtfertigt.

Wenn man von einem Kunsthandwerker ausgeht, so kann dieser machen, was immer er will, mit Ausnahme der Werkstoffeigenschaften, auf die er natürlich Rücksicht nehmen muss. Man könnte zwar argumentieren, dass er dem Programmierer damit nahe ist, weil der von der Idee über die Ausführung (Einhacken des Codes) bis zum fertigen Produkt alles in Personalunion durchläuft. Allerdings durchläuft der Kunsthandwerker keine intellektuelle/akademische Arbeitsphase.

Oliver: Softwareentwicklung ist ohne Frage eine kreative Tätigkeit. Ich finde den Begriff Kunsthandwerker gut, denn oftmals ist das eine sehr treffende Bezeichnung, jedenfalls wenn man in einem kreativen Bereich arbeitet oder gerade neue Produkte entstehen. Aber es gibt auch die andere Seite, wo man in einem sehr strikten Korsett arbeitet und dort weniger kreativ denn produzierend ist. Zudem gibt es auch noch diejenigen, die Software wie ein Ingenieur designen und entwickeln. Will heißen, es gibt alle drei Varianten parallel nebeneinander, und es kommt nur auf den Bereich an, in dem man arbeitet, welche Facette dominiert.

Und auch in meinem Team gibt es alle Varianten, obwohl wir eher im kreativen Bereich sind. Es gibt Kreativspieler wie meinen Kollegen Thorsten und mich aber auch Ingenieure, denen ich ein Design zur Umsetzung gebe. Und wir haben wiederum auch bloße Handwerker ohne viel Kunst.

Pauschal ist das nicht zu beantworten. Die einzige Pauschale ist, dass jeder Entwickler eine Prima Donna ist, wenn es sich um seine Arbeit dreht und man diese kritisiert.

Ramy: Das mit der Prima Donna stimmt! (lacht) Ich fühle mich so sehr mit meiner Arbeit verbunden, sie ist ein Teil von mir. Kritik kann daher sehr verletzend sein. Das ist das Amateurhafte an uns Entwicklern. Professionalität bedeutet nämlich, dass man sich zugunsten des Endergebnisses von seinem eigenen Wirken distanzieren kann. Daran müssen wir wohl noch arbeiten. Konkretes Beispiel: Ich entwickle mein eigenes Programmierwerkzeug und möchte es auf keinen Fall jetzt schon jemandem zeigen, weil es noch unfertig ist. Sinnvoller wäre aber, sich Feedback von außen zu holen.

Kunsthandwerk halte ich daher für einen passenden Begriff. Frank hat zwar insofern recht, als dass Ingenieure nicht nur Lego-Bastler sind. Doch anders als er, sehe ich in den Vorgaben, an die man sich innerhalb einer Programmiersprache halten muss, kein Argument gegen die Kunst, sondern dafür. Denn nur dort, wo Grenzen sind, ist Kreativität gefragt. Wir Software-Entwickler müssen sehr kreativ sein, um mit dem Bisschen, was da ist, Großes erschaffen zu können. Uns muss es gelingen, in teilweise simplen Formulierungen, hochkomplexe Sachverhalte auszudrücken. Trotzdem wünsche ich mir für die Zukunft mehr Kreativität in unserem Bereich. Ich verdiene seit über 20 Jahren mein Geld mit Software-Entwicklung, aber an meiner Arbeit hat sich nicht viel verändert. Immer noch setze ich mich an den Rechner und gebe Zeichen ein. Das ist doch kein Fortschritt. Ich arbeite daher daran, kleine organische Systeme zu bauen, die miteinander kommunizieren, selbst lernen, Erforderliches selbst programmieren und wachsen.

Alexandra: Das möchte ich gerne genauer wissen, Ramy, in einem anderen Blogbeitrag. Dir, Frank, Oliver und Stefan vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten und die spontane Bereitschaft sich zu diesem Thema zu äußern.

Und wie denkt Ihr darüber? Wird die Kreativität der Software-Entwickler unterschätzt?

software-entwicklungalskunsthandwerk3f

Abend der Innovation bei der Debeka

Der Hackathon „Hackquarter“ der Debeka ging am vergangenen Wochenende in die dritte Runde und mehrere Gruppen entwickelten neue App-Ideen und schlaue Konzepte im Bereich Insurtech. Alexandra und ich haben am Samstagabend vorbeigeschaut zum Abend der Innovation, wo ein Vortragsprogramm im lockeren Rahmen angeboten wurde.

