Der etwas andere Co-Working-Space in Koblenz: Workerlicious

Co-Working-Spaces gelten als das Aushängeschild des NewWork und ihre Anzahl als Gradmesser, wie investitionsfreundlich eine Stadt ist. Doch die Szene entwickelt sich weiter. Ein Trend: weg vom Co-Working-Loft oder der umgebauten Büroetage hin zum Restaurant in der Innenstadt. Glaubt Ihr nicht? Nun, in Koblenzer Remos läuft gerade ein Pilotprojekt dazu …

Raus aus dem Büro, rein ins Restaurant

Entstanden ist dieser Trend schon Anfang 2017 in New York und schwappt seitdem peu à peu über den Großen Teich nach Europa. Und der Gedanke hinter der Idee, aus Restaurants Co-Working-Spaces zu machen, ist ebenso genial wie einfach. Weil alle gewinnen:

Für den Gastronomen kann sich ein solcher Co-Working-Space gleich aus mehreren Gründen rechnen. Denn häufig öffnen Restaurants erst am Abend, während die Miete selbstverständlich auch tagsüber weiter läuft. Was spricht also dagegen, in der „unproduktiven“ Zeit die Räume für etwas anderes zu nutzen? Als Co-Working-Space, zum Beispiel. Steckdosen, Mobiliar und WLAN gehören zum Standard eines Restaurants. Ein weiterer Pluspunkt: oft bleiben die Nutzer des Spaces gleich zum Essen im Restaurant. Oder beschließen, nach einem Meeting den nahtlosen Übergang zu einer geselligen Runde – gleich an Ort und Stelle.

Umgekehrt haben die Nutzer eines solchen Co-Working-Space den Vorteil, dass sich die Location oft zentral liegen, die Preise (im Vergleich zum klassischen Co-Working-Space) niedriger sind und dann auch noch das Abendessen gesichert ist.

Und auch die Macher des Spaces profitieren: zum einen spart man sich natürlich die Investitionen in ein klassisches Office (inklusive Miete, Technik, Unterhaltung und so weiter) und kann sich stattdessen voll und ganz auf die Organisation konzentrieren. Und das gastronomische Angebot kann man gleich mit nutzen.

Workerlicious: ein neuer Co-Working-Space mitten in der Stadt

Workerlicious hat diesem Trend aufgegriffen und bringt ihn nach Koblenz. Zunächst als Pilotprojekt mit einer Laufzeit von drei Monaten (also noch bis Ende September). Dabei trifft man sich ein bis zwei mal in der Woche im Restaurant Remos. Verkehrstechnisch besser als das Remos kann man in Koblenz eigentlich nicht liegen: Haupt- und Busbahnhof sind vis-a-vis und dort ist dann auch für die Autofahrer die Einfahrt zur Tiefgarage des Bahnhofs. Wer das Remos noch nicht kennen sollte: unbedingt mal hin gehen und eine Pizza essen: super lecker, mega-dünner Teig und dabei riesengroß!

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Die Pizza im Remos ist ein Gedicht

Aber ich schweife ab.

Die Treffen von Workerlicious gehen jeweils von 09:00 bis 16:00 Uhr. Während dieser Zeit können die Teilnehmer an eigenen Projekten arbeiten, sich mit den anderen austauschen und vielleicht sogar neue Kollaborationen oder Partnerschaften aufbauen. Tische, Stühle, Strom & WLAN sind natürlich vorhanden und die Treffen finden in einem abgetrennten Bereich des Restaurants statt. Die Zielgruppe ist dabei (vom Grundsatz her) die gleiche wie bei einem klassichen Co-Working-Space. Also Selbstständige, Freelancer und Freiberufler aber auch Studenten oder einfach interessierte Leute.

Workspace mit Herz

Workerlicious will sich von den klassischen Co-Working-Spaces in Koblenz auch mit einem besonderen Konzept abheben:

Workerlicious soll ein Workspace mit Herz werden.

Diesen Hauptgedanken hat mir Gentiana Daumiller, die treibende Kraft hinter dem Projekt, bei einem Treffen im Remos vor der Sommerpause erläutert. Denn wichtiger als der Workspace an sich ist das gemeinsame Mindset, das die Grundwerte und die Arbeitsweise bei Workerlicious zusammenfasst. Die Schlagworte lauten

  • Vertrauen
  • Mut
  • Wertschätzung
  • Wissenstransfer

Wenn man den kompletten Text (unten im Foto) liest, merkt man, dass hier einiges an agilem Gedankengut eingeflossen ist. Und mit diesem „Stammbuch“ unterscheidet sich Workerlicious von einer schlichten Hausordnung, wie man sie sonst antrifft.

