Blockchain – Hype oder Innovation?

Kein Pitch, in dem dieses Wort fehlt. Kein Startup, das nicht eine Lösung damit plant. Keiner Technik wird soviel zugetraut wie ihr. Gleichzeitig ist keine so geheimnisumwittert. Wenn es in den letzten Jahren ein Buzzword der Gründerszene gegeben hat, dann ist es die Blockchain. Ihr traut man (fast) alles zu. Sie kann die Welt aus den Angeln heben. Aber nur wenige wissen wirklich, was hinter dem Wort steckt – und wie man die Technik sinnvoll einsetzen kann …

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Die Macher des Events

Als ich hörte, dass IT Stadt Koblenz einen Vortrag zu dem Thema Blockchain organisiert, war ich sofort Feuer & Flamme. Wann hat man schon die Gelegenheit, das eigene Wissen zu einer solch sagenumwobenen Technologie aus erster Hand zu erweitern? Eben!
Das Ganze fand am 28.11.2018 in den Räumlichkeiten des Technologiezentrums (TZK) Koblenz statt. Zu dem Event hatten – neben der IT Stadt Koblenz  – die Gesellschaft für Informatik e.V. sowie das Netzwerk ITK & Neue Medien (IHK Koblenz) eingeladen.
Und man hatte kompetente Vortragende für den Abend verpflichtet:
Maximilian Weigel (CTO) und Holger Heinz, beide von Blocklink AG Koblenz (hier der Link auf die Website). Wie der Firmenname schon verrät: dieses noch junge Startup aus Koblenz weiß, was Blockchain ist – und wie man sie einsetzen kann.

Vortrag im Technologiezentrum

Zu dem Vortrag im TZK hatten sich rund 45 Interessierte eingefunden. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden der IT Stadt Koblenz, Ralph Brubach, ging es „ans Eingemachte“.

Einem größeren Publikum bekannt geworden ist die Blockchain vermutlich im Jahr 2008, als die digitale Währung Bitcoin von sich Reden machte. Und hier liegen auch – irgendwie – die Wurzeln: es geht bei der Technologie darum, eine zuverlässige Aufzeichnung von Dingen zu etablieren und zu gewährleisten. Die Blockchain stellt dabei sicher, dass die Daten nicht verändert werden und auch, dass die Daten für alle Verfügbar sind.

Man spricht dabei von einem Konsens innerhalb des Netzwerks. Dieser Konsens ist auch einer der Hauptunterscheidungsmerkmale zu „klassischen“ Datenhaltungen: es gibt keine zentrale Stelle, keinen „Admin“ oder ähnliches, der als letzte Autorität fungiert. Das System (oder die Mehrheit im System) stellt die Richtigkeit von Daten & Transaktionen fest und garantiert deren Integrität. Dabei ist das Design der Blockchain so aufgebaut, das sowohl die Daten selbst als auch die Transaktionen in der Blockchain gespeichert werden. Kryptographie stellt dabei sicher, dass keine Manipulationen vorgenommen werden können (oder nur mit einem Aufwand, der ein solches Unterfangen von vornherein sinnlos werden lässt).

Fazit

Die Fragen aus dem Publikum zeigten, dass das Interesse am Thema Blockchain groß ist. Sie machten jedoch auch deutlich, dass Vertrauen in die Blockchain erst noch aufgebaut werden muss. Mit Interesse wurden dabei die Bemühungen der öffentlichen Hand – beispielsweise in Schweden – zur Kenntnis genommen.

Darum schließt dieser Artikel mit einem Zitat aus dem Vortrag von Maximilian: „Die Chancen und die Probleme sind gewachsen.

Recap zum Barcamp Rhein-Main 2018 in Wiesbaden

Es gibt mittlerweile eine große Anzahl von Barcamps allein in Deutschland. Und die Liste wird jedes Jahr länger. Doch man muss Realist bleiben: man kann einfach nicht alle besuchen. Darum konzentriert man sich oft auf die eigene Region. Koblenz, Bonn und vielleicht noch Köln kommen einem da zunächst in den Sinn. Doch auch südlich von uns tut sich was: zum Beispiel beim Barcamp Rhein-Main. Interessanterweise ein Barcamp ohne festen Heimathafen. Und eines, dass in diesem Jahr zu einem Jubiläum eingeladen hat … 

In diesem Jahr fand das Barcamp wieder einmal in Wiesbaden statt. Und weil sich bei unseren „südlichen Nachbarn“ auch jemand von Koblenz Digital zeigen sollte, habe ich mir das für den 24.11.2018 auf die Fahnen geschrieben.
Das war übrigens bereits mein zweiter Besuch beim #BCRM. Die erste Stippvisite fand schon 2016 statt. Aber das könnt Ihr in diesem älteren Blog-Artikel nachlesen.

Barcamp – was war das noch gleich…?

Wenn jetzt einige ein Fragezeichen auf der Stirn stehen haben und nicht wissen, was ein Barcamp ist: einfach zum Ende dieses Artikels scrollen: dort habe ich die wichtigsten Punkte zur Fragestellung „Was-ist-ein-Barcamp?“ und wie funktioniert es, zusammengefasst.

Alle anderen können gleich hier in den Recap zum Barcamp Rhein-Main 2018 einsteigen.

Über das BarCamp Rhein-Main

Das Barcamp Rhein-Main feierte in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag. Und zumindest ein Teil der rund 200 Teilnehmer war wohl auch als Gratulant unterwegs nach Wiesbaden, um diesen runden Geburtstag zünftig mit einem tollen BarCamp zu zelebrieren.

Die Macher hinter dem Barcamp sind im Verein zur Förderung der Netzkultur im Rhein-Main-Gebiet e.V. organisiert. Weitere Infos findet Ihr auf deren Website. Ist interessant, weil die Macher noch weitaus mehr auf der Agenda haben als „nur“ diese Un-Konferenz.

Das Barcamp Rhein-Main ist – anders als beispielsweise das Koblenzer Barcamp – nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Vielmehr geht es munter durch das gesamte Rhein-Main-Gebiet. Stationen waren bisher

  • Mainz (2009)
  • Darmstadt (2010)
  • Mainz (2011)
  • Wiesbaden (2012)
  • Dieburg (2013)
  • Frankfurt (2014)
  • Bingen (2015)
  • Wiesbaden (2016)
  • Offenbach (2017)
  • Wiesbaden (2018)

Weitere Infos – sowohl zu kommenden aber auch zu den bereits vergangenen Veranstaltungen – findet Ihr auf der Website des Barcamps Rhein-Main.

