Ups! I did it again: das digitale Innovation Culture Camp 2022 

Am 29. Januar 2022 war es wieder soweit: das 3. Barcamp für Innovationskultur, Agiles Mindset, Future Work und Digitalen Wandel, das Innovation Culture Camp 2022, stand dick angestrichen in meinem Terminkalender. Und wie schon fast auf den Tag genau vor ein Jahr hieß es auch 2022: „Wie achten aufeinander. Deshalb diesmal wieder digital.“ Ob es Tom Klose zusammen mit dem Gutenberg Digital Hub in Mainz wieder geschafft hat, ein tolles, virtuelles Barcamp auf die Beine zu stellen …?

Im vorigen Jahr stand noch die bange Frage im Raum:

„Ein digitales Barcamp: wird das funktionieren?“

Mittlerweile sind wir in die Situation, in die uns die Corona-Pandemie gedrängt hat, hineingewachsen. In den vergangenen Monaten haben wir vermutlich alle unzählige Stunden in virtuellen Meetings verbracht und manche haben vielleicht auch virtuelle Barcamps besucht. Wir haben uns mit Zoom oder Teams herumgeärgert, haben nette Leute in Breakout-Sessions kennengelernt und manch einer wird auch sein Technik-Setup optimiert haben. Man könnte sagen, wir sind ein bisschen mehr in eine digitale Rolle hineingeschlüpft.

Doch das bedeutet nicht, dass jedes digitale Event automatisch ein Erfolg wird. Erfolg stellt sich nur ein, wenn man zum einen die Technik beherrscht, ein gutes Orga-Team hinter sich weiß und dann noch alles mit tollen Teilnehmer*innen kombinieren kann. Genau das ist den Macher*innen des Innovation Culture Camp 2022 gelungen.

Moderation und Organisationsteam 

Die Moderation bei diesem Barcamp teilten sich Tom Klose von supernju sowie Nina Wansart vom Gutenberg Digital Hub in Mainz. 

Die beiden haben uns schon im letzten Jahr super relaxt durch den Tag begleitet – und so war es auch diesmal. Zusammen mit einer großen Schar von Helfer*innen vor und hinter den Kulissen. 

Von daher an die vielen dienstbaren Geister bei dem Event (egal, ob man Euch gesehen oder ihr im Hintergrund aktiv wart) an dieser Stelle ein dickes „Dankeschön!“ von mir. 

Nina vom Gutenberg Digital Hub & Tom von supernju

By-the-way: Ich hatte das Glück, den Gutenberg Hub schon mal live erleben zu können und muss sagen: „Wow!“ Da hat die Landeshauptstadt Mainz eine feine Location bekommen. Und das aus dem Zusammenschluss aus regionaler Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichen Institutionen. Einen solchen Inkubator könnte man sich auch in anderen Landesteilen vorstellen. Daher der Tipp an alle, die mal die Gelegenheit haben, dort vorzuschauen: tut es! Es lohnt sich! 

Die Technik beim digitalen Barcamp 

Bei der Technik setzte man auf altbewährtes: Zoom in der Version >= 5.3 und die dort enthaltenen Breakout-Sessions. Frei nach dem Slogan von Adenauer: „Keine Experimente.“ Jedem (!) Sessionraum wurde ein Moderator*in zur Seite gestellt, um bei der Orga zu unterstützen, die Auszeichnung zu starten oder einfach beim Fragen sofort zur Stelle zu sein. Ein Luxus, den man nicht bei jedem Barcamp vorfindet.

Das mag unspektakulär klingen. Aber eine Technik und ein Orga, die nicht in Erscheinung tritt, weil sie schlicht reibungslos funktioniert, hat schon was für sich. 

Was noch?

Wie im Vorjahr gab es auch 2022 eine JobWall beim Innovation Culture Camp, die von den Teilnehmenden fleißig genutzt wurde. Neu hinzu gekommen ist die Teilnehmenden-Wall. Sie soll die altbekannte Lücke von Zoom schließen, da man sich dort weder Vorstellen noch weitere Infos teilen kann.

Beides wurde effektiv mit einem Mural Whiteboard gelöst und zeigt, dass man auch mit einfachen Lösungen die Teilnehmer*innen bei der Vernetzung unterstützen kann.

Die JobWall beim Innovation Culture Camp

Die Überraschung kam schon Vorab per DHL

Ebenfalls wie im Vorjahr konnten sich die Teilnehmer*innen im Vorfeld über ein Überraschungspaket freuen. Mit allem, was das Barcamper-Herz höher schlagen lässt: eine Barcamp-Tasse, Nudeln mit Pesto Rosso für die Mittagspause sowie Energieriegel, Kaffee und Tee für die Pause zwischen durch. Und für die richtig spannenden Sessions war sogar Popcorn mit dabei.

Das Überraschungspaket

Perfekt!

Grußwort von Heike Raab aus der Staatskanzlei

Leider nicht live sondern aus terminlichen Gründen als Video kam der Einspieler von der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, dem Hauptsponsor des Innovation Culture Camp. Staatssekretärin Heike Raab ging in dem kurzen Clip auf die Bedeutung des Barcamps ein und auf den hohen Stellenwert, den das Thema Digitalisierung bei der Landesregierung hat.

Das wichtigste – die Sessions 

Der Sessionplan war diesmal besonders vollgepackt. 34 Sessions (die Yoga-Sessions habe ich hier mal mitgezählt) sorgten für ordentlich Abwechslung & Auswahl. Aber bei mir auch wieder für #FOMA. 

Hier ein kurzer Abriss von den Sessions, an denen ich teilgenommen habe. 