Auf einen Punkt, der vielleicht beim Überfliegen des Textes untergehen könnte, hat mich Gentiana besonders hingewiesen und wir haben uns länger darüber unterhalten. Der Satz beschreibt die eigentliche Utopie, die hinter dem gesamten Projekt stehen soll:

Gemeinsam Mehrwert schaffen für die Gesellschaft in Koblenz

Und diese Utopie macht aus meiner Sicht den eigentlichen Unterschied von Workerlicous zu anderen, „normalen“ Co-Working-Spaces aus: eine Idee, ein Projekt, das (neben der eigenen Arbeit im Space) gemeinsam von allen Beteiligten vorangetrieben wird.

Fazit

Ein spannendes und wie ich finde einmaliges Konzept für einen Co-Working-Space: in einem Office entsteht eine Community, die sich gemeinsamen Werten verpflichtet fühlt und (on Top) ein gemeinsames Ziel verfolgt. Das Ganze in einer tollen Location, zentral im Herzen der Stadt gelegen, von & mit Leuten, die mit Herzblut bei der Sache sind. Und mit Gentiana als „Treiber“ ideal besetzt. Auf meine Frage, warum das Restaurant Remos bei diesem Pilotprojekt überhaupt mitmacht, hat Zona, die Mitinhaberin des Remos geantwortet: „Weil es Gentiana ist.

Also ich könnte mir vorstellen, das so eine Initiative prima nach Koblenz passt und Erfolg haben kann.

Wie geht es weiter…?

Zunächst sind jetzt zwei Wochen Sommerpause. Ab dem 12.08.2019 werden dann in der Facebook-Gruppe die nächsten Termine veröffentlicht (voraussichtlich wieder zwei Tage pro Woche, jeweils 09:00 bis 16:00 Uhr).

Dann wird auch die Utopie konkretere Formen annehmen. Geplant ist, in einem Gespräch mit dem David Langner, dem Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, mögliche Kooperationen für ein Projekt von Workerlicious auszuloten.

Wenn Du nun Interesse an Workerlicious hast, Dir die Idee gefällt und / oder Du Dir vorstellen kannst, selber zu machen, melde schau Dich doch in der Facebook-Gruppe um oder melde Dich bei Gentiana.

Debeka eröffnet Innovation Center

In direkter Nähe zur Universität und zum TechnologieZentrum Koblenz, mitten in der „Metternich Bay Area“ steht eines der neusten Debeka-Gebäude. Dort befinden sich allerdings keine üblichen Büros, sondern ganz spezielle Räume, die eine neue Arbeitskultur ermöglichen. TV Mittelrhein beschreibt es so: „Die Debeka hat auf dem modernen Arbeitsmarkt den nächsten Schritt gewagt.“ Wir waren zu Gast auf der Eröffnungsfeier des Debeka Innovation Centers, kurz DICE, und möchten unsere Eindrücke mit Euch teilen.

Der Event begann im DICE-Gebäude. Begrüßungsgetränk, kurze Willkommensreden und Präsentationen, danach Führungen durch die spannend ausgestatteten Räumlichkeiten. Alles locker. Wir fühlten uns mehr als wohl und hatten bei der Führung mit Christoph Surges viel Spaß. Hier einige Bilder von der Begrüßungsrunde. (Sofern nicht anders angegeben, alle Fotos: Debeka.)

Da in diesem Fall Bilder mehr sagen als Worte, beschränken wir uns textlich auf die Aussagen einiger Persönlichkeiten des Events. Hierzu dient uns das gut gemachte Video von TV-Mittelrhein als Quelle. In voller Länge könnt Ihr es Euch hier anschauen (Klick).

Was sind die Ziele des DICE?

Thomas Brahm (Vorstandsvorsitzender Debeka): „Wir wollen sehen wie wir die bisherigen, etablierten Arbeitsabläufe verbessern können. Wir wollen schneller und effizienter werden und das entsprechende Arbeitsumfeld bilden wir hier. Die Techniken und modernen Methoden werden hier angewandt – von unseren Mitarbeitern, die teilweise von der anderen Seite der Mosel hierher kommen, um sich hier auf die neuen Arbeitsmethoden einzulassen.“

An welchen Projekten wird hier gearbeitet?