Die Location: Akademie der R+V-Versicherung

Das Barcamp Rhein-Main fand in diesem Jahr in den Räumen der Akademie der R+V-Versicherung statt. Der Campus liegt südöstlich vom Stadtzentrum Wiesbaden. Von Koblenz ist man in knapp einer Stunde vor Ort.

Zur Location selbst nur ein Wort: Cooooooooooooool. Kann man nicht anders beschreiben. Werft einfach mal einen Blick auf die Website der R+V-Versicherung: dort gibt es einen virtuellen Rundgang durch den Campus!

Der Campus der R+V hat einen Fläche von rund 600 m², ist mit modernster Seminartechnik ausgestattet, gerade mal ein Jahr alt und darum auch super geeignet als Location für ein Barcamp.

Die erste Session: Quora

Bei der ersten Session gleich eine Überraschung: da gibt es einen neuen Service im Web, von dem ich in meiner Filterblase noch nichts gehört habe!

Erschreckend. 🙂

Quora wurde uns quasi aus erster Hand vorgestellt – und zwar von Kersten Ewelt. Sie ist Head of Marketing bei Quora. Kersten verfügt aus diesem Grund über tiefes Hintergrundwissen zu allen Themen rund um Quora – gerade mit Blick auf die deutschsprachige Community. Hier der Link auf Ihr Profil.

Wenn es Dir so geht wie mir und Du bisher nichts mit dem Namen anfangen kannst: Quora ist ein digitaler Auskunftsdienst. Dabei soll den Nutzern auf beliebige Fragestellungen eine (hilfreiche) Antwort gegeben werden. Die Antworten sind dabei auch untereinander verknüpfbar: so kann – ähnlich wie zum Beispiel in der Wikipedia – von einem Thema oder Artikel zum nächsten surfen.

Interessant war bei dieser Session der Blick hinter die Kulissen:

  • Wer hat das Unternehmen gegründet?
  • Wie ist man vorgegangen?
  • Welche Herausforderungen haben sich gestellt (oder bestehen immer noch)?
  • Und wie unterscheidet sich der neue Dienst von anderen Anbietern?
  • Welche Maßnahmen werden ergriffen, ob die Qualität der Antworten auf einem hohen Niveau zu halten?

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Ich für meinen Teil bin durch diese Session so neugierig geworden, dass ich mir einen Account angelegt habe und mir Quora genauer anschauen werde.

Slot Nummer zwei: Was kommt nach Twitter, Facebook und Co.?

Für Suitbert Monz, der diese Session angeboten hat, war es quasi ein Heimspiel: schließlich ist er Social Media Manager bei der R+V Versicherung. Auf dieser Seite hier beschreibt er sich kurz selbst.

Passend zum Aufgabengebiet von Suitbert ging es bei ihm um einen Blick auf die „alternativen“ Social-Media Anwendungen und Netzwerke. Der Bogen wurde dabei in den 45 Minuten vom Status Quo der aktuellen Netzwerke über die bisherige Entwicklung der neuen Anwendungen bis hin zu derzeit verfügbaren Alternativen gespannt. Natürlich wurde auch beleuchtet, warum die großen Netzwerke überhaupt Plattformen bereitstellen und das diese auch unterhalten – sprich: bezahlt – werden müssen. Mit Werbung oder mit den Daten der Nutzer.

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Mastodon, Pixelfed, PeerTube, GitPub, und und und. Es gab so gut wie keine alternative Social-Plattform, die nicht zumindest erwähnt wurde.
Mitgenommen habe ich bei dieser Session, dass sich für den Einstieg in diese Materie vielleicht ein Blick auf die Seite https://fediverse.party/ lohnen könnte (nur so als Tipp).

Mittagspause

Essen hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Und bei einem so interessanten Programm wie beim Barcamp Rhein-Main muss natürlich für Nachschub gesorgt werden. Pünktlich zur Mittagspause gab es eine indische Linsensuppe, Nudeln mit Bolo und Salat mit vaganem Dressing.

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Session Nr. 3: Wieso Israel so innovativ ist

Frisch gestärkt ging es in Runde drei mit Kersten von quäntchen + glück, der in seiner Session der Frage auf den Grund gegangen ist, warum Israel so innovativ ist. Diese Frage habe ich mich auch manchmal schon gestellt, da zum Beispiel beim Thema Innovation das kleine Israel meist in einem Atemzug mit den USA genannt wird.

Spannende Geschichte: am Anfang stand (neben der Idee) eine einfache Anfrage im Web.

Und dann ist Kersten mit seinen Kollegen einfach runter nach Tel Aviv geflogen und hat sich dort mit Einheimischen getroffen. Ziel war es, in direkten Gesprächen herauszufinden, wie die Israelis „ticken“. Warum die Innovationen in dem Land am Mittelmeer schneller voran kommen als bei uns – und was wir davon lernen können.

Ein paar der „Warums“ habe ich per Live-Twitter mitgepinnt:

Fand ich eine wahnsinnig spannende Idee, bei der ich auch gern dabei gewesen wäre.

Session Nr. 4: Ortsunabhängiges Arbeiten

Mit Silke Vogel von Vogel Design ging es dann ab in den Süden. Genauer: nach Indien. Denn Silke hat das ortsunabhängige Arbeiten für sich entdeckt. Sie berichtete von den Anfängen, den „Einstieg“ in das Arbeiten ohne festes Büro – bis hin zu den einzelnen Stationen auf dem Erdball.

Da ist man ein paar mal neidig geworden (vor allem, wenn man nach draußen geschaut hat und sich das trist-graue Herbstwetter in Wiesbaden anschauen musste).

Session Nr. 5: Über inkrementelle Innovation zu echter (Corporate-) Innovationskultur. Macher-Session inklusive *Hacks* für den Alltag

Die (für mich) letzte Session hat Anna Scheffold von der Digitalagentur Unterschied & Macher gehalten. Nicht von dem sperrigen Titel einschüchtern lassen – gerade bei den Hacks waren viele gute und praktisch auch umsetzbare Denkanstöße dabei.
Diese Session ist übrigens aufgezeichnet worden, d.h. Ihr könnt Euch Anna und Ihren Vortrag auf YouTube anschauen.