Wie du das Beste in dir, deinem Team und deinem Unternehmen stärkst

Gleich die erste Session war ein (wie ich finde) sehr guter Griff. Dort ging Andrea Kron von kronkonsult der Frage nach, wie man eigene Stärken effektiv nutzen kann. Sei es persönlich, im Team oder im Unternehmen. Denn Innovation ist definitiv kein Selbstläufer!

Den Einstieg in den (leider vielllllllll zu kurzen) Workshop bildeten verschiedene, aktivierende Fragen. Zum Beispiel

So wurden Step-by-step durch die Teilnehmer*innen die Faktoren herausgearbeitet, die dazu beitragen können, dass Menschen und Organisationen ihr volles Potenzial entfalten.

Klasse fand ich die „Kopfstand-Methode“: hier wurde die Fragestellung einfach umgedreht :

„Was kannst Du tun, damit du, dein Team und dein Unternehmen verkümmern?“

Da sprudelten die Ideen auf einmal.

Ein Tipp ist mir noch besonders im Gedächtnis hängengeblieben: das Highlight und das Learning der Woche im Team etablieren.

»BRANDheiß« – 80 Ideen fürs Employer Branding

Allein der provokante Untertitel:

„Fachkräftemangel? Das ist nur ein Mangel an Ideen!“

hat mich gecatcht. Und ich wurde nicht enttäuscht:

In ihrer Session haben Stephan Mallmann und Udo Schüring gleich einen ganz Sack an Ideen mitgebracht und im Warm-up vorgestellt. Und auch wenn es nicht 80 waren (dafür reicht die Zeit einfach nicht): das hat schon Appetit auf die Workshop-Karten und die Innovationsmethode „Reverse Innovation Design“ gemacht.

Besonders toll: es handelte sich um eine „Mitmach-Session“, das heißt die Teilnehmer bekamen eine Aufgabe und mussten sich so in Rekordzeit durch ein Set von Fragen klicken.

Mit der Brille des Chefs einer Spedition blickten wir auf verschiedene Szenarien im Arbeitsalltag der Kraftfahrer und sollten dann rasch Ideen entwickeln. Trotz Zeitnot kam da von den Teilnehmer*innen ziemlicher cooler Input. Und in der Diskussion wurden diese Ideen noch einmal verbessert.

Wenn Ihr mehr von den beiden oder von dem Workshop erfahren wollt: hier zwei hilfreiche Links:

https://www.cleverandersbeliebt.de/

https://www.protransform.org/akademie/reverse-innovation-design/

Stephan und Udo gibt es auch auf die Ohren zum Mitnehmen. In Form eines noch ziemlich frischen Podcasts:

Video-Stellenanzeigen – Authentisch überzeugen durch einen Mix an Information & Emotion 

Dem Udo Schüring bin ich dann auch gleich treu geblieben und ihm zu seiner zweiten Session gefolgt: Video-Stellenanzeigen.  

Der Einstieg zeigte auf, dass althergebrachte Muster, die wir alle zur Genüge kennen, in der heutigen Zeit nicht mehr zum Ziel führen. 

Vielmehr müssen Unternehmen erkennen, dass die Verbesserung ihrer Arbeitgeberattraktivität eine echte Chance darstellt. Nicht nur für neue sondern auch für die bestehende Belegschaft. 

Als Beispiel diente ein Video der Firma Grenke. 

Wenn man sich die Session anschaut, fragt man sich: „Warum gibt es nicht bereits mehr Recruitingvideos?“ Allerdings muss auch „der Rest“ zum Video passen. Sprich: der Bewerbungsprozess muss ebenso digital und auf Augenhöhe sein. 

Insgesamt viele tolle Denkanstöße und Ideen, die in dieser Session von Udo rübergebracht wurden. 

Hier die passende Landingpage zum Thema: https://www.different4u.de/  

Customer first!? ?? Wie können wir unser Wissen über Kund*innen silo-übergreifend besser nutzen?

Mit dieser Session ging Stefan Hoch von Safari Consulting an den Start. Er ging der Frage nach:

„Was wissen die Unternehmen über ihre eigene Kundschaft?“

Sehr schnell wurde klar, dass es sehr viel Wissen im Unternehmen oder auch Konzern gibt. Aber oft wird dieses Wissen nicht oder nur innerhalb des eigenen Silos genutzt.

Dabei ist das Potential enorm! Gerade die Abteilungen mit hohem Kundenkontakt (Marketing, Vertrieb, Produkt und Service) sollten daher alles daran setzen, ihr Wissen zu teilen und mit anderen Abteilungen zu nutzen.

Diese und andere Denkanstöße verwebte Stefan geschickt in einer Customer Journey mit Beispielen aus seiner Praxis.

Ein firmeninternes Barcamp durchführen – eine Austauschrunde

Die letzte Session war kein Vortrag sondern eine Austauschrunde. Und zwar stellten Josia und Hubert von der Süddeutschen Krankenversicherung a.G. ihre Idee vor, ein firmeninternes Barcamp zu veranstalten.

Und da gibt es natürlich unheimlich bei der Orga, der Motivation und der Durchführung zu beachten.

Es begann ein tolle Diskussion, bei der unheimlich viele Ideen, Vorschläge, aber auch Fragen aufgeworfen wurden. Hier ein (nicht vollständiger) Auszug:

  • Nennt es nicht Barcamp sondern OpenSpace
  • Beim ersten Barcamp: ein Teil der Sessions sollte vor bei potentiellen Sessiongebern angefragt werden
  • Gretchenfrage: lieber ein offenes oder ein Themen-Barcamp veranstalten?
  • Wie kann man den Erfolg eines Barcamps messen?
  • Trommeln / Werbung für das Barcamp machen
  • Start small. Kreis dann erweitern.
  • Vorbereitungszeit ist Arbeitszeit.
  • Ein großes Orga-Team einplanen.