Angenehm war, dass mit Paul Stein ein Vorstand der Versicherung Präsenz zeigte und das Intro machte. Man sieht, dass Startup- und Innovationskultur auch in der oberen Führungsebene einen hohen Stellenwert besitzt.

Wie wird der Tanker effizient und flexibel?

Mein persönliches Highlight war der Vortrag von Marc Wagner von der Detecon (Consulting-Tochter der Deutschen Telekom) zum Thema New Work. Er ging extrem schnell durch die Folien und die halbe Stunde war mit Inhalt für einen ganzen Abend vollgepackt. Dabei sparte er nicht mit Selbstkritik bzw. Kritik am Vorgehen des eigenen Konzerns (Vergleich: Hochseetanker). Die Erfahrungen die mit diversen Methoden gemacht wurden, nutzte er, um Schwachstellen aufzuzeigen und möglichst daraus zu lernen. Eine Zusammenfassung bzw. einen Ausschnitt daraus hat Marc Wagner unter dem Titel „Die Erschütterung der alten Macht: Erneuerung durch Company Rebuilding? gepostet.

New Work in der Old Economy

Patrick Schneider vom DICE (Debeka Innovation Center) machte in seinem Vortrag klar, dass die neueste Technik nicht das Allheilmittel ist. Vielmehr lohnt es sich, als Arbeitgeber Ermöglicher für die eigenen Mitarbeiter zu sein und die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Die Debeka selbst wählte dafür die Methode des Innovation Lab, mit dem Anspruch dieses einerseits den Kollegen aus verschiedenen Bereichen zur Verfügung zu stellen und andererseits positive Erkenntnisse in die Kultur des Gesamtunternehmens zu übertragen. Christoph Surges zeigte dann noch das Konzept des DICE, dazu dann aber nochmal mehr an dieser Stelle, wenn wir uns das mal in fertig und in echt angucken dürfen. 😉

Was war noch?

  • Wie Satya Nadella die Unternehmenskultur von Microsoft umgekrempelt hat, erklärte Andreas Grigull.

  • Frank Birzle, Co-Founder von Ottonova, einem reinen Online-Anbieter für private Krankenversicherung, stellte deren Geschäftsmodell vor. Der Kundenstamm ist noch winzig, aber der Ansatz, rein über eine App zu gehen, durchaus mutig und innovativ. Beispielsweise kann dort eine Arztrechnung per Smartphone-Foto eingereicht werden. Der gesamte Entwicklungsprozess ist agil aufgestellt, so dass schnell auf Kundenwünsche reagiert werden kann.
  • Herbert Jansky präsentierte das InsurLab Germany, eine Keimzelle für Insurtech-Startups in Köln. Einige Ideen und Projekte konnten schon bei großen und mittelgroßen Versicherungen in den produktiven Einsatz gebracht werden.
  • Daniel und ich (Team TZK) mussten eine extrem knappe Niederlage gegen Team Debeka-IT einstecken. Das hat gesessen!

Immer gut: Miteinander reden

Danke an die Debeka-DICE-Crew für die Einladung und die sehr aufwändige und engagierte Orga. Besonders schön war, dass in den Pausen und nachher Gespräche entstanden, auch mit Leuten, die sich vorher noch nicht kannten. Wenn die Digitalszene von Koblenz sich weiter vernetzt, finden wir das gut und wünschen außerdem den Teilnehmern beim Hackquarter viel Erfolg beim Weitermachen mit ihren Ideen!

Kreativität zerstört die Filterblase und vernetzt

Unternehmen suchen nach kreativen Köpfen, haben aber häufig bereits vorab eine konkrete Vorstellung davon, wie dieser kreative Kopf ticken sollte. Es muss ja passen. Doch wenn es so schön passt, ist es oftmals nicht anders, als das, was man schon hat. Inspiration und Fortschritt? Fehlanzeige.