Die Slides des Vortrags sind ebenfalls im Web verfügbar:

Wie immer: Fotos!

Auch in diesem Jahr habe ich wieder einige Bilder bei der Veranstaltung gemacht (insgesamt 128). Wer sich die anschauen möchte: hier ist der Link auf das Album bei flickr.

Mein Fazit

Das Barcamp Rhein-Main war und ist ein Reise wert. Besonders gut hat mir die Location gefallen: der R+V Campus bietet sich gerade zu für solche Formate an! Ansonsten: gewohnt gute Organisation (da merkt man, dass die Macher bereits 10 Jahre auf dem Buckel haben) und da lässt man sich auch nicht mehr aus der Ruhe kriegen.
Von daher kann ich nur sagen: wenn es terminlich passt bin ich nächstes Jahr wieder dabei.

Last-but-not-least: Danke an die Sponsoren!

Ein Barcamp ist ohne Sponsoren sehr viel schwerer (oder unter Umständen gar nicht) realisierbar. Zumindest würde eine solche Un-Konferenz für die Teilnehmer deutlich teurer werden. Aus diesem Grund gebührt den Sponsoren eines solchen Events der besondere Dank der Barcamp-Besucher.

Umgekehrt können natürlich auch die Sponsoren selbst gewinnen:

Durch das Sponsoring wird ein positives und weithin sichtbares Statement des Unternehmens oder der Marke gesetzt.

Man erreicht Teilnehmer mit einer hohen Reichweite in den unterschiedlichen Social-Media-Kanälen. Positive Erwähnungen können so enorme Reichweite entwickeln, was gerade im Bereich Markenaufbau hilfreich sein kann.

Das Unternehmen hat die Gelegenheit, eigene Mitarbeiter am Barcamp teilnehmen zu lassen, die so zum Beispiel von den unterschiedlichen Session profitieren können.
Unternehmen und Marken können einem breiten Publikum die eigene Kompetenz aufzeigen, indem selbst Sessions vorbereitet und durchgeführt werden.

Nicht zu unterschätzen ist dabei auch die Eigendarstellung als Arbeitgeber: Barcamps können auch als Event für das Recruiting in einer wichtigen Zielgruppe gesehen werden.
Leicht übersehen wird auch die Chance, über die Teilnehmer an einem Barcamp neue Kontakte zu potenziellen Geschäftspartnern oder Kunden herzustellen, auch wenn das Barcamp nicht mit einer Vertriebsveranstaltung verwechselt werden sollte. Aber allein der Networking-Faktor ist enorm!

Last-but-not-least zeigt ein Unternehmer durch das Sponsoring, dass man sich bei lokalen Events Engagement zeigt. Und dieser Einsatz zeigt – im Gegensatz zu manchen anderen Formen des Sponsoring – unmittelbare Wirkung und stellt auch den direkten Zusammenhang zur eigenen Marke her.

Und darum: Danke an die Sponsoren!

Da Du jetzt weißt, warum Sponsoren so wichtig sind, folgt jetzt auch mein konkretes „Dankeschön“ an die Sponsoren des Barcamps Rhein-Main 2018: Danke! Das war ein tolles Event!

Und gleich auch noch eine Bitte: macht weiter so! Seit im nächsten Jahr wieder dabei und helft mit, die Idee des Barcamps ins Land hinaus zu tragen!

ginco

ginco entwickel Strategien für eine integrierte und digitale Kommunikation: Von der Beratung über Konzept, Design und Entwicklung verbindet man so alle relevanten Medien – plattformübergreifend.

LindenKaffee

LindenKaffee ist ein junger und innovativer Kaffeeanbieter mit Sitz in Frankfurt. Liebe zum Kaffee, die Zufriedenheit der Kunden und vor allem das Thema Nachhaltigkeit stehen auf der Agenda des Unternehmens ganz oben!

R+V

Die R+V Versicherung ist einer der größten Versicherer Deutschlands für Privat- und Firmenkunden. Sie gehört zur Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. Und natürlich war die R+V in diesem Jahr der Gastgeber, denn das Barcamp Rhein-Main fand in den Räumlichkeiten der R+V-Akademie in Wiesbaden statt!

netz 98

netz98 ist größter deutscher Magento Enterprise Solution Partner. Von Mainz aus realisiert die agile Magento-Agentur anspruchsvolle Onlineshops, E-Commerce-Plattformen und Digitalisierungsprojekte im B2C und B2B.

AOE

AOE ist führender globaler Dienstleister für Digitale Transformation und Digitale Business Modelle. Dabei setzt das Unternehmen aus Wiesbaden ausschließlich auf etablierte Enterprise Open Source Technologien. So entstehen in agilen Softwareprojekten innovative Lösungen, digitale Produkte und Portale, die zu langfristiger strategischer Zusammenarbeit mit unseren Kunden führen.

mediaman//

Wenn es um den digitalen Wandel geht ist die Agentur mediaman aus Mainz nicht weit. Mit mehr als 130 Mitarbeitern arbeitet man dort seit mehr als 20 Jahren an der Entwicklung neuer Internetstrategien, der Transformation von Geschäftsprozessen und der Gestaltung von User-Experience der Extraklasse.

HessenAgentur GmbH

Die Hessen Agentur ist eine Dienstleistungsgesellschaft des Landes Hessen. Sie setzt Projekte, Kampagnen und Förderprogramme des Landes um und fungiert dabei immer mehr auch als Berater und „Thinktank“. Ziel der Gesellschaft ist es, die zukunftsorientiert Positionierung des Bundeslandes Hessen im nationalen und im internationalen Wettbewerb zu fördern und damit zur nachhaltigen Entwicklung des Standortes Hessen beizutragen.

Was ist ein BarCamp?