Natürlich darf man die Sponsoren nicht vergessen

Im Falle des Innovation Culture Camp ist diese Rubrik – im Vergleich zu anderen Barcamps – recht überschaubar. Es gibt nämlich nur einen Sponsor und das ist – Trommelwirbel! – die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz. Also quasi die Schaltzentrale der Macht in unserem Bundesland.

Na: ein bisschen hatte ich das ja schon zu beginn des Artikels verraten.

Das Engagement  zeigt meiner Meinung nach sehr schön, welchen Stellenwert die Veranstaltung für die Landesregierung besitzt. Von daher – wie es sich gehört – auch in diesem Blogbeitrag ein dickes „Dankeschön“ für die Unterstützung. Formate wie das Innovation Culture Camp sind unheimlich wichtig für unsere Region und die digitale Szene darin.

Fazit

Das war es also, mein zweites Innovation Culture Camp. Wieder rein digital und nach zwei Jahre Pandemie. Und trotzdem habe ich mich auf diesen Samstag am Computer gefreut, habe einen ganzen Tag in Zoom verbracht – und hatte Spaß.

Spaß am Austausch mit Gleichgesinnten, an der Diskussion und daran, etwas zu lernen oder anderen zu Helfen.

Ja, die zwei Jahre stecken uns allen in den Knochen. Und man konnte förmlich fühlen, wie sehr wir uns danach sehnen, uns wieder „Live“ zu treffen. Gemeinsam einen Kaffee oder ein Bier zu trinken. Den anderen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Oder von einem Sessionraum zum nächsten zu hetzen. Den Beamer nicht ans Laufen zu bekommen, weil der Appel-Adapter fehlt.

All diese Kleinigkeiten, die aber in der Gesamtheit ein Event wie das Barcamp erst zu dem machen, was wir so lieben.

Zum Schluss: die Kultur

Natürlich kam auch bei diesem Barcamp die Kultur nicht zu kurz. Zum einen in Form des Graphic Recording durch die unerreichte Yanbo Chen.

Einen Einblick in Ihre Arbeit findest Du hier auf YouTube.

Und als Musik-Act für die After-Show hatte man LIN verpflichtet (hier der Link zu Ihrem Facebook-Profil).

Hat super gepasst (und ein bisschen war man an dieser Stelle auch eifersüchtig auf die Leute, die im Gutenberg Digital Hub live dabei waren). 

Aber hier ist noch ein schönes Video von Lin: 

Du hast noch nicht genug vom Innovation Culture Camp?

Nun, dann können wir Dir noch den Artikel aus dem Vorjahr anbieten. Denn als Wiederholungstäter haben wir uns auch 2021 (wenn auch nur virtuell) beim Barcamp von Tom herumgetrieben und im Nachgang hier im Blog einen Beitrag gepostet. Oder Du wirfst einen Blick in dieses Wakelt: dort sind 288 Posts rund um das Innovation Culture Camp 2022 zusammengefasst.

Smarte Region MYK10: die Gewinner des Ideenwettbewerbs stehen fest

Im September 2021 fiel der Startschuss zum Projekt Smarte Region MYK10. Und kurz darauf schickte man einen Ideenwettbewerb ins Rennen. Der ist nun vorbei und seit dem 22.12.2021 stehen die drei Gewinner fest. Zeit, einen erneuten Blick auf das digitale Projekt der Region Mayen-Koblenz zu werfen.

Modellprojekt Smart Cities

Der Landkreis Mayen-Koblenz will smarter werden. Aus diesem Grund hat sich die Kreisverwaltung bei dem „Modellprojekt Smart Cities 2020“ der Bundesregierung beworben – und den Zuschlag erhalten. Gemeinsam mit 31 anderen Kommunen ist man in der zweiten Staffel des Projekts unter dem Motto „Netzwerke entwickeln. Digital denken. Region leben.“ in eine – hoffentlich – smartere Zukunft gestartet. Das Pilotprojekt hat eine Laufzeit von sieben Jahren und wird vom Bund mit 11,4 Mio. EUR gefördert.

Weitere Informationen zu dem Modellprojekt findest Du hier.

Der Ideenwettbewerb

Nach der Auftaktveranstaltung im September des vergangenen Jahres – siehe unseren Bericht hier im Blog – startete ein Ideenwettbewerb.

Screenshot von der Auftaktveranstaltung MYK10 im September 2021

Einen Monat lang hatten die Bürger*innen im Landkreis Mayen-Koblenz Zeit und Gelegenheit, Ihre eigenen Ideen und Vorschläge zur Verbesserung des Alltags einzubringen. Der Aufruf lautete:

Was ist Ihre Idee für einen „smarteren“ Alltag in Mayen-Koblenz?

Und die Leute machten mit. Fast 70 Vorschläge wurden innerhalb der vier Wochen auf der Projektseite eingereicht.

Der Auswahlprozess

Genauso vielfältig wie die Region waren auch die Vorschläge (die Du übrigens auch jetzt noch einsehen kannst).

Und von vornherein stand fest, dass im ersten Schritt nur drei Ideen sofort in Angriff genommen werden können. Es musste also eine Auswahl getroffen werden.

Im ersten Schritt wurden die eingereichten Ideen von Experten des Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE bewertet. Das macht durchaus Sinn, ist das IESE doch eine anerkannte Autorität rund um das Thema „Digitalisierung ländlicher Regionen und Stadtquartiere“.