Netzwerken gilt als das A und O des zukunftsorientierten Unternehmertums und dennoch wird auch das weiterhin häufig falsch gemacht. Denn es fehlt an Kreativität und Vielfalt. Dabei muss nicht jeder im künstlerischen Sinne kreativ sein. Es geht vielmehr um Offenheit dem Unbekannten gegenüber. Ein kreativer Blick ist ein aufgeschlossener Blick – ohne Scheuklappen und unbedingt aus der Filterblase hinaus. Erfolgreiche Unternehmer sind kreativ, weil sie sich aus völlig anderen Bereichen Inspirationen holen. Sie befassen sich mit Dingen, die ihnen gestern noch unbekannt waren. Darin liegt der Knackpunkt und somit leider auch das größte Defizit vieler Events. Denn in der Regel schwimmt man in der eigenen Suppe und übt Selbstbeweihräucherung.

Die Digitalisierung erleichtert das Knüpfen neuer Kontakte, zahlreiche Events bringen Leute aus allen Richtungen der Bundesrepublik sowie dem Ausland zusammen und sorgen für großen Nachklang in den Printmedien, Blogs und Onlinemagazinen. Wer von uns hat sich noch nie mit der Teilnahme an einem speziellen Event gebrüstet? Wir wissen doch alle, dass solche Fotos auf LinkedIn, Instagram, Twitter und Facebook besonders gut rüberkommen. Wie praktisch! Man lernt interessante Leute (über das Digitale hinaus) persönlich kennen, bringt eventuell Kooperationen auf den Weg UND hat auch noch schöne Bildchen, um die digitalen Kanäle zu füllen. Klingt gut, bringt langfristig aber nicht zwangsläufig viel, weil etwas fehlt: Vielfalt und Kreativität.

Die meisten Events sind themenspezifisch und bringen Leute zusammen, die ähnlich denken, sich mit ähnlichen Schwerpunkten befassen, die gleichen Zeitungsartikel lesen und an die gleichen Orte verreisen. Man kennt einander. Filterblase ist als Begriff seit Jahren bekannt. Man geht zu den Pflichtveranstaltungen. Und fährt mal ein scheinbar kreativer Zug – ein BarCamp, Technik-Event oder Bloggertreffen? – vorbei, so springt man auf den Waggon, von dem man sich etwas verspricht, das war´s. Viele zieht es nach Berlin, andere, die dort bereits etwas erreicht haben, versuchen wiederum (zusätzlich) in anderen Regionen ihr „eigenes Ding“ auf die Beine zu stellen. Ideen gibt es viele, aber. Es ist dieses ABER.

Stadtverwaltungen, die innovativen Unternehmern das Leben unnötig schwer machen und Organisationen, die nur ihr eigenes Süppchen kochen, statt den Standort zu stärken, sind nur ein Beispiel. Jeder möchte etwas erreichen, verlässt seine Komfortzone jedoch nicht. Kreative Köpfe sollen helfen und werden gesucht, doch man sucht falsch.

Wer mehr Kreativität in seinen Teams haben oder selbst inspiriert werden möchte, sollte kreativer in seiner Suche werden und sich mit Menschen befassen, die nicht zu den typischen Events kommen, sondern andere Dinge machen.

Wie wäre es mit Veranstaltungen, die über die üblichen Grenzen hinausgehen? Nicht die Digitalen unter sich, nicht die Künstler und Kulturinteressierten unter sich, nicht die BWLer, Marketingleute oder Geschäftsführer unter sich. Auch das muss es zwar geben, doch ein Gegenentwurf entspricht vielmehr dem, was für die Zukunft notwendig ist. Der Blick muss sich ändern. Hier und da gibt es schon gute Ansätze – Veranstaltungen, die Farbe ins Spiel bringen, die Leute aus einander fremden Bereichen an einen Tisch zusammensetzen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig das ist. Denn überall wird in Zielgruppen gedacht, aber als Community, die deratige Events etablieren oder einen Standort stärken möchte, kann man keine typische Zielgruppe vorweisen. Dafür ist man zu vielfältig. Aus gleichen Gründen ist es anstrengender „Follower“ zu gewinnen und online mit ansprechenden Zahlen zu glänzen. Bleibt zu hoffen, dass diejenigen, die es trotzdem wagen, am Ball bleiben und nicht allzu früh aufgeben. Denn diese Art von Netzwerken wächst zwar langsamer, ist dafür aber umso intensiver und hat letztendlich mehr zu bieten – u.a. Inspiration, Ergänzung und Vertrautheit.

Ohne Kreativität gibt es Stillstand. Man muss Kreativität wachsen lassen und akzeptieren, dass sie Grenzen durchbricht und Brücken baut, wo vorher keine waren. Zukunftsorientierte Vernetzung braucht Kreativität.