Lustigerweise hört man diese Frage immer noch (was man als eifriger Barcamp-Besucher gar nicht verstehen kann). Trotzdem: auch dieser Artikel soll zumindest eine kurze Beschreibung beinhalten. Als Barcamp – hin und wieder hört man vielleicht auch den Namen „Un-Konferenz“ – bezeichnet man eine sich selbst organisierende Tagung. Dabei werden offene Workshops, deren Inhalte erst beim Beginn der Veranstaltung durch die Teilnehmer selbst festgelegt werden, zu einem Programm zusammengestellt. Die genauen Themen und der Verlauf sind somit offen, während manchmal ein „Oberthema“ vom Veranstalter vorgegeben wird.
Die Möglichkeiten eines Barcamps sind dabei weit gestreut: von reinen Diskussionsrunden ober Programmierworkshops oder einfach dem Austausch von Gleichgesinnten ist alles drin.

Moment: so ein Barcamp funktioniert wirklich…?

Wie jetzt … ? Das Programm wird erst vor Ort, am Tag des Events, aufgestellt? Wie soll das funktionieren? Da habe ich ja gar keine Steuerungsmöglichkeit?
Gerade Menschen, die bisher „klassische“ Konferenzen besucht haben, können sich im ersten Moment nur schwer vorstellen, das eine „Un-Konferenz“, ein Barcamp, tatsächlich funktioniert. Auch Neueinsteiger sind im ersten Moment vielleicht verwirrt oder vermissen die sicheren Leitplanken eines vorgegebenen Programms. Aber gerade diese Unsicherheit schwindet in den meisten Fällen sehr rasch dem Aha-Erlebnis, wenn man versteht, wie ein Barcamp tickt. Und das dieses Konzept in der Praxis wirklich funktioniert. Der Moderation, dem Speaker, dem Gesicht des Barcamps, kommt daher bei der Begrüßung und der ersten Stunde ein hoher Stellenwert zu. Er (oder sie) muss das Eis brechen und die ersten, wichtigen Programmpunkte des Barcamps souverän über die Bühne bringen, die da wären:

  • Begrüßung
  • Organisatorisches
  • Vorstellungsrunde aller Teilnehmer
  • Sessionplanung

Spätestens bei der Vorstellungsrunde geht dann meist ein Raunen durch die Menge. 100 oder gar 200 Leute sollen sich vorstellen? Wie lange soll das dauern? Die Antwort: nicht so lange, wie man denkt. Name, Twitter-Account und drei Stichworte oder Hashtags – der Nächste bitte. Natürlich erwartet niemand, dass man sich jetzt die 199 anderen Personen merkt. Das Ganze ist einfach nur ein Eisbrecher – und soll auch ein bisschen das Lampenfieber nehmen. Beides gelingt mit der Vorstellungsrunde sehr gut!

Sind alle aufgewärmt, startet die Sessionplanung. Sie bildet das Programm des Tages und besteht aus Zeitblöcken von (in der Regel) 45 min für einen Programm und 15 min für den Wechsel. Die Anzahl der parallel möglichen Sessions ergibt sich den zur Verfügung stehenden Räumen. Aus diesen Vorgaben ergibt sich ein Raster, dass nun durch die Teilnehmer mit Leben gefüllt werden muss. Jeder, der möchte, meldet sich und kann seinen Vorschlag für ein Session dem Publikum vorstellen. Das können Workshops, Diskussionen, Vorträge, oder was auch immer sein. Finden sich genügend interessiert, wird der Vorschlag in den Sessionplan aufgenommen. Je nach Resonanz wird dabei gleich Vorschlägen mit vielen Interessierten ein möglichst großer Raum zugewiesen, anderen halt ein kleiner. So wächst nach und nach der Plan an, bis alle Slots vergeben sind und das Programm steht.

Soviel zum allgemeinen Drumherum eines Barcamps.

Abend der Innovation bei der Debeka

Der Hackathon „Hackquarter“ der Debeka ging am vergangenen Wochenende in die dritte Runde und mehrere Gruppen entwickelten neue App-Ideen und schlaue Konzepte im Bereich Insurtech. Alexandra und ich haben am Samstagabend vorbeigeschaut zum Abend der Innovation, wo ein Vortragsprogramm im lockeren Rahmen angeboten wurde.

Angenehm war, dass mit Paul Stein ein Vorstand der Versicherung Präsenz zeigte und das Intro machte. Man sieht, dass Startup- und Innovationskultur auch in der oberen Führungsebene einen hohen Stellenwert besitzt.

Wie wird der Tanker effizient und flexibel?

Mein persönliches Highlight war der Vortrag von Marc Wagner von der Detecon (Consulting-Tochter der Deutschen Telekom) zum Thema New Work. Er ging extrem schnell durch die Folien und die halbe Stunde war mit Inhalt für einen ganzen Abend vollgepackt. Dabei sparte er nicht mit Selbstkritik bzw. Kritik am Vorgehen des eigenen Konzerns (Vergleich: Hochseetanker). Die Erfahrungen die mit diversen Methoden gemacht wurden, nutzte er, um Schwachstellen aufzuzeigen und möglichst daraus zu lernen. Eine Zusammenfassung bzw. einen Ausschnitt daraus hat Marc Wagner unter dem Titel „Die Erschütterung der alten Macht: Erneuerung durch Company Rebuilding? gepostet.

New Work in der Old Economy

Patrick Schneider vom DICE (Debeka Innovation Center) machte in seinem Vortrag klar, dass die neueste Technik nicht das Allheilmittel ist. Vielmehr lohnt es sich, als Arbeitgeber Ermöglicher für die eigenen Mitarbeiter zu sein und die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Die Debeka selbst wählte dafür die Methode des Innovation Lab, mit dem Anspruch dieses einerseits den Kollegen aus verschiedenen Bereichen zur Verfügung zu stellen und andererseits positive Erkenntnisse in die Kultur des Gesamtunternehmens zu übertragen. Christoph Surges zeigte dann noch das Konzept des DICE, dazu dann aber nochmal mehr an dieser Stelle, wenn wir uns das mal in fertig und in echt angucken dürfen. 😉

Was war noch?

  • Wie Satya Nadella die Unternehmenskultur von Microsoft umgekrempelt hat, erklärte Andreas Grigull.