Christoph Surges (Leitung des DICE): „Im ersten Umfeld sind wir natürlich dafür da, Projekte umzusetzen – neue, innovative Lösungen für den Kunden zu schaffen. (…) Im anderen Umfeld ist das Innovation Center relativ groß, das heißt wir sind auch ein Coworking Space für Debeka-interne Projekte. Wir bieten ihnen den Raum, effektiv ihre vorhandenen Projekte umzusetzen. (…) Zugleich sind wir auch dafür da, uns Innovationen anzugucken. Was machen andere Startups, beispielsweise im TZK auf der anderen Straßenseite? Was machen sie, wie können wir mit ihnen kooperieren und interessante Lösungen für unsere Kunden darstellen?“

Roland Weber (IT Vorstand Debeka): „Das ist für uns eine neue Welt, denn bisher haben wir an Systemen gearbeitet (…), die viele viele Jahre stabil und sicher laufen mussten. Aber Apple, Google, Facebook und all die anderen Internet-Dienstleister haben die Kundenerwartungen an Services verändert und deshalb müssen wir da mithalten und auch entsprechend für die Kundenschnittstelle relativ schnell arbeiten und immer besser werden. Deshalb brauchen wir hier Leute, die in schnellen Sprints agil in Projekten arbeiten – aber die andere Welt brauchen wir auch.“

Das DICE als großer Experimentierraum? Tatsächlich unterscheiden sich die Räumlichkeiten stark von üblichen Büros. Höhenverstellbare Tische, Stühle unterschiedlicher Arten, gemütliche Sofaecken, Einzel- und Gruppenarbeitsplätze sowie ruhige Rückzugsorte wechseln sich ab. Hier einige Fotos, doch eigentlich muss man sich das alles vor Ort anschauen.

Besonders toll fanden wir zudem, dass es nach der Führung an den StattStrand ging. So viele Männer in Anzügen sieht man an Stränden eher selten, doch das passte. Vom DICE aus sind es nur wenige Schritte bis zum Strand. Als wir dort ankamen, warteten bereits leckere Cocktails auf uns. Urlaubsstimmung. Bei angenehmen Gesprächen, leckerem Essen und Networking ließen wir gemeinsam den Abend ausklingen.

Wir danken für den tollen Abend und wünschen dem DICE-Team alles Gute!

(Sofern nicht anders angegeben, alle Fotos: Debeka)

Links:

Sind Programmierer Kunsthandwerker?

Bei Handwerk denken die meisten von uns vermutlich an Holz und Metall, aber auch Software-Entwicklung ist Handwerk. Kunsthandwerk sogar, behaupten einige ITler. Doch wie sehen Programmierer sich selbst und ihre Tätigkeit? Ich habe vier schlaue Köpfe aus der hiesigen Coder-Szene gefragt. Frank, Stefan, Oliver und Ramy haben ihren Senf zu diesem Thema gegeben.

In Deutschland werden Software-Entwickler nicht selten für Ingenieure gehalten. Das liegt vor allem daran, dass im englischsprachigen Raum der Beruf Software Engineer bekannt ist. Tatsächlich spuckt Google hierzulande bei Eingabe von „Software ist Handwerk“ fast ausschließlich Seiten zu Software für Handwerker aus. Eine Tatsache, die so mancher Programmierer ärgerlich findet, weil er sich selbst absolut nicht als Ingenieur, sondern als kreativen Handwerker versteht. Ich habe unabhängig von einander vier Coder aus unterschiedlichen Bereichen gefragt, was sie davon halten.

Die Befragten

Stefan bezeichnet sich als Nerd, obwohl er keinen einzigen Hoodie besitzt. Er kennt unzählige Monty-Python-Zitate auswendig und hat als Schüler gerne das Schulsystem gehackt, um seinen Informatik-Lehrer in Bewegung zu setzen. Als zukunftsgewandter Software-Entwickler und -Architekt arbeitete er jahrelang für mittelständische Unternehmen und ist aktuell für einen internationalen Konzern tätig.