 

Interview mit den Gewinnern des Innovation Award Laser Technology 2018

Der Innovation Award Laser Technology gilt als Oscar in der Laserbranche und wird alle zwei Jahre von einer internationalen Jury in Aachen vergeben. Dieses Jahr ging der erste Platz an ein Unternehmen aus Mülheim-Kärlich! Laserline, das als Startup zunächst im Technologiezentrum Koblenz (TZK) angefangen hatte und sich inzwischen in der Fraunhofer Straße in Mülheim-Kärlich befindet, taucht nun in einer Reihe mit weltbekannten Konzernen auf, die im Laufe der Jahre für bemerkenswerte Innovationen sorgten und zu den Gewinnern des begehrten Preises zählten. Ein mittelständisches Unternehmen aus unserer Region! Das ist nicht nur großartig, sondern wirft auch Fragen auf, die mir die beiden hauptverantwortlichen Gewinner höchstpersönlich beantwortet haben.

Dr. Axel Luft (Vertriebsleiter Automotive weltweit) und Dr. Markus Baumann (Entwicklungsingenieur) hießen mich bei Laserline willkommen. Sie beantworteten nicht nur meine Fragen, sondern führten mich durch das Gebäude, zeigten Anschauungsobjekte, Roboter, die ihre Laser bedienen und erklärten bemerkenswert verständlich sowie anschaulich, was sie machen und wie was funktioniert. Im Interview sprachen sie aber auch davon, was gute Teamarbeit ausmacht. Viel Vergnügen beim Lesen.

Bei Lasern dürften viele Leute zuerst an Space Operas, Raumschiffe und Weltraumabenteuer denken. Wie viel Science Fiction steckt in Laserline?

Baumann: Wenig. Bei Laserline arbeiten wir mit Halbleiterlasern, Diodenlasern. Hierbei wird das Laserlicht direkt aus dem elektrischen Strom im Halbleiter erzeugt. Diese Laser haben eben nicht die Eigenschaften, die man klassischerweise aus dem Fernsehen kennt – nämlich dass man so einen langen, gerade gerichteten, schmalen Laserstrahl hat. Beim Diodenlaser kommt das Licht eher wie aus einer Taschenlampe heraus. Sehr divergent, mit großem Öffnungswinkel. Wir brauchen spezielle Optiken, um das wieder einzufangen. Aber wir können mit einer hohen Effizienz auch sehr hohe Leistungen erzeugen. Jetzt arbeiten wir aktuell an Lasern bis 60kW optischer Leistung. Abgesehen von Speziallasern in der Raketenabwehr, ist das sehr viel, denn die üblichen Laser in der industriellen Anwendung arbeiten im Bereich zwischen 2 und 10 kW.

Luft: Wichtig ist auch zu wissen, dass man Laserstrahlen nicht sehen kann. Es ist nicht wie bei Star Wars in bunten Farben, sondern die Strahlung liegt im Infrarot-Bereich und ist für das Auge unsichtbar.

Kann man sie nicht sichtbar machen?

Baumann: Alles, was vom Laser bestrahlt wird, beginnt wahrscheinlich schnell zu glühen oder zu rauchen. Spätestens dann ist es sichtbar.

Was macht Laserline genau?

Baumann: Laserline bringt den Laser als Strahlwerkzeug zur Anwendung in den Markt. Zum Beispiel, um Kunststoffe zu verschweißen, Autokarosserien zu löten, oder um Griffe an Bratpfannen zu schweißen.

Luft: Auch zum Beschichten von Bohrwerkzeugen für den Einsatz auf Erdöl- und Erdgasfeldern sowie zum Härten. Wir bauen Strahlquellen zur Materialverarbeitung. Da wir ein eigenes Applikationszentrum haben, machen wir zudem Anwendungstests mit den Kunden.

Laser zum Härten? Das ist vermutlich neu, oder?

Luft: Nein, das war mitunter die erste Anwendung und das Schweißen kam als Letztes hinzu. Über die Jahre sind die Leistungen und die Strahlqualitäten gewachsen. Niedrige Strahlqualität bedeutet, dass ich auf bestimmten Abstand eine relativ große Fläche bestrahle, damit erreiche ich geringe Intensitäten. Dann kann ich damit zum Beispiel härten. Auch beim Kunststoffschweißen benötigt man nur niedrige Intensitäten. Mit der Zeit haben wir immer höhere Leistungen und bessere Strahlqualitäten erreicht, was bedeutet, dass wir bei gleichem Abstand immer kleinere Flächen mit höheren Leistungen bestrahlen konnten – und so lässt sich auch schweißen.