  • Frank Birzle, Co-Founder von Ottonova, einem reinen Online-Anbieter für private Krankenversicherung, stellte deren Geschäftsmodell vor. Der Kundenstamm ist noch winzig, aber der Ansatz, rein über eine App zu gehen, durchaus mutig und innovativ. Beispielsweise kann dort eine Arztrechnung per Smartphone-Foto eingereicht werden. Der gesamte Entwicklungsprozess ist agil aufgestellt, so dass schnell auf Kundenwünsche reagiert werden kann.
  • Herbert Jansky präsentierte das InsurLab Germany, eine Keimzelle für Insurtech-Startups in Köln. Einige Ideen und Projekte konnten schon bei großen und mittelgroßen Versicherungen in den produktiven Einsatz gebracht werden.
  • Daniel und ich (Team TZK) mussten eine extrem knappe Niederlage gegen Team Debeka-IT einstecken. Das hat gesessen!

Immer gut: Miteinander reden

Danke an die Debeka-DICE-Crew für die Einladung und die sehr aufwändige und engagierte Orga. Besonders schön war, dass in den Pausen und nachher Gespräche entstanden, auch mit Leuten, die sich vorher noch nicht kannten. Wenn die Digitalszene von Koblenz sich weiter vernetzt, finden wir das gut und wünschen außerdem den Teilnehmern beim Hackquarter viel Erfolg beim Weitermachen mit ihren Ideen!

Was passiert, wenn die Google KI Fotos nachzeichnet: Cartoonify

Im vorletzten Post hier im Blog haben wir das Experiment Google Move Mirror vorgestellt, bei dem live Bewegungen einer Person vor der Webcam ausgewertet werden. Tolle Sache. Heute geht es um den Versuch, Bilder nachzuzeichnen. Eine leichte Übung…?

Dass Bilder, die mit dem Smartphone aufgenommen werden, automatisch von Google & Co. verbessert werden, daran haben wir uns wohl alle schon gewöhnt. Viele erwarten es sogar. Verbesserungen, automatische Korrekturen, Effekte – all das gehört mehr oder weniger zum Standard. Da kann es doch nicht so schwer sein, so ein Foto abzumalen?

Nun, das Tool Cartoonify von Google versucht genau das und wandelt ein Foto in eine Strichzeichnung um.

Na ja, sie versucht es zumindest.

KoblenzDigitalCartoonify_Sample

Wohl gemerkt: Es werden nicht einfach die Konturen von Elementen im Foto nachgezeichnet. Vielmehr versucht die KI, die Elemente zu erkennen, die im Bild abgelichtet wurden, und zeichnet diese dann nach.

Bei meinen Versuchen war das Ergebnis eher durchwachsen:

KoblenzDigitalCartoonify_Sample2

Okay: das wesentliche – den Burger – hat Google erkannt. Die Pommes sind allerdings etwas – mhmm – auf das Wesentliche reduziert.

Zweiter Versuch mit einer Gruppe von Menschen beim Barcamp Koblenz:

KoblenzDigitalCartoonify_Sample3

Warum gerade drei Personen bei diesem Bild hervorstechen, weiß ich auch nicht genau.

Wie funktioniert die Erkennung der Fotos?

Wie man an den Beispielen oben leicht sieht, klappt es mit der Erkennung der Bildinhalte und der Umsetzung in eine Zeichnung mal besser, mal schlechter. Doch wie funktioniert das Ganze überhaupt?

In einem ersten Schritt versucht die KI die Bildinhalte zu erfassen. Je klarer und eindeutiger das Bild, desto eher gelingt ihr das. Darum gilt: am besten Fotos mit wenigen Objekten verwenden.

Hat die KI die Objekte oder Personen im Foto ausgemacht, wird im zweiten Schritt in der Bilddatenbank Quick-Draw gesucht. Vielleicht kennst Du dieses Google Experiment noch: hier ging es darum, Begriffe zu zeichnen, die die KI erkennen sollte. Die Nutzer machten fleißig mit und so entstand eine Datenbank mit mehr als einer Milliarde Kritzeleien. Und dieser Fundus wird nun verwendet, um eine Zeichnung mit den Objekten zu erstellen, die die Cartoonify KI im Foto erkannt hat.

Jetzt Ihr: Ausprobieren!

Macht Euch selbst ein Bild von dem Google Tool. Hier der Link auf die Website.

Was meint Ihr?

Habt Ihr ein cooles oder lustiges Ergebnis erhalten?

Könnt Ihr gerne bei uns auf Facebook oder Twitter posten!

Würde uns freuen!

#HRCKO: Das HRcamp Koblenz feierte seine Premiere

Koblenz hat ein neues Event! Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? Welche Erwartungen hat das Personal? Was muss man tun, um Mitarbeiter langfristig zu halten und neue Fachkräfte hinzuzugewinnen? Zu diesen und weiteren Fragen rund um Human Resources kann man sich künftig auf dem HRcamp Koblenz austauschen. Gestern fand die Premiere statt.

Personaler haben kein gutes Image. Deshalb spricht man nicht mehr von der Personalabteilung, sondern von der HR-Abteilung: Human Resources. Das klingt gehoben, hat den Geschmack von Verantwortung und Ansehen. Wie sieht jedoch die Realität aus? Genießen Personaler tatsächlich Wertschätzung? Wie verhalten sich HR-Fachkräfte unter sich, wie ticken sie und mit welchen Herausforderungen haben sie in ihrem Job zu tun? Wir wissen es, denn wir haben das erste HR-Barcamp der Region besucht. Veranstaltet wurde das Event von der IHK Akademie Koblenz. Die Idee, so ein Fach-Barcamp zu organisieren, entstand übrigens auf dem diesjährigen Barcamp Koblenz. Hut ab für die schnelle Umsetzung!

Am besten lassen wir die Teilnehmer selbst sprechen und nehmen Euch hierfür auf eine kleine Reise durch die Tweets zur Veranstaltung mit. Sabine Dyas, Geschäftsführerin der IHK Akademie Koblenz, begrüßte uns alle, und Stefan Evertz moderierte die Veranstaltung. Zu den Hosts des Events gehörte auch seine Frau Katja Evertz.

Die Vorstellungsrunde zeigte, wie viele Teilnehmer*innen aus durchaus unterschiedlichen Bereichen kamen. Obwohl die meisten Anwesenden zum ersten Mal an einem Barcamp teilnahmen, das Format folglich noch nicht recht kannten, hatten sie gekonnt jeweils drei Hashtags vorbereitet und dabei Humor gezeigt. Nach der Vorstellungsrunde und Sessionplanung, begann der erste Sessionblock. Es fanden jeweils drei Sessions parallel statt.