Frank hat ursprünglich Maschinenbau studiert und erwies sich als nahezu perfekter Ansprechpartner, da er sowohl Ingenieur als auch Coder ist und daher beide Perspektiven kennt. Gemeinsam mit seiner Frau führt er die rockende Agentur Werk 70 und hat „NUN“, das Neuwieder Unternehmer Netzwerk gegründet. Ein cooler Typ, den man regelmäßig auf Events zu digitalen Themen trifft.

Oliver ist Director of Engineering und Prokurist bei alfamedia. Aufgrund seines beruflichen Werdegangs hat er alle Facetten der Software-Entwicklung im Blick. Er denkt fortschrittlich, informiert sich weit über seinen Tellerrand hinaus und erkennt Trends nicht erst im Nachhinein. Oliver bewegt sich gerne und gekonnt in den sozialen Netzwerken.

Ramy ist freier Berater. Als Coder im Angestelltenverhältnis zu arbeiten? Nein, das wäre nichts für ihn. Auch er bezeichnet sich als Nerd und hat Zitate samt Quellenangabe parat, die sich Normalsterbliche wie ich nicht merken könnten. Die meisten Aufträge erhält er übrigens aus dem Ausland. Zum Beispiel in China scheint man interessierter an Innovationen zu sein als in Deutschland, sagt er.

Was sind Software-Entwickler nun wirklich, Ingenieure oder Kunsthandwerker?

Stefan: Ingenieure arbeiten nach Standards und Normen. Die gibt es so in der Software-Entwicklung nicht. Es gibt zwar Versuche, mit Entwurfsmustern ein gewisses Maß an Standardisierung zu erreichen, aber das alleine macht noch kein Ingenieurswesen aus.

Ein Ingenieur erfindet für gewöhnlich nichts, ein Entwickler hat wesentlich mehr kreative Freiheiten. Durch das Fehlen von Standards, ist Software-Entwicklung ein Prozess, der eine große Menge an Handarbeit beinhaltet. Nehmen wir zum Vergleich ein schmiedeeisernes Treppengeländer. Dieses wird von einem Kunstschmied in Handarbeit gefertigt. Dazu muss er wissen, wie es gefertigt wird. Er muss sein Handwerk beherrschen, um das bauen zu können. Doch zusätzlich zum Erlernten benötigt er Kreativität.

In der Softwareentwicklung benötigt man Kreativität, um Lösungen zu finden.

Frank: Was Stefan sagt, klingt, als würde er Ingenieure für elaborierte LEGO-Bastler halten, die aus einem Baukasten Teile nehmen und diese nach Bedarf zusammenfügen. Der universitär ausgebildete Ingenieur, und nur diese gibt es hierzulande, ist ein Vollwissenschaftler. Besteht ein technisches Problem, muss eben eine neue Maschine erfunden werden. Ja, dabei greift der Ingenieur auch auf standardisierte Teile (Schrauben, Muttern und jede Menge weiteres Gedöns) zurück. Die Funktion der Maschine zu entwickeln, ist aber ein ganz anderes Ding. Hierfür musst Du Unmengen an Hirnschmalz investieren, Simulationen und Versuche durchführen, um ganz spezielle Teile fertigen zu können. Das ist der akademische Anteil der Arbeit.

Außerdem ist auch der Programmierer nicht frei. Ganz im Gegenteil. Das zu schreibende Programm bzw. der dahinter liegende Algorithmus muss ebenso wie eine zu bauende Maschine penibel ein Lasten/Pflichtenheft erfüllen. Der Code entsteht nun auch nicht irgendwie, sondern muss in einer möglichst passenden Programmiersprache geschrieben werden. Innerhalb der Programmiersprache muss sich der Programmierer dann geradezu sklavisch an die Regeln von Syntax und Notation halten. Sonst funktioniert gar nichts.

Die Programmiersprache entspricht also den Normteilen. Aufbau von Code/Maschine unterliegt dann der Inspiration (5%) und Transpiration (95%) des Ausführenden. Beides sind reine intellektuelle Leistungen und haben keinerlei schaffenden, im Sinne von anfassbaren Charakter, und auch das ist bei beiden gleich. Du siehst: Die Rezeption des Programmierers als Ingenieur ist durchaus gerechtfertigt.