Also kommen nicht die Kunden zu Ihnen, sondern Sie gehen mit Ihren Neuentwicklungen auf die Unternehmen zu?

Luft: Da gibt es zwei Richtungen. Zum einen gibt es die Situation, dass wir einen neuen Laser haben, der noch mehr kann. Dann gehen wir auf den Kunden zu. Es gibt aber auch die andere Variante. Wenn der Kunde beispielsweise Schwierigkeiten hat und wir mit ihm versuchen, diese Schwierigkeiten zu lösen. „Push and pull“. Push, um neue Leistungen auf den Markt zu bringen und pull, weil Kunden eine Lösung suchen.

Baumann: Genau, der Laser wird von uns nie einfach nur als solcher angeboten, sondern stets mit bestimmter Anwendung. Es kommt kein Kunde zu Laserline, weil er einen Laser möchte. Kunden kommen, weil sie zum Beispiel eine Karosserie verbinden wollen. Ob er das mit einem Laser oder mit einem konventionellen Mittel macht, ist dem Kunden zunächst egal. Da fängt dann unsere Arbeit an. Wir zeigen die Vorzüge der Laser und stellen heraus, warum das Laserlicht als Strahlwerkzeug für diese Anwendung besonders gut geeignet ist. In vielen Punkten bietet es wesentliche Vorteile.

Und Sie, Herr Luft, sind dann derjenige, der zu den Kunden fährt?

Luft: Ja, aber früher war ich Abteilungsleiter für die Anwendung. Ich bin für alle Automobilkunden weltweit zuständig und betreue weiterhin die Automobilanwendungen.

Sie sind einer der Entwickler, Herr Baumann?

Baumann: Genau. Häufig ist es so, dass Kunden vor Herausforderungen stehen, die spezielle Energieverteilungen im Laserspot erfordern – oder eine spezielle Optik. Aus beengten Platzbedingungen beispielsweise. Dann wird das an mich herangetragen und ich muss versuchen, eine technische Lösung zu finden.

War es auch im Fall der Neuentwicklung so, mit der Sie den Award gewonnen haben?

Baumann: In dem Fall kam Axel bei mir vorbei und erzählte vom unbefriedigenden Sachverhalt mit den feuerverzinkten Blechen im Karosseriebau. Sie, das heißt er und der Automobilkunde, hatten bereits eine Idee, wie der notwendige Spot vielleicht aussehen könnte, um den unerwünschten Effekt zu vermeiden. Die Frage an mich lautete: „Fällt dir etwas ein, wie man eine Optik macht, die genau diesen Spot erzeugt?“

Was genau war das Problem?

Luft: In der Automobilindustrie hatte sich die Beschichtung der Karosserieteile verändert. Beim Löten von feuerverzinkten Blechen, das beim Fügen der Einzelteile eingesetzt wird, kam es zu Prozessproblemen – nämlich zu Mikrospritzern und Überschwappungen an den Rändern der zusammengelöteten Teile. Doch man wollte, wie zuvor, glatte Kanten haben. Die Frage war also, was man am Prozess ändern müsste, damit er wieder funktioniert. Zunächst hat VW Highspeed-Aufnahmen von diesem Prozess gemacht und festgestellt, dass man den Prozess an den Rändern beruhigen müsste. Daraus entstand die Idee, dass man vorweg seitlich den Zink wegbrennt. An dieser Stelle kamen wir ins Spiel.

Und wie haben Sie das Problem gelöst?

Luft: Zwei kleine Vorspots, die rechts und links von der Naht sind, verbrennen den Zink und sorgen sozusagen für eine Passivschicht, die sich nicht mehr benetzen lässt. Das Lot geht also nicht mehr darüber hinweg und es gibt keine Spritzer. Man erhält ganz gerade Ränder. Doch eine weitere Herausforderung stellten die unterschiedlichen Geometrien der Karosserieteile dar, ob man z.B. das Dach an die Seitenwand lötet oder im Bereich der Kennzeichenmulde. Auch je nach Kunde unterscheiden sich die Geometrien, was jeweils unterschiedliche Spots erfordert. Zum Beispiel muss der Abstand zwischen den Spots anders sein oder die Leistungsverteilung. Diese Möglichkeiten bietet unser Produkt.