Während beispielsweise Gerrit über das spannende Thema „Employee Advocacy“ sprach und erklärte, wie man eigene Mitarbeiter für Social Media gewinnt, saß ich in der Session „HR ist wie Aquise“ und diskutierte mit allen Teilnehmenden unter anderem über die aktuellen Herausforderungen im Bereich Recruiting. Wer ein negatives Bild von Personalern hat, hätte in dieser Session sitzen müssen, denn eines wurde deutlich: Die Anwesenden machen sich tagtäglich eine Menge Gedanken um das Wohl der Angestellten.

Personalgewinnung scheint insbesondere im ländlichen Raum ein großes Problem darzustellen.

Und wo findet man ITler überhaupt? Ohne Social Media scheint nichts mehr zu laufen, aber obwohl sogar schon auf Instagram gesucht wird, sind ITler schwer auffindbar. Die Frage nach den ITlern entfachte eine kleine Diskussion auf Twitter. Bester Hinweis: Sie sind auf GitHub unterwegs! Das meint auch Katja. Außerdem kam noch dieser Tipp hier:

In der zweiten Sessionrunde ging es mit weiteren Aspekten von Human Resources weiter. Dabei wurde deutlich, dass es HR-Abteilungen wie Sandwichkindern geht. Die Position zwischen Geschäftsführung und Personal ist kein leichtes Spiel. Einer der Tipps, die sich die Anwesenden zur gegenseitigen Unterstützung gaben, lautete: „Wenn man die Mitarbeiter zur Teilnahme am Gesundheitstag oder ähnlichen Aktionen nicht mobilisiert bekommt, hilft es häufig, den Betriebsrat mit ins Boot zu nehmen. Der erreicht die Menschen ganz anders. Das wirkt.“

Wollt Ihr mehr über solche Videos wissen? Hier haben zwei Teilnehmer des HRcamps in der Pause mal kurz darüber gesprochen und es professionell authentisch rübergebracht. Schaut mal:

Aber Ihr wisst schon, Natürlichkeit ist alles.

Mittagspause! #yummy, das war lecker! Doch die Tatsache, dass wir hier so gut wie keine Bilder der leckeren Speisen einbauen können, zeigt, dass auf der Veranstaltung mehr Wert auf Gespräche als aufs Fotografieren gelegt wurde. Das ist ein gutes Zeichen. Netzwerken ist sinnvoll.

 

Alle Sessions zu erwähnen, würde den Rahmen dieses Blogbeitrages sprengen. Wer mehr davon sehen und eventuell auch ganze Gespräche nachlesen möchte, die sich dazu parallel auf Twitter ergeben haben, findet sämtliche Tweets unter dem Hashtag #hrcko.

Feedback zum HRcamp Koblenz gab es anschließend auch.

Und hier unser Feedback. Per Video. Denn diese Möglichkeit gab es vor Ort, und da wir Social-Media-Freaks bekanntlich zum Pferdestehlen sind, konnten wir uns auch diesen Spaß nicht nehmen lassen. 😉

Und damit Ihr nicht nur unsere Meinung dazu kennt, hier auch noch das Feedback von Maren aus Düsseldorf:

Wir bedanken uns für das erste HRcamp Koblenz und freuen uns aufs nächste Jahr.

Lesenswertes zum #HRCKO:

Let’s dance – mit dem Google Move Mirror!

Das Google sich stark mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt, ist kein Geheimnis. Mit dem dem Projekt Move Mirror gehen die Leute aus Mountain View die Sache von der spielerischen Seite an – und zeigen gleichzeitig, was schon machbar ist.

I´ll be back

Das ist einer der bekanntesten Sprüche von Arnold Schwarzenegger in Teil 1 von Terminator. Und beim Thema KI denken noch viele von uns – reflexartig – an die Nachteile und Gefahren einer solchen Technologie.

Vielleicht ist das mit ein Grund dafür, das Google für das Projekt Move Mirror einen kreativeren, spielerischen Ansatz gewählt hat. Bei diesem KI-Experiment werden durch die Webcam die Bewegungen der Person vor der Kamera erfasst und die Bewegungen mit 80.000 in einer Datenbank gespeicherten Fotos abgeglichen.

Interessant sind dabei zwei Faktoren: die Verarbeitung erfolgt nicht irgendwo auf einem Server bei Google sondern direkt im Browser des Benutzers. Und Aufnahme, Auswertung, Abgleich und Anzeige des gefundenen Fotos erfolgen (nahezu) in Echtzeit. Ohne Hightech-Hardware sondern nur mit den Mitteln Deines Webbrowsers.

Und Google wäre nicht Google, wenn man das Ergebnis nicht mit Freunden teilen könnte. Als Animated Gif. Hier ist mein erster Gehversuch bei Google Move Mirror.

winni-move-mirror

Nicht schlecht, oder?

Was steckt dahinter?

Im Detail könnt Ihr das im Blog von Google nachlesenUnterm Strich kommen hier zwei Techniken zum Einsatz:

Zum einen nutzt die Website PoseNet. Mit PoseNet kann die Körperhaltung einer Person ermitteln. Das erkennt Ihr an den Kugeln und Linien, die auf Eurem Webcam-Bild eingeblendet werden. Insgesamt werden 17 Punkte für die Positionsbestimmung von Kopf und Körper erfasst und diese Positionsdaten werden mit den Fotos der Datenbank abgeglichen.

Dabei hilft die zweite Technik-Komponente: Tensorlfow.js. Tensorflow.js ist eine Bibliothek, die im Browser ein integriertes Machine-Learning-Modell ausführt. Bildverarbeitung und Erkennung der Positionen laufen komplett im Browser ab (okay: am Anfang merkt man das – zumindest auf meinem Notebook – an leichten Rucklern bei der Anzeige – gibt sich aber in der Regel bald wieder).

Und jetzt Du!

Zeig uns Deine besten Moves! Teile auf Twitter oder Facebook von KoblenzDigital Dein Google Move Mirror Gif!

Hier der Link auf die Projekt-Seite von Google Move Mirror.

Trau Dich!