Wenn man von einem Kunsthandwerker ausgeht, so kann dieser machen, was immer er will, mit Ausnahme der Werkstoffeigenschaften, auf die er natürlich Rücksicht nehmen muss. Man könnte zwar argumentieren, dass er dem Programmierer damit nahe ist, weil der von der Idee über die Ausführung (Einhacken des Codes) bis zum fertigen Produkt alles in Personalunion durchläuft. Allerdings durchläuft der Kunsthandwerker keine intellektuelle/akademische Arbeitsphase.

Oliver: Softwareentwicklung ist ohne Frage eine kreative Tätigkeit. Ich finde den Begriff Kunsthandwerker gut, denn oftmals ist das eine sehr treffende Bezeichnung, jedenfalls wenn man in einem kreativen Bereich arbeitet oder gerade neue Produkte entstehen. Aber es gibt auch die andere Seite, wo man in einem sehr strikten Korsett arbeitet und dort weniger kreativ denn produzierend ist. Zudem gibt es auch noch diejenigen, die Software wie ein Ingenieur designen und entwickeln. Will heißen, es gibt alle drei Varianten parallel nebeneinander, und es kommt nur auf den Bereich an, in dem man arbeitet, welche Facette dominiert.

Und auch in meinem Team gibt es alle Varianten, obwohl wir eher im kreativen Bereich sind. Es gibt Kreativspieler wie meinen Kollegen Thorsten und mich aber auch Ingenieure, denen ich ein Design zur Umsetzung gebe. Und wir haben wiederum auch bloße Handwerker ohne viel Kunst.

Pauschal ist das nicht zu beantworten. Die einzige Pauschale ist, dass jeder Entwickler eine Prima Donna ist, wenn es sich um seine Arbeit dreht und man diese kritisiert.

Ramy: Das mit der Prima Donna stimmt! (lacht) Ich fühle mich so sehr mit meiner Arbeit verbunden, sie ist ein Teil von mir. Kritik kann daher sehr verletzend sein. Das ist das Amateurhafte an uns Entwicklern. Professionalität bedeutet nämlich, dass man sich zugunsten des Endergebnisses von seinem eigenen Wirken distanzieren kann. Daran müssen wir wohl noch arbeiten. Konkretes Beispiel: Ich entwickle mein eigenes Programmierwerkzeug und möchte es auf keinen Fall jetzt schon jemandem zeigen, weil es noch unfertig ist. Sinnvoller wäre aber, sich Feedback von außen zu holen.

Kunsthandwerk halte ich daher für einen passenden Begriff. Frank hat zwar insofern recht, als dass Ingenieure nicht nur Lego-Bastler sind. Doch anders als er, sehe ich in den Vorgaben, an die man sich innerhalb einer Programmiersprache halten muss, kein Argument gegen die Kunst, sondern dafür. Denn nur dort, wo Grenzen sind, ist Kreativität gefragt. Wir Software-Entwickler müssen sehr kreativ sein, um mit dem Bisschen, was da ist, Großes erschaffen zu können. Uns muss es gelingen, in teilweise simplen Formulierungen, hochkomplexe Sachverhalte auszudrücken. Trotzdem wünsche ich mir für die Zukunft mehr Kreativität in unserem Bereich. Ich verdiene seit über 20 Jahren mein Geld mit Software-Entwicklung, aber an meiner Arbeit hat sich nicht viel verändert. Immer noch setze ich mich an den Rechner und gebe Zeichen ein. Das ist doch kein Fortschritt. Ich arbeite daher daran, kleine organische Systeme zu bauen, die miteinander kommunizieren, selbst lernen, Erforderliches selbst programmieren und wachsen.

Alexandra: Das möchte ich gerne genauer wissen, Ramy, in einem anderen Blogbeitrag. Dir, Frank, Oliver und Stefan vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten und die spontane Bereitschaft sich zu diesem Thema zu äußern.

Und wie denkt Ihr darüber? Wird die Kreativität der Software-Entwickler unterschätzt?

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Abend der Innovation bei der Debeka

Der Hackathon „Hackquarter“ der Debeka ging am vergangenen Wochenende in die dritte Runde und mehrere Gruppen entwickelten neue App-Ideen und schlaue Konzepte im Bereich Insurtech. Alexandra und ich haben am Samstagabend vorbeigeschaut zum Abend der Innovation, wo ein Vortragsprogramm im lockeren Rahmen angeboten wurde.