 

Wie würden Sie die Innovation an Ihrer Erfindung beschreiben?

Baumann: Da sind Innovationen auf zwei Seiten. Zum einen haben wir die Spotgeometrien gefunden und zum anderen haben wir eine relativ einfache, optische Lösung erarbeitet, die die jeweils erforderten Einstellmöglichkeiten bietet. Es ist ein sehr kompaktes Modul, das wir ohne Probleme in die Bearbeitungsoptik nachträglich einbauen können, um die Vorteile zu nutzen. In der Anwendung sind die einfacheren Dinge oft die besseren. Doch eine gute, einfache Lösung zu finden, ist oft schwierig.

Warum war Ihnen die Teilnahme am Wettbewerb wichtig?

Luft: Für uns war das Projekt sehr wichtig. Wir sind beim Löten Marktführer. Wir haben mit einem einfachen, runden Spot etwa 80 % des Marktes und mussten mit der neuen Beschichtung aufpassen,unsere Position zu halten. Markus und ich haben am ILT in Aachen promoviert und für uns hat dieser Preis nochmal eine besondere Bedeutung. Als es abzusehen war, dass unsere Innovation den Anmeldeanforderungen entspricht, hab ich die Anmeldung dem Team vorgeschlagen. Alle waren dafür…

Für den Award mussten Sie sich explizit bewerben?

Luft: Ja. Ich war das Bindeglied zwischen allen und der Treiber und habe den Lötprozess entwickelt und getestet, wobei wir ohne Markus´ Knowhow nichts davon hätten umsetzen können.

Baumann: Die Idee, was benötigt wird, hat Axel mit dem Kunden zusammen entwickelt. Die Hardware habe ich entwickelt. Für den Award hat es dann Axel angemeldet, weil er der Knotenpunkt zwischen VW, Scansonic und Laserline ist. Insgesamt haben wir uns als Team von diesen drei Unternehmen angemeldet, also Thorge Hammer und Meinulf Hinz von VW, Andreas van Hove und Florian Albert von Scansonic, und wir beide von Laserline. Scansonic ist der Hersteller der Bearbeitungsoptik, in die wir unser Modul integriert haben.

Müssen bei der Anmeldung bestimmte Anforderungen erfüllt sein?

Luft: Eine der Voraussetzung zur Teilnahme lautet, dass die Idee höchstens drei Jahre alt sein darf. Das ist für viele schwierig und daher ein Knackpunkt. Wir hatten das Patent 2015 angemeldet, so dass wir tatsächlich innerhalb von drei Jahren diesen Erfolg hatten. Denn nach den Serientests bei VW ging es in die Qualifizierung. In China waren wir mit Teams aus VW, Scansonic und Laserline vertreten und mussten die Prozesse in 3D wieder genauso herstellen.

Inzwischen haben wir über 60 Module verkauft. Wenn man die Laser dazu zählt, sind das mehrere Millionen Umsatz. Nur wenige, die sich zum Award angemeldet haben, sind so weit in der Umsetzung.

Baumann: Speziell bei diesem Award geht es nicht um eine herausragende wissenschaftliche Leistung, sondern ein ganz wichtiger Aspekt ist, dass man eine technische Innovation hat, die einen wirtschaftlichen Erfolg in der industriellen Anwendung haben muss. Und da konnten wir mit dem Knallereinstieg in der Serienfertigung mit unserem Modul punkten. Bestimmt wurden wir deshalb unter den ersten Drei nominiert. Denn insbesondere wenn es um neue Technik geht, ist ein Jahr schnell rum. Die Teile zu konstruieren, in die Fertigung zu geben, alles zu montieren und dann noch zu testen – das braucht Zeit. Bis da ein wirtschaftlicher Erfolg erkennbar ist, dauert es mitunter etwa 5 Jahre.

Was sind die Voraussetzungen, um als ein Team so erfolgreich arbeiten zu können?