Im Anschluss erfolgte dann die eigentliche Diskussion und die Abstimmung in der Lenkungsgruppe der Smart Region MYK10. Diese setzt sich wie folgt zusammen:

  • Kreisvorstand
  • Mitgliedern des Zukunftsausschusses
  • Vorsitzende der Kreisgruppe im Städte- und Gemeindebund
  • WFG-Geschäftsführung
  • Digitalisierungsbeauftragte des Landkreises

And the Winner is …

Und den Weg aufs Siegertreppchen fanden die folgenden drei Projektvorschläge:

Digital erlebbarer Landkreis als erstes Modul der „Smart MYK-App“

Als erster Schritt hin zu einer „Smart MYK-App“ sollen die Stadt-, Wander- und Radewege der Region gebündelt und digital erlebbar gemacht werden. Mit QR-Codes, die in der realen Welt angebracht werden und mit der Vernetzung der Tour mit lokalen Freizeit- und Tourismusangeboten.

Digitale Mitfahrbank

Mit der digitalen Mitfahrbank soll ein Angebot geschaffen werden, das die Mobilität im Landkreis verbessert. Fahrer und Mitfahrer können sich so auf einer Plattform finden und treffen sich an Mitfahrbänken, die mit QR-Codes die Buchung erleichtern.

Digitales Raumbelegungsmanagement

Hier sollen die Anbieter von Raum und die Menschen, die einen Raum benötigen, zusammengebracht werden. Ziel ist es, Raume multifunktional zu nutzen und Leerstände zu minimieren oder Räume wiederzubeleben.

Und jetzt…?

Geht es natürlich mit diesen drei Projekten los! Zu jedem der drei Gewinner-Projekten werden nun sogenannte Lösungswerkstätten stattfinden. Dabei sollen die Projektidee vertieft und – mit Hilfe von professioneller Unterstützung – zur konkreten Lösung weiterentwickelt werden.

Ihr seht: es bleibt spannend bei uns im Landkreis.

Koblenzer Coworking Spaces

Neue Arbeitsformen sind der Renner. NEW WORK gilt als Oberbegriff für den Wandel an Erwartungen im Arbeitsleben. Insbesondere in Berufen, die sich am Computer abspielen, ermöglicht die Digitalisierung ortsunabhängiges Arbeiten.

Coworking zählt zu den Arbeitskonzepten der Zukunft und ist schon heute verfügbar. Was oberflächlich betrachtet als Trend aus den Metropolen abgetan werden könnte, hat nicht zuletzt auf dem Lande großes Potenzial. Kürzlich berichtete der SWR über Coworking Spaces in rheinland-pfälzischen Dörfern. Dort heißen sie „Dorf-Büro“. Was viele nicht wissen: In Koblenz hat man die Wahl zwischen drei Coworking Spaces. Welche das sind und was genau hinter dem Konzept steht? Wir erklären es Euch.

Was ist ein Coworking Space?

„Coworker arbeiten unabhängig und frei voneinander an verschiedenen Projekten, jedoch meist im selben Raum und können sich so gegenseitig ergänzen. Jeder kann von dem Wissen anderer profitieren und so zu kreativen und vielfältigen Ideen kommen. Die Coworking Spaces bieten neben Arbeitsplätzen auch Infrastruktur (wie Netzwerk, Drucker, Besprechungsräume) an und ermöglichen so das eigenständige Arbeiten, aber auch die Bildung einer Gemeinschaft.“ (Quelle: Startplatz)

Nicht nur digitale Nomaden, Freiberufler und kleine Start-ups haben als Coworker die Möglichkeit, zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis einen Arbeitsort für eine mehr oder weniger beliebige Dauer zu mieten. Was dafür spricht?

  • Digitale Nomaden lieben den Ortswechsel und lernen in der Regel gerne die Bewohner der jeweiligen Stadt kennen.
  • Freiberufler sind froh, nicht immer alleine im Homeoffice zu arbeiten, sondern mal unter Leute zu kommen und so etwas wie Arbeitskollegen zu haben.
  • Für Start-ups ist es in erster Linie ein günstiges Büro, doch es bietet ihnen zusätzlich den Vorteil, dass sie sich mit den anderen Coworkern austauschen und von ihnen lernen können. Networking ergibt sich hier von selbst.

In Koblenz scheint sich das neue Arbeitsmodell noch nicht rumgesprochen zu haben. Bisher gibt es hier noch nicht viele Coworker. Vor allem Unternehmensberater und kreativ Tätige, wie Fotografen, Webdesigner und Blogger nutzen die hiesigen Coworking Spaces. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass man an solchen Orten (auch in Koblenz) ganz bestimmte Menschentypen trifft. In der Stadt, die inmitten eines Paradieses aus Vulkaneifel, Hunsrück, Westerwald, Weinbergen, Burgen – also Kultur und Natur gelegen ist, könnt Ihr als Coworker zwischen drei Arbeitsorten wählen. Zwei davon befinden sich in der Koblenzer Altstadt, einer in Uni-Nähe.

Alle hiesigen Coworking Spaces verfügen über WLAN, Drucker und sonstiges Büro-Equipment (Drucken, Kopieren, Scannen ist möglich).

ISSO Coworkingspace

Das ISSO Coworkingspace befindet sich im historischen Dreikönigenhaus in der Koblenzer Altstadt und ist Teil des ISSO-Instituts.

Informationen im Überblick:

  • zentrale Lage, mitten in der Altstadt
  • neue, moderne Räumlichkeiten im historischen Gebäude
  • insgesamt zwei große Räume
  • Monatsmiete: 118 € (inkl. MwSt.).
  • 24/7-Zutritt
  • Laufzeit: ab einem Monat.
  • Küche zur Mitbenutzung; Box für eigenes Müsli oder andere Lebensmittel
  • Kann als Postadresse genutzt werden.
  • Konferenzräume: gegen Gebühr
  • Im ISSO werden regelmäßig Veranstaltungen zu zukunftsweisenden, kulturellen und wirtschaftlichen Themen sowie Seminare, Coachings und eine offene Bühne für potenzielle Gründer geboten.
  • Als Coworker erhält man auf ausgewählte Events Rabatt. Einige Veranstaltungen, wie das MeetUp@ISSO, sind kostenfrei.
  • Im Gebäude befinden sich unter anderem Start-ups aus den Bereichen Webdesign und Grafikgestaltung, die UNICEF-Arbeitsgruppe Koblenz, der BUND, Höhenwind (Windkraft) sowie ein Restaurant.
  • Schwerpunkte: Social Entrepreneurship, Nachhaltigkeit, Lösungsansätze für gesellschaftliche Probleme.
  • Nach Feierabend ein Gläschen Wein? Kein Problem, nur die Treppe runter ins Erdgeschoss ….