„Startups sind wichtig, um die Region zu beleben“

Diesen Monat findet zum fünften Mal das Koblenzer Startup Weekend statt. Um mehr darüber zu erfahren, haben wir uns im Technologiezentrum Koblenz (TZK) mit zwei wichtigen Köpfen dieser Veranstaltungsreihe getroffen. Markus Maron ist Vorstand des IT.Stadt Koblenz e.V. und Organisator des Startup Weekends. Jan Hagge ist Geschäftsführer des TZK und auch für die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Koblenz tätig. Beim Startup Weekend sitzt er in der Jury.

Herr Maron, warum braucht Koblenz Startups?

Startups sind wichtig, um die Region zu beleben, neue Firmen hervorzubringen, agiler zu werden und ganz neue Arbeitsweisen an den Tag zu legen als es etablierte Unternehmen tun. Startups sind viel schneller in der Entscheidung und Umsetzung als große Firmen, die eher festgefahrene Prozesse haben und nach dem Motto agieren: “Das haben wir schon immer so gemacht”. Daher ist es gut, Firmen zu haben, die binnen kurzer Zeit schon ein Produkt oder einen Prototyp auf den Markt bringen. Warum genau Koblenz das braucht, kann Herr Hagge als Fachmann für Wirtschaftsförderung und Geschäftsführer des Technologiezentrums bestimmt viel besser erklären.

 

Herr Hagge, kann die Region mehr Startups gebrauchen und würden auch etablierte Unternehmen davon profitieren?

Sicherlich. Zum einen braucht es neue Startups, weil jedes Traditionsunternehmen, das es heute irgendwo gibt, früher mal ein Startup war. Es gibt nicht mehr viele große Unternehmen, deren Gründer noch leben. Die meisten Unternehmen haben schon eine lange Historie, daher ist es sinnvoll, den Gründergeist wieder zu beleben. Das ist eine Bewegung, die in ganz Deutschland und Europa befürwortet und gefördert wird. Daher möchten wir das auch in Koblenz machen und die Gründe dafür hat Herr Maron ganz richtig genannt. Neue Methoden erlernen, neue Themen aufsetzen, neue Geschäftsmodelle entwickeln – all das kann in einem neuen Unternehmen realisiert werden. Allerdings kann man alles, was man beim Startup Weekend lernt, auch in einem bestehenden Unternehmen umsetzen, um dort neue Projekte zu entwickeln. Das ist ein Hauptaspekt, der eine besondere Stärke des Startup Weekends darstellt. Aus einer vagen Idee oder bestehenden Problemstellungen entsteht am Ende ein in sich geschlossenes, funktionierendes Modell von einem Unternehmen oder einer Geschäftsidee.

 

Spielt diese positive Energie nicht insbesondere im Hinblick auf Recruiting eine große Rolle für die bestehenden Unternehmen?

Maron: Ja, ich denke, das ist mit ein Grund dafür, dass uns beispielsweise die Debeka unterstützt. Hier im Gebäude gegenüber des TZK soll das DICE – Debeka Innovation Center – eröffnet werden. Damit möchte man sich auch attraktiver für zukünftige Mitarbeiter machen und nicht nur Versicherer, sondern auch innovativer Arbeitgeber sein.

Hagge: Immer mehr Menschen suchen Arbeitsplätze mit nicht vorgegebenen Arbeitsstrukturen. Beim Gründungsthema geht es nicht darum, Leute aus der Arbeitslosigkeit herauszuholen oder sie davor zu bewahren. Es sind oftmals sogenannte High Potentials, die auf dem etablierten Arbeitsmarkt sehr gute Aussichten hätten, aber den Drang dazu verspüren, etwas Neues zu erschaffen. Diejenigen achten auf das Arbeitsumfeld und wollen sich die Aufgaben selbst aussuchen. Welche Möglichkeiten habe ich? Welche Firmenphilosophie wird vertreten? Das sind Fragen, die sie sich stellen. In der Startup-Welt sind viele Themen vertreten, die heute auch große Unternehmen im Sinne von Arbeitskultur aufgreifen wollen.

 

Beim Thema Startup denken die meisten an Metropolen, nicht zuletzt an Berlin. Warum sollten Gründer ihre Idee in Koblenz realisieren und aufbauen?

Hagge: Das kommt auf den Zielmarkt an. Koblenz hat eine sehr diversifizierte wirtschaftliche Landschaft und ist jetzt schon eines der stärksten Wirtschaftszentren in Rheinland-Pfalz, vor allem ohne den Fokus in einem einzigen Bereich. Eine breit aufgestellte Wirtschaftslandschaft mit einer sehr guten Mittelstandsbasis ist hier ein großer Vorteil. Wenn man also mit seinem neuen Unternehmen auf Firmenkunden abzielt, dann findet man hier sehr gute Voraussetzungen. Berlin hat andere Stärken. Die dortigen Startups sind häufig im Endkundenbereich angesiedelt und erfahren starke Finanzierung. Doch einer der Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands ist, dass wir nicht diese zentralisierten Strukturen, sondern starke Regionen haben, die ihre eigenen Identitäten aufweisen. Das ist auch in Koblenz der Fall.

Maron: Ich denke, es kommt auch darauf an, worauf man abzielt. Startup gründen, Finanzierung bekommen und dann schneller Exit? Dann ist man in Berlin oder einer anderen Metropole besser aufgehoben, weil es dort vielmehr Investoren gibt. Wenn man aber ein Startup aufbaut, um langfristig auf dem Markt zu bleiben, dann geht das hier besser, weil man hier mehr potenzielle Kunden zur Verfügung hat.

 

Sie beide setzen sich sehr für die hiesige Startup-Landschaft ein. Welche Unterstützung könnte unsere Region noch gebrauchen? Was fehlt?

Hagge: Wenn man mit erfolgreichen Gründern aus der Region spricht, gibt es immer wieder gute Argumente für die Vernetzung mit Gründern aus anderen Regionen. Andernorts, wie beispielsweise in Frankfurt, ist das Angebot an Veranstaltungen mit hervorragenden Speakern größer. Es wäre schön, wenn auch wir die Mittel hätten, deutschlandweit interessante Speaker hierher einzuladen, um auch fortgeschrittenen Unternehmern spannende Formate bieten zu können.