Baumann: Der große Vorteil bei Laserline ist, dass hier die ganzen Strukturen noch relativ überschaubar sind und man im relativ kleinen Kreis derartige Sachen schnell vorantreiben kann. Man muss nicht bis hin zur Konzernspitze Freigaben anfordern, denn wir haben hier kurze Wege zu den Geschäftsführern. Außerdem können wir uns auf unsere guten Zulieferer verlassen. Von der Idee, wie der Spot aussehen soll, der technischen Umsetzung bis zur fertigen Mechanik hat es weniger als ein Jahr gedauert. Da hing das bereits am Roboter und wir konnten mit den Tests loslegen. VW war begeistert, dass das alles so schnell ging.

Luft: Und es ging auch deshalb so schnell, weil wir den Wettbewerb im Rücken hatten. Wir wollten es zügig und gut machen. Spannend war es, weil beispielsweise die Lieferung einiger Teile sechs Wochen dauert. Dann mussten wir warten. Und wenn die Teile kamen, mussten sie schnell zusammengebaut werden, um möglichst sofort testen zu können. Immer wieder. Nebenbei war es auch wichtig, den Kunden bei Laune zu halten, damit er uns Zeit gibt.

Schnelles Arbeiten sowie innovative Lösungen erwartet man eher von Start-ups. Sie arbeiten in einem weitaus größeren Unternehmen. Wie haben Sie es dennoch mit Flexibilität sowie hohem Tempo geschafft?

Luft: Das liegt vor allem daran, dass Markus und ich zu zweit gesagt haben, wir machen das. Ich habe bei der Geschäftsführung die Erlaubnis eingeholt, dass wir die erste Investition für diese Entwicklung machen können. Und dann haben wir es zu zweit durchgezogen. Der Schlüssel dazu war, dass wir uns perfekt ergänzt haben – Markus mit seinem Knowhow, ich mit meinem. Wir haben eng und schnell zusammengearbeitet.

Baumann: Wenn man solche Projekte schnell umsetzen möchte, benötigt man ein Team über die gesamte Kette, sonst gehen in der Kommunikation miteinander eine Menge entscheidende Informationen verloren. Eigentlich hätte man in unserem Fall noch mindestens zwei weitere Fachleute gebraucht, aber glücklicherweise kennt sich Axel mit Applikationen beim Kunden aus. Er weiß also nicht nur über die Produkte Bescheid, sondern auch über die Prozesse. Das ist nicht bei allen Vertriebsingenieuren so. Ich wiederum verstehe nicht nur etwas von Optikauslegung, sondern kann auch die mechanische Konstruktion umsetzen. Daher funktionierte die Kommunikation zwischen uns sehr gut. Zu zweit lässt sich zügig arbeiten. Ohne Meetings. (lacht)

War diese Arbeitsweise etwas Besonderes für Sie?

Luft: In der Entwicklung hat man häufig mit langen Prozessen zu tun, so wie ich das mitbekommen habe. Da spielt Kundenbindung keine große Rolle. Bei diesem Projekt war es jedoch anders. Man hatte ein Problem vor Augen und arbeitete mit und für den Kunden an der Lösung. Da gab es Bedarf, Druck und Wettbewerb. Kleine Fortschritte waren sofort sichtbar. Das war eine ganz andere Art zu arbeiten.

Baumann: Richtig. Es ist einfach viel befriedigender, wenn man direktes Feedback zu den Ergebnissen erhält. Man arbeitet quasi am heißen Eisen. Für gewöhnlich bekommt man erst nach einigen Jahren Feedback, wenn man bereits an etwas ganz anderem arbeitet.

 

In der Applikation von Laserline
Laserline verfügt über eigene Test-Räume (Applikation). Hier: Dr. Luft und Dr. Baumann an einem der Roboter.

Das klingt nach einem Projekt, das nicht nur Arbeit, sondern auch Spaß bedeutet hat.

Luft: Arbeit muss auch Spaß machen. Etwas gemeinsam umzusetzen und mit dem Kunden zusammenzuarbeiten, das macht Freude.

Baumann: Und etwas weiterzuentwickeln! Dass man erst einmal eine Idee hat, mit einer Basis im Kern und der Möglichkeit, sie weiterzuentwickeln. Dass man nicht nach zwei Versuchen aufgibt, sondern genau hinschaut, wo man es optimieren könnte. Man überlegt sich das am Rechner theoretisch, die Konstruktion mechanisch – und dann kommen die Teile und man baut es zusammen. Danach baut man es an die Anlage und macht die Tests. Irgendwann funktioniert es und macht etwas so, wie man es sich zuvor vorgestellt hatte. Doch nun kann man es sogar in den Händen halten. Der Kunde ist zufrieden und man selbst auch – das macht am meisten Spaß.