Fazit: Wer beruflich im sozialen Sektor tätig ist, sich mit Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein befasst oder schlicht historische Gebäude mit moderner Ausstattung zu schätzen weiß, ist hier genau richtig. Das freundliche und kompetente Team sowie der Flair der wunderschönen Altstadt sorgen für Wohlfühlcharakter. In der Mittagspause kann man das Restaurant im Erdgeschoss besuchen oder wenige Schritte aus dem Gebäude wagen, schon ist man umgeben von schicken Boutiquen, kleinen Fachgeschäften, einladenden Cafés und anderen Lokalitäten.

TechnologieZentrum Koblenz (TZK)

Foto: Manolito Röhr.

Im Coworking Space des TZK herrscht Gründergeist. Es befindet sich im Stadtteil Metternich, schön zwischen Universität und Mosel gelegen und ist Teil des TechnologieZentrums Koblenz.

Foto: Manolito Röhr.
  • Gute Infrastruktur und Parkmöglichkeiten
  • Monatsmiete: 119 € (inkl. MwSt.)
  • Laufzeit: ab einem Monat.
  • modernes Gebäude
  • in direkter Nachbarschaft zur Universität
  • Zuhause zahlreicher Start-ups
  • 24/7-Zutritt
  • Whiteboard, Flipchart
  • Sofa-Ecke
  • Küche zur Mitbenutzung
  • Verschließbare Fächer
  • Konferenzräume: gegen Gebühr
  • Kann als Postadresse genutzt werden.
  • Auch hier finden regelmäßig Events statt. Diese konzentrieren sich insbesondere auf Themen der Gründerszene.
  • Als Coworker lernt man eine Menge Gründer, aber auch bereits erfahrene Unternehmer sowie angesagte Agenturen kennen und erhält Einblick in ihre Arbeitswelt.
  • Die unmittelbare Nähe zu innovativen Unternehmen inspiriert zu neuen Ideen, und es ergeben sich Kooperationen.
  • Jeden Dienstag kommt der italienische Pizzabäcker Mario auf den Parkplatz und bereitet in seinem einzigartigen Fahrzeug frisch vor Ort Pizza nach Wunsch zu.
  • In der Pause oder nach Feierabend genügen wenige Schritte, schon ist man am StattStrand.
Foto: Manolito Röhr.

Fazit: Das TechnologieZentrum Koblenz steht für innovatives Denken. Hier arbeiten Start-ups heiter, aber konzentriert an ihren Zielen. Es herrscht lockere Stimmung, man duzt einander und ist aufgeschlossen. Als Coworker erlebt man mit, dass sich Teams unterschiedlicher Unternehmen gegenseitig unterstützen und kann, wenn man möchte, auch selbst Teil der Gemeinschaft (#tzkfamily) werden. Das TZK ist nicht nur ein Arbeitsort, sondern auch ein Treffpunkt. Manche Mitarbeiter verbringen hier einen Teil ihrer Freizeit. Sie treffen sich an Wochenenden zu Pen&Paper-Spielen oder bieten zum Beispiel Malkurse an.

Sowohl im ISSO als auch im TZK werden Events mit Mehrwert angeboten. Besonders nennenswert ist, dass es sich hierbei um keine Konkurrenten handelt, sondern mehrmals pro Jahr auch gemeinsame Veranstaltungen organisiert werden – zum Beispiel im Rahmen der Startup League. Daher haben wir Euch diese beiden Coworking Spaces genauer vorgestellt. Zum Abschluss möchten wir noch auf ein weiteres Angebot hinweisen.

KOworking

KOworking ist am Florinsmarkt, in der Koblenzer Altstadt, gelegen und ist als Coworking Space aufgrund der Preise eher der gehobenen Art zuzuweisen. Gegründet wurde es von Organisationsberaterin und Coach Iris C. Hartmann und ist das einzige Coworking Space in Koblenz, das einen Tagestarif anbietet.

  • Tagestarif: 35 €/Tag
  • Monatsmiete: 250 bzw. 330 Euro (excl. MwSt)
  • Loungebereich
  • Kann als Postadresse genutzt werden.

Bisher hat niemand aus unserem Team Erfahrungen in diesem Coworking Space gesammelt. Sollte sich das ändern, werden wir die Informationen hier aktualisieren.

Jetzt Ihr!

Was haltet Ihr von dieser neuen Arbeitsform? Habt Ihr schon einmal in einem Coworking Space gearbeitet? Wo war das, und hat es Euch gefallen? Was müsste ein Coworking Space haben, damit es für Euch interessant wird?

Weiterführende Links:

#HRCKO: Das HRcamp Koblenz feierte seine Premiere

Koblenz hat ein neues Event! Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? Welche Erwartungen hat das Personal? Was muss man tun, um Mitarbeiter langfristig zu halten und neue Fachkräfte hinzuzugewinnen? Zu diesen und weiteren Fragen rund um Human Resources kann man sich künftig auf dem HRcamp Koblenz austauschen. Gestern fand die Premiere statt.

Personaler haben kein gutes Image. Deshalb spricht man nicht mehr von der Personalabteilung, sondern von der HR-Abteilung: Human Resources. Das klingt gehoben, hat den Geschmack von Verantwortung und Ansehen. Wie sieht jedoch die Realität aus? Genießen Personaler tatsächlich Wertschätzung? Wie verhalten sich HR-Fachkräfte unter sich, wie ticken sie und mit welchen Herausforderungen haben sie in ihrem Job zu tun? Wir wissen es, denn wir haben das erste HR-Barcamp der Region besucht. Veranstaltet wurde das Event von der IHK Akademie Koblenz. Die Idee, so ein Fach-Barcamp zu organisieren, entstand übrigens auf dem diesjährigen Barcamp Koblenz. Hut ab für die schnelle Umsetzung!

Am besten lassen wir die Teilnehmer selbst sprechen und nehmen Euch hierfür auf eine kleine Reise durch die Tweets zur Veranstaltung mit. Sabine Dyas, Geschäftsführerin der IHK Akademie Koblenz, begrüßte uns alle, und Stefan Evertz moderierte die Veranstaltung. Zu den Hosts des Events gehörte auch seine Frau Katja Evertz.

Die Vorstellungsrunde zeigte, wie viele Teilnehmer*innen aus durchaus unterschiedlichen Bereichen kamen. Obwohl die meisten Anwesenden zum ersten Mal an einem Barcamp teilnahmen, das Format folglich noch nicht recht kannten, hatten sie gekonnt jeweils drei Hashtags vorbereitet und dabei Humor gezeigt. Nach der Vorstellungsrunde und Sessionplanung, begann der erste Sessionblock. Es fanden jeweils drei Sessions parallel statt.

Während beispielsweise Gerrit über das spannende Thema „Employee Advocacy“ sprach und erklärte, wie man eigene Mitarbeiter für Social Media gewinnt, saß ich in der Session „HR ist wie Aquise“ und diskutierte mit allen Teilnehmenden unter anderem über die aktuellen Herausforderungen im Bereich Recruiting. Wer ein negatives Bild von Personalern hat, hätte in dieser Session sitzen müssen, denn eines wurde deutlich: Die Anwesenden machen sich tagtäglich eine Menge Gedanken um das Wohl der Angestellten.

Personalgewinnung scheint insbesondere im ländlichen Raum ein großes Problem darzustellen.

Und wo findet man ITler überhaupt? Ohne Social Media scheint nichts mehr zu laufen, aber obwohl sogar schon auf Instagram gesucht wird, sind ITler schwer auffindbar. Die Frage nach den ITlern entfachte eine kleine Diskussion auf Twitter. Bester Hinweis: Sie sind auf GitHub unterwegs! Das meint auch Katja. Außerdem kam noch dieser Tipp hier:

In der zweiten Sessionrunde ging es mit weiteren Aspekten von Human Resources weiter. Dabei wurde deutlich, dass es HR-Abteilungen wie Sandwichkindern geht. Die Position zwischen Geschäftsführung und Personal ist kein leichtes Spiel. Einer der Tipps, die sich die Anwesenden zur gegenseitigen Unterstützung gaben, lautete: „Wenn man die Mitarbeiter zur Teilnahme am Gesundheitstag oder ähnlichen Aktionen nicht mobilisiert bekommt, hilft es häufig, den Betriebsrat mit ins Boot zu nehmen. Der erreicht die Menschen ganz anders. Das wirkt.“

Wollt Ihr mehr über solche Videos wissen? Hier haben zwei Teilnehmer des HRcamps in der Pause mal kurz darüber gesprochen und es professionell authentisch rübergebracht. Schaut mal:

Aber Ihr wisst schon, Natürlichkeit ist alles.

Mittagspause! #yummy, das war lecker! Doch die Tatsache, dass wir hier so gut wie keine Bilder der leckeren Speisen einbauen können, zeigt, dass auf der Veranstaltung mehr Wert auf Gespräche als aufs Fotografieren gelegt wurde. Das ist ein gutes Zeichen. Netzwerken ist sinnvoll.

 

Alle Sessions zu erwähnen, würde den Rahmen dieses Blogbeitrages sprengen. Wer mehr davon sehen und eventuell auch ganze Gespräche nachlesen möchte, die sich dazu parallel auf Twitter ergeben haben, findet sämtliche Tweets unter dem Hashtag #hrcko.

Feedback zum HRcamp Koblenz gab es anschließend auch.

Und hier unser Feedback. Per Video. Denn diese Möglichkeit gab es vor Ort, und da wir Social-Media-Freaks bekanntlich zum Pferdestehlen sind, konnten wir uns auch diesen Spaß nicht nehmen lassen. 😉

Und damit Ihr nicht nur unsere Meinung dazu kennt, hier auch noch das Feedback von Maren aus Düsseldorf:

Wir bedanken uns für das erste HRcamp Koblenz und freuen uns aufs nächste Jahr.

Lesenswertes zum #HRCKO:

„Startups sind wichtig, um die Region zu beleben“

Diesen Monat findet zum fünften Mal das Koblenzer Startup Weekend statt. Um mehr darüber zu erfahren, haben wir uns im Technologiezentrum Koblenz (TZK) mit zwei wichtigen Köpfen dieser Veranstaltungsreihe getroffen. Markus Maron ist Vorstand des IT.Stadt Koblenz e.V. und Organisator des Startup Weekends. Jan Hagge ist Geschäftsführer des TZK und auch für die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Koblenz tätig. Beim Startup Weekend sitzt er in der Jury.

Herr Maron, warum braucht Koblenz Startups?

Startups sind wichtig, um die Region zu beleben, neue Firmen hervorzubringen, agiler zu werden und ganz neue Arbeitsweisen an den Tag zu legen als es etablierte Unternehmen tun. Startups sind viel schneller in der Entscheidung und Umsetzung als große Firmen, die eher festgefahrene Prozesse haben und nach dem Motto agieren: “Das haben wir schon immer so gemacht”. Daher ist es gut, Firmen zu haben, die binnen kurzer Zeit schon ein Produkt oder einen Prototyp auf den Markt bringen. Warum genau Koblenz das braucht, kann Herr Hagge als Fachmann für Wirtschaftsförderung und Geschäftsführer des Technologiezentrums bestimmt viel besser erklären.

 

Herr Hagge, kann die Region mehr Startups gebrauchen und würden auch etablierte Unternehmen davon profitieren?

Sicherlich. Zum einen braucht es neue Startups, weil jedes Traditionsunternehmen, das es heute irgendwo gibt, früher mal ein Startup war. Es gibt nicht mehr viele große Unternehmen, deren Gründer noch leben. Die meisten Unternehmen haben schon eine lange Historie, daher ist es sinnvoll, den Gründergeist wieder zu beleben. Das ist eine Bewegung, die in ganz Deutschland und Europa befürwortet und gefördert wird. Daher möchten wir das auch in Koblenz machen und die Gründe dafür hat Herr Maron ganz richtig genannt. Neue Methoden erlernen, neue Themen aufsetzen, neue Geschäftsmodelle entwickeln – all das kann in einem neuen Unternehmen realisiert werden. Allerdings kann man alles, was man beim Startup Weekend lernt, auch in einem bestehenden Unternehmen umsetzen, um dort neue Projekte zu entwickeln. Das ist ein Hauptaspekt, der eine besondere Stärke des Startup Weekends darstellt. Aus einer vagen Idee oder bestehenden Problemstellungen entsteht am Ende ein in sich geschlossenes, funktionierendes Modell von einem Unternehmen oder einer Geschäftsidee.

 

Spielt diese positive Energie nicht insbesondere im Hinblick auf Recruiting eine große Rolle für die bestehenden Unternehmen?

Maron: Ja, ich denke, das ist mit ein Grund dafür, dass uns beispielsweise die Debeka unterstützt. Hier im Gebäude gegenüber des TZK soll das DICE – Debeka Innovation Center – eröffnet werden. Damit möchte man sich auch attraktiver für zukünftige Mitarbeiter machen und nicht nur Versicherer, sondern auch innovativer Arbeitgeber sein.

Hagge: Immer mehr Menschen suchen Arbeitsplätze mit nicht vorgegebenen Arbeitsstrukturen. Beim Gründungsthema geht es nicht darum, Leute aus der Arbeitslosigkeit herauszuholen oder sie davor zu bewahren. Es sind oftmals sogenannte High Potentials, die auf dem etablierten Arbeitsmarkt sehr gute Aussichten hätten, aber den Drang dazu verspüren, etwas Neues zu erschaffen. Diejenigen achten auf das Arbeitsumfeld und wollen sich die Aufgaben selbst aussuchen. Welche Möglichkeiten habe ich? Welche Firmenphilosophie wird vertreten? Das sind Fragen, die sie sich stellen. In der Startup-Welt sind viele Themen vertreten, die heute auch große Unternehmen im Sinne von Arbeitskultur aufgreifen wollen.

 

Beim Thema Startup denken die meisten an Metropolen, nicht zuletzt an Berlin. Warum sollten Gründer ihre Idee in Koblenz realisieren und aufbauen?

Hagge: Das kommt auf den Zielmarkt an. Koblenz hat eine sehr diversifizierte wirtschaftliche Landschaft und ist jetzt schon eines der stärksten Wirtschaftszentren in Rheinland-Pfalz, vor allem ohne den Fokus in einem einzigen Bereich. Eine breit aufgestellte Wirtschaftslandschaft mit einer sehr guten Mittelstandsbasis ist hier ein großer Vorteil. Wenn man also mit seinem neuen Unternehmen auf Firmenkunden abzielt, dann findet man hier sehr gute Voraussetzungen. Berlin hat andere Stärken. Die dortigen Startups sind häufig im Endkundenbereich angesiedelt und erfahren starke Finanzierung. Doch einer der Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands ist, dass wir nicht diese zentralisierten Strukturen, sondern starke Regionen haben, die ihre eigenen Identitäten aufweisen. Das ist auch in Koblenz der Fall.

Maron: Ich denke, es kommt auch darauf an, worauf man abzielt. Startup gründen, Finanzierung bekommen und dann schneller Exit? Dann ist man in Berlin oder einer anderen Metropole besser aufgehoben, weil es dort vielmehr Investoren gibt. Wenn man aber ein Startup aufbaut, um langfristig auf dem Markt zu bleiben, dann geht das hier besser, weil man hier mehr potenzielle Kunden zur Verfügung hat.

 

Sie beide setzen sich sehr für die hiesige Startup-Landschaft ein. Welche Unterstützung könnte unsere Region noch gebrauchen? Was fehlt?

Hagge: Wenn man mit erfolgreichen Gründern aus der Region spricht, gibt es immer wieder gute Argumente für die Vernetzung mit Gründern aus anderen Regionen. Andernorts, wie beispielsweise in Frankfurt, ist das Angebot an Veranstaltungen mit hervorragenden Speakern größer. Es wäre schön, wenn auch wir die Mittel hätten, deutschlandweit interessante Speaker hierher einzuladen, um auch fortgeschrittenen Unternehmern spannende Formate bieten zu können.

Maron: Und da wäre noch der Aspekt “Investoren”. In der Region gibt es viele Menschen, die als Investor tätig sein könnten, aber eventuell nicht wissen, dass es hier Startups gibt, die sich auch über einen vergleichsweise kleinen, fünf- oder sechsstelligen Betrag freuen würden. Gerade am Anfang braucht man ja relativ wenig Geld. Hier findet man eine gute Infrastruktur vor, aber man braucht Geld, um seinen Lebensunterhalt finanzieren zu können. Dann lässt sich auch eine Unternehmensidee verwirklichen. In der Region gibt es viele, die Geld haben und auf dem Kapitalmarkt nichts für ihr Geld bekommen. Diejenigen müsste man mit den Startups zusammenbringen.