Angenehm war, dass mit Paul Stein ein Vorstand der Versicherung Präsenz zeigte und das Intro machte. Man sieht, dass Startup- und Innovationskultur auch in der oberen Führungsebene einen hohen Stellenwert besitzt.

Wie wird der Tanker effizient und flexibel?

Mein persönliches Highlight war der Vortrag von Marc Wagner von der Detecon (Consulting-Tochter der Deutschen Telekom) zum Thema New Work. Er ging extrem schnell durch die Folien und die halbe Stunde war mit Inhalt für einen ganzen Abend vollgepackt. Dabei sparte er nicht mit Selbstkritik bzw. Kritik am Vorgehen des eigenen Konzerns (Vergleich: Hochseetanker). Die Erfahrungen die mit diversen Methoden gemacht wurden, nutzte er, um Schwachstellen aufzuzeigen und möglichst daraus zu lernen. Eine Zusammenfassung bzw. einen Ausschnitt daraus hat Marc Wagner unter dem Titel „Die Erschütterung der alten Macht: Erneuerung durch Company Rebuilding? gepostet.

New Work in der Old Economy

Patrick Schneider vom DICE (Debeka Innovation Center) machte in seinem Vortrag klar, dass die neueste Technik nicht das Allheilmittel ist. Vielmehr lohnt es sich, als Arbeitgeber Ermöglicher für die eigenen Mitarbeiter zu sein und die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Die Debeka selbst wählte dafür die Methode des Innovation Lab, mit dem Anspruch dieses einerseits den Kollegen aus verschiedenen Bereichen zur Verfügung zu stellen und andererseits positive Erkenntnisse in die Kultur des Gesamtunternehmens zu übertragen. Christoph Surges zeigte dann noch das Konzept des DICE, dazu dann aber nochmal mehr an dieser Stelle, wenn wir uns das mal in fertig und in echt angucken dürfen. 😉

Was war noch?

  • Wie Satya Nadella die Unternehmenskultur von Microsoft umgekrempelt hat, erklärte Andreas Grigull.

  • Frank Birzle, Co-Founder von Ottonova, einem reinen Online-Anbieter für private Krankenversicherung, stellte deren Geschäftsmodell vor. Der Kundenstamm ist noch winzig, aber der Ansatz, rein über eine App zu gehen, durchaus mutig und innovativ. Beispielsweise kann dort eine Arztrechnung per Smartphone-Foto eingereicht werden. Der gesamte Entwicklungsprozess ist agil aufgestellt, so dass schnell auf Kundenwünsche reagiert werden kann.
  • Herbert Jansky präsentierte das InsurLab Germany, eine Keimzelle für Insurtech-Startups in Köln. Einige Ideen und Projekte konnten schon bei großen und mittelgroßen Versicherungen in den produktiven Einsatz gebracht werden.
  • Daniel und ich (Team TZK) mussten eine extrem knappe Niederlage gegen Team Debeka-IT einstecken. Das hat gesessen!

Immer gut: Miteinander reden

Danke an die Debeka-DICE-Crew für die Einladung und die sehr aufwändige und engagierte Orga. Besonders schön war, dass in den Pausen und nachher Gespräche entstanden, auch mit Leuten, die sich vorher noch nicht kannten. Wenn die Digitalszene von Koblenz sich weiter vernetzt, finden wir das gut und wünschen außerdem den Teilnehmern beim Hackquarter viel Erfolg beim Weitermachen mit ihren Ideen!

Kreativität zerstört die Filterblase und vernetzt

Unternehmen suchen nach kreativen Köpfen, haben aber häufig bereits vorab eine konkrete Vorstellung davon, wie dieser kreative Kopf ticken sollte. Es muss ja passen. Doch wenn es so schön passt, ist es oftmals nicht anders, als das, was man schon hat. Inspiration und Fortschritt? Fehlanzeige.

Netzwerken gilt als das A und O des zukunftsorientierten Unternehmertums und dennoch wird auch das weiterhin häufig falsch gemacht. Denn es fehlt an Kreativität und Vielfalt. Dabei muss nicht jeder im künstlerischen Sinne kreativ sein. Es geht vielmehr um Offenheit dem Unbekannten gegenüber. Ein kreativer Blick ist ein aufgeschlossener Blick – ohne Scheuklappen und unbedingt aus der Filterblase hinaus. Erfolgreiche Unternehmer sind kreativ, weil sie sich aus völlig anderen Bereichen Inspirationen holen. Sie befassen sich mit Dingen, die ihnen gestern noch unbekannt waren. Darin liegt der Knackpunkt und somit leider auch das größte Defizit vieler Events. Denn in der Regel schwimmt man in der eigenen Suppe und übt Selbstbeweihräucherung.