Maron: Und da wäre noch der Aspekt “Investoren”. In der Region gibt es viele Menschen, die als Investor tätig sein könnten, aber eventuell nicht wissen, dass es hier Startups gibt, die sich auch über einen vergleichsweise kleinen, fünf- oder sechsstelligen Betrag freuen würden. Gerade am Anfang braucht man ja relativ wenig Geld. Hier findet man eine gute Infrastruktur vor, aber man braucht Geld, um seinen Lebensunterhalt finanzieren zu können. Dann lässt sich auch eine Unternehmensidee verwirklichen. In der Region gibt es viele, die Geld haben und auf dem Kapitalmarkt nichts für ihr Geld bekommen. Diejenigen müsste man mit den Startups zusammenbringen.

 

Warum organisieren Sie das Startup-Weekend?

Maron: Als ich damit anfing, Veranstaltungen für Startups zu organisieren, gab es zwar schon das TZK, aber spezielle Events fanden nicht statt und das ISSO existierte noch nicht. Die Startup-Community in Koblenz war sehr überschaubar. Das fand ich sehr schade und wollte es ändern. Startup Weekends fanden auch in anderen rheinland-pfälzischen Städten statt, gefördert vom Land. Für mich war das ein Antrieb so etwas auch in Koblenz auf die Beine zu stellen, um eine Community zu fördern. Die Leute sollten sich treffen, miteinander austauschen und vernetzen.

 

Was genau ist das Startup Weekend und für wen könnte es interessant sein?

Maron: Beim Startup Weekend handelt es sich um ein weltweites Veranstaltungsformat. Unterstützt wird es von Google for Entrepreneurs und hat bereits in über 1000 Städten stattgefunden. Wir haben 2014 damit angefangen. Es kommen Gründungsinteressierte zusammen, ganz egal welchen Alters und unabhängig davon, ob sie bereits eine Idee haben oder nicht. Wer Spaß daran hat, etwas gemeinsam mit anderen umzusetzen – ob als Programmierer, BWLer oder aus einem ganz anderen Bereich – ist da genau richtig. Manche kommen bereits mit einer Idee und suchen Leute, um ein Team aufzubauen und 54 Stunden lang an der Idee und Umsetzung zu arbeiten. Am Ende des Wochenendes stellen sie ihre Idee ein weiteres Mal vor, nämlich das, was in der Zwischenzeit daraus geworden ist. Eine Jury entscheidet darüber, welche Ideen am besten sind. Diejenigen erhalten dann Preise.

Hagge: Das Ganze wird innerhalb der 54 Stunden von Mentoren begleitet. Sie stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Es sind Experten aus unterschiedlichen Bereichen, zum Beispiel Gestaltung, Technologie oder Wirtschaft, aber auch Unternehmerpersönlichkeiten, die sich dem Gründungsgedanken verbunden fühlen. Wir haben mittlerweile ein gutes Netzwerk aus Unterstützern.

 

Sie sitzen in der Jury, Herr Hagge?

Hagge: Ich bin Jurymitglied, ja.

 

Ist es schön, am Ende die Ergebnisse zu sehen?

Hagge: Ja, definitiv. Denn am Anfang ist völlig unklar, welche Ideen tatsächlich kommen werden, welche Teams entstanden sind und welche Potenziale darin erkannt werden. Der große Knackpunkt an der Sache ist, die am Startup Weekend entstandene Energie fortzuführen, also die Gründerteams dazu zu bewegen, dass sie in der Form und mit dem Gedanken weitermachen. Denn viele von ihnen kannten sich vorher gar nicht. Dann gewinnen sie einen Preis und haben die Möglichkeit, mehr daraus zu machen. Aber wie hält man sie an der Stange? Das ist übrigens ein Thema, warum auch Martin Görlitz Jurymitglied ist und mit ISSO die Gewinner unterstützt. Auch wir vom TZK stellen dem Siegerteam bestimmte Strukturen und konkrete Leistungen zur Verfügung, damit es die Möglichkeit hat, weiterzumachen und die Unternehmensgründung zu realisieren.

 

Ist Ihnen aus den vergangenen Jahren eine nennenswerte Story in Erinnerung geblieben? Ein besonders erfolgreiches Team?

Maron: Grundsätzlich ist es jedes Mal schön zu sehen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Spaß an der Sache haben und am Ende auch dankbar für diese Erfahrung sind. Im ersten Jahr hatten wir hier ein Team, das einen Foodtruck auf die Straße bringen wollte und mit Hilfe der Mentoren die notwendige Finanzierung erhalten hat. Die Teammitglieder waren so dankbar, dass sie ein oder zwei Jahre später als Sponsor zum Startup Weekend kamen und an einem Tag die Burger umsonst ausgegeben haben. Ein anderes Team mit Studenten von der WHU hatte zuerst hier, dann auch bei anderen Wettbewerben gewonnen und ist schließlich nach Berlin gegangen.

 

Wo wird das diesjährige Startup Weekend stattfinden und wann?

Maron: Dieses Jahr findet es hier im TZK statt. Es geht los am 19. Oktober um 17 Uhr und endet am Sonntagnachmittag etwa gegen 17 oder 18 Uhr.

Hagge: Der Veranstalter des Startup Weekends ist der IT.Stadt Koblenz e.V., aber bei den Organisatoren handelt es sich um die Startup League Koblenz. Das sind mehrere Mitglieder von einzelnen Institutionen, die sich zum Thema Gründungsförderung zusammengefunden haben: die IHK und die HwK, das ISSO als private Stiftung zu diesem Thema, das Technologiezentrum Koblenz (TZK), die Wirtschaftsförderung der Stadt Koblenz, der IT.Stadt Koblenz e.V. und die Wirtschaftsjunioren. Außerdem das Gründungsbüro der Universität Koblenz und die WHU Otto Beisheim School of Management. Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Bei den meisten dieser Partner durften wir bereits das Startup Weekend veranstalten und diesmal findet es zum zweiten Mal bei uns im TZK statt.

 

Kann man sich noch anmelden?

(beide erfreut)

Maron: Selbstverständlich.

Hagge: Definitiv.

 

Wir danken für das freundliche Gespräch und sind gespannt auf das Event.

Weitere Informationen zum Startup Weekend 2018 findet Ihr hier.