 

Warum organisieren Sie das Startup-Weekend?

Maron: Als ich damit anfing, Veranstaltungen für Startups zu organisieren, gab es zwar schon das TZK, aber spezielle Events fanden nicht statt und das ISSO existierte noch nicht. Die Startup-Community in Koblenz war sehr überschaubar. Das fand ich sehr schade und wollte es ändern. Startup Weekends fanden auch in anderen rheinland-pfälzischen Städten statt, gefördert vom Land. Für mich war das ein Antrieb so etwas auch in Koblenz auf die Beine zu stellen, um eine Community zu fördern. Die Leute sollten sich treffen, miteinander austauschen und vernetzen.

 

Was genau ist das Startup Weekend und für wen könnte es interessant sein?

Maron: Beim Startup Weekend handelt es sich um ein weltweites Veranstaltungsformat. Unterstützt wird es von Google for Entrepreneurs und hat bereits in über 1000 Städten stattgefunden. Wir haben 2014 damit angefangen. Es kommen Gründungsinteressierte zusammen, ganz egal welchen Alters und unabhängig davon, ob sie bereits eine Idee haben oder nicht. Wer Spaß daran hat, etwas gemeinsam mit anderen umzusetzen – ob als Programmierer, BWLer oder aus einem ganz anderen Bereich – ist da genau richtig. Manche kommen bereits mit einer Idee und suchen Leute, um ein Team aufzubauen und 54 Stunden lang an der Idee und Umsetzung zu arbeiten. Am Ende des Wochenendes stellen sie ihre Idee ein weiteres Mal vor, nämlich das, was in der Zwischenzeit daraus geworden ist. Eine Jury entscheidet darüber, welche Ideen am besten sind. Diejenigen erhalten dann Preise.

Hagge: Das Ganze wird innerhalb der 54 Stunden von Mentoren begleitet. Sie stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Es sind Experten aus unterschiedlichen Bereichen, zum Beispiel Gestaltung, Technologie oder Wirtschaft, aber auch Unternehmerpersönlichkeiten, die sich dem Gründungsgedanken verbunden fühlen. Wir haben mittlerweile ein gutes Netzwerk aus Unterstützern.

 

Sie sitzen in der Jury, Herr Hagge?

Hagge: Ich bin Jurymitglied, ja.

 

Ist es schön, am Ende die Ergebnisse zu sehen?

Hagge: Ja, definitiv. Denn am Anfang ist völlig unklar, welche Ideen tatsächlich kommen werden, welche Teams entstanden sind und welche Potenziale darin erkannt werden. Der große Knackpunkt an der Sache ist, die am Startup Weekend entstandene Energie fortzuführen, also die Gründerteams dazu zu bewegen, dass sie in der Form und mit dem Gedanken weitermachen. Denn viele von ihnen kannten sich vorher gar nicht. Dann gewinnen sie einen Preis und haben die Möglichkeit, mehr daraus zu machen. Aber wie hält man sie an der Stange? Das ist übrigens ein Thema, warum auch Martin Görlitz Jurymitglied ist und mit ISSO die Gewinner unterstützt. Auch wir vom TZK stellen dem Siegerteam bestimmte Strukturen und konkrete Leistungen zur Verfügung, damit es die Möglichkeit hat, weiterzumachen und die Unternehmensgründung zu realisieren.

 

Ist Ihnen aus den vergangenen Jahren eine nennenswerte Story in Erinnerung geblieben? Ein besonders erfolgreiches Team?

Maron: Grundsätzlich ist es jedes Mal schön zu sehen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Spaß an der Sache haben und am Ende auch dankbar für diese Erfahrung sind. Im ersten Jahr hatten wir hier ein Team, das einen Foodtruck auf die Straße bringen wollte und mit Hilfe der Mentoren die notwendige Finanzierung erhalten hat. Die Teammitglieder waren so dankbar, dass sie ein oder zwei Jahre später als Sponsor zum Startup Weekend kamen und an einem Tag die Burger umsonst ausgegeben haben. Ein anderes Team mit Studenten von der WHU hatte zuerst hier, dann auch bei anderen Wettbewerben gewonnen und ist schließlich nach Berlin gegangen.

 

Wo wird das diesjährige Startup Weekend stattfinden und wann?

Maron: Dieses Jahr findet es hier im TZK statt. Es geht los am 19. Oktober um 17 Uhr und endet am Sonntagnachmittag etwa gegen 17 oder 18 Uhr.

Hagge: Der Veranstalter des Startup Weekends ist der IT.Stadt Koblenz e.V., aber bei den Organisatoren handelt es sich um die Startup League Koblenz. Das sind mehrere Mitglieder von einzelnen Institutionen, die sich zum Thema Gründungsförderung zusammengefunden haben: die IHK und die HwK, das ISSO als private Stiftung zu diesem Thema, das Technologiezentrum Koblenz (TZK), die Wirtschaftsförderung der Stadt Koblenz, der IT.Stadt Koblenz e.V. und die Wirtschaftsjunioren. Außerdem das Gründungsbüro der Universität Koblenz und die WHU Otto Beisheim School of Management. Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Bei den meisten dieser Partner durften wir bereits das Startup Weekend veranstalten und diesmal findet es zum zweiten Mal bei uns im TZK statt.

 

Kann man sich noch anmelden?

(beide erfreut)

Maron: Selbstverständlich.

Hagge: Definitiv.

 

Wir danken für das freundliche Gespräch und sind gespannt auf das Event.

Weitere Informationen zum Startup Weekend 2018 findet Ihr hier.