Die Digitalisierung erleichtert das Knüpfen neuer Kontakte, zahlreiche Events bringen Leute aus allen Richtungen der Bundesrepublik sowie dem Ausland zusammen und sorgen für großen Nachklang in den Printmedien, Blogs und Onlinemagazinen. Wer von uns hat sich noch nie mit der Teilnahme an einem speziellen Event gebrüstet? Wir wissen doch alle, dass solche Fotos auf LinkedIn, Instagram, Twitter und Facebook besonders gut rüberkommen. Wie praktisch! Man lernt interessante Leute (über das Digitale hinaus) persönlich kennen, bringt eventuell Kooperationen auf den Weg UND hat auch noch schöne Bildchen, um die digitalen Kanäle zu füllen. Klingt gut, bringt langfristig aber nicht zwangsläufig viel, weil etwas fehlt: Vielfalt und Kreativität.

Die meisten Events sind themenspezifisch und bringen Leute zusammen, die ähnlich denken, sich mit ähnlichen Schwerpunkten befassen, die gleichen Zeitungsartikel lesen und an die gleichen Orte verreisen. Man kennt einander. Filterblase ist als Begriff seit Jahren bekannt. Man geht zu den Pflichtveranstaltungen. Und fährt mal ein scheinbar kreativer Zug – ein BarCamp, Technik-Event oder Bloggertreffen? – vorbei, so springt man auf den Waggon, von dem man sich etwas verspricht, das war´s. Viele zieht es nach Berlin, andere, die dort bereits etwas erreicht haben, versuchen wiederum (zusätzlich) in anderen Regionen ihr „eigenes Ding“ auf die Beine zu stellen. Ideen gibt es viele, aber. Es ist dieses ABER.

Stadtverwaltungen, die innovativen Unternehmern das Leben unnötig schwer machen und Organisationen, die nur ihr eigenes Süppchen kochen, statt den Standort zu stärken, sind nur ein Beispiel. Jeder möchte etwas erreichen, verlässt seine Komfortzone jedoch nicht. Kreative Köpfe sollen helfen und werden gesucht, doch man sucht falsch.

Wer mehr Kreativität in seinen Teams haben oder selbst inspiriert werden möchte, sollte kreativer in seiner Suche werden und sich mit Menschen befassen, die nicht zu den typischen Events kommen, sondern andere Dinge machen.

Wie wäre es mit Veranstaltungen, die über die üblichen Grenzen hinausgehen? Nicht die Digitalen unter sich, nicht die Künstler und Kulturinteressierten unter sich, nicht die BWLer, Marketingleute oder Geschäftsführer unter sich. Auch das muss es zwar geben, doch ein Gegenentwurf entspricht vielmehr dem, was für die Zukunft notwendig ist. Der Blick muss sich ändern. Hier und da gibt es schon gute Ansätze – Veranstaltungen, die Farbe ins Spiel bringen, die Leute aus einander fremden Bereichen an einen Tisch zusammensetzen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig das ist. Denn überall wird in Zielgruppen gedacht, aber als Community, die deratige Events etablieren oder einen Standort stärken möchte, kann man keine typische Zielgruppe vorweisen. Dafür ist man zu vielfältig. Aus gleichen Gründen ist es anstrengender „Follower“ zu gewinnen und online mit ansprechenden Zahlen zu glänzen. Bleibt zu hoffen, dass diejenigen, die es trotzdem wagen, am Ball bleiben und nicht allzu früh aufgeben. Denn diese Art von Netzwerken wächst zwar langsamer, ist dafür aber umso intensiver und hat letztendlich mehr zu bieten – u.a. Inspiration, Ergänzung und Vertrautheit.

Ohne Kreativität gibt es Stillstand. Man muss Kreativität wachsen lassen und akzeptieren, dass sie Grenzen durchbricht und Brücken baut, wo vorher keine waren. Zukunftsorientierte Vernetzung braucht Kreativität.