Welche Rolle spielen für Sie Begriffe wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Industrie 4.0?

Luft: Industrie 4.0 kommt eher vom Kunden, weil er immer mehr Daten vom Laser zurückgespiegelt haben möchte, damit die Anforderungen automatisch erfolgen. Die Geräte sollen beispielsweise angeben: „Bei mir läuft demnächst ein Filter ab und sollte gewechselt werden.“ Da schauen wir, wie man die entsprechenden Schnittstellen umsetzen kann.

Baumann: In meinem Bereich ist es so, dass man bis vor circa sechs Jahren Zeichnungen zu den Fertigern geschickt hat. Heute verschickt man elektronische Dokumente, auch 3D-Daten von den konstruierten Objekten. Es ist sogar oft so, dass die Fertiger nachfragen, ob sie sich komplett auf das 3D-Modell verlassen können oder doch auch noch in die Zeichnung schauen müssen. Man hat sich vom Papier wegbewegt.

Auf Kundenseite spielen wiederum andere Dinge eine Rolle. Sie möchten die digitalen Kenndaten für den Laserspot kennen, um die Parameter passend einstellen zu können. Digitalisierte Datensätze für die Charakterisierung der Laserstrahlung.

Beim Ortsnamen Mülheim-Kärlich denken die meisten vermutlich an Einkaufsmöglichkeiten, die grüne Wiese. Was halten Sie von diesem Standort?

Baumann: Ich war dabei, als sich Laserline noch im TZK (Technologiezentrum Koblenz) befand. Das war ein super Ort für ein Start-up, aber dann hat Laserline eine Größe erreicht, für die mehr Raum nötig war. Unsere Chefs haben daher zuerst in Koblenz nach etwas Passendem gesucht, aber in Mülheim-Kärlich fanden sie offene Ohren und eine Stadt, die das Unternehmen hier haben wollte und zügig mitwirkte, indem beispielsweise die Baugenehmigung schnell vorlag. Wir haben hier viel Platz und können wachsen – das ist ein riesen Vorteil. Auch fürs Recruiting ist es ein guter Standort. Wir haben als Einzugsgebiet Remagen und Koblenz, wo Fachkräfte verfügbar sind. Mittlerweile kommen viele Kollegen in der Entwicklung auch aus Aachen.

Luft: Ich denke, dass Rheinland-Pfalz kleine Firmen, wie es Laserline früher war, positiver empfängt als manches andere Bundesland. In München wäre man zudem eine Firma von vielen und eher uninteressant, während sich die Ortschaften hier über die einzelnen Firmen freuen. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen und war später in Aachen und im Saarland, aber mir gefällt es hier sehr gut. Koblenz, Mülheim-Kärlich – wir leben im Urlaubsgebiet, man denke nur an die Mosel. Ich freue mich, dass wir hierher gezogen sind.

Sollte bekannter werden, welche innovativen Unternehmen es hier gibt?

Baumann: Auf jeden Fall. Das wäre ein Image-Gewinn.

Wie war es denn, den Award in Aachen überreicht zu bekommen?

Baumann: Es war enorm. Dieser Preis ist vielleicht nicht so bekannt, aber in der Laserbranche ist das eine internationale und angesehene Auszeichnung. Ich hätte es mir nicht erträumen lassen. Dass man eine Chance hat gegen zehn oder mehr Mitbewerber, die ganz anders aufgestellt sind, teilweise als Konzerne mit großen Entwicklungsabteilungen, hätte ich gar nicht gedacht. Als Mittelständler rechnet man nicht damit.

Luft: Es war eine Überraschung und eine tolle Veranstaltung mit etwa 360 Anwesenden im Krönungssaal, in dem eine Woche später die Bundeskanzlerin den Karlspreis an den französischen Präsidenten Macron überreichte. Daimler hatte den Award auch einst gewonnen und der damalige Gewinner sagte mir auf der diesjährigen Veranstaltung: „Das Besondere an diesem Preis ist die komplett unabhängige, internationale Jury. Wer gewinnt, darf sich etwas darauf einbilden.“

Ja, und auch wir als Standort rund um Koblenz und Mülheim-Kärlich dürfen uns mitfreuen. Herzlichen Glückwunsch an das erfolgreiche Team!

 

